Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Fußball-Kuriosum

0:154 - Gegentore im Drei-Minuten-Takt

16.09.2008 | 17:40 Uhr
0:154 - Gegentore im Drei-Minuten-Takt

Bochum. 154 Gegentore - eine demoralisierende Bilanz für ein Fußballteam. Der FC Inter Bochum hat das geschafft, ohne selbst auch nur einmal zu treffen. Nicht etwa in einer Saison, sondern in ganzen fünf Spielen.

Mit dem 0:34 im Bezirksliga-Duell bei der SpVg Hagen 11 sind die überforderten Freizeitkicker zum einmaligen Kuriosum im deutschen Fußball geworden.

"Oh, schon das erste Tor." Einen Moment hat Ömer Güngör nach dem Anpfiff am Loheplatz nicht aufgepasst, da muss sein Torhüter Erdal Gökcek bereits das erste Mal den Ball aus dem Netz holen. Darin hat der Inter-Schlussmann angesichts der 120 Gegentore in den ersten vier Bezirksliga-Partien ja bereits eine gewisse Routine. Doch in Halbzeit eins auf dem Aschenplatz im Hagener Ortsteil Emst kommt es besonders heftig. 4:0 für die Gastgeber steht es bereits nach fünf Minuten, zur Halbzeit haben die Bochumer sich rekordverdächtige 20 Gegentore gefangen. Erst nach dem Wechsel pendelt sich der Torreigen beim bisherigen Drei-Minuten-Rhythmus ein, das 35:0 des FSV Witten aus der Vorwoche bleibt unerreicht.

Und wieder allein gelassen: Inter-Torhüter Erdal Gökcek kassiert gegen den Hagener Gordon Stolzenbach eines von insgesamt 34 Gegentoren. Foto: Michael Kleinrensing

Inter-Klubvize Güngör nimmt es gelassen. "Es ist egal, wieviel zu Null wir verlieren", sagt er, "wir wussten ja, dass die Liga zu hoch für uns ist. Aber die Jungs wollen das durchziehen." Diese, eine Gruppe von Freizeitkickern, die eigentlich in der niedrigsten C-Klasse einsteigen wollten, sind eher versehentlich in die Bezirksliga geraten. Weil sich beim FC Inter - mit ambitioniertem Kader um Ex-Bundesligaprofi Peter Közle dreimal in Folge aufgestiegen - im Sommer Sponsoren, Klubführung und Spieler verabschiedeten, rückten die Hobbysportler nach. Auch weil diese feststellten, dass die ursprünglich geplante Vereins-Neugründung teurer und aufwändiger gewesen wäre.

Denn von Beginn an sind die Bochumer selbst in der achthöchsten Klasse heillos überfordert und kassieren Tore im Drei-Minuten-Takt. Auch weil sie nicht mauern, sondern nach jedem der vielen Anstöße gleich munter nach vorn spielen - und schnell den Ball wieder los sind. Den gegnerischen Angreifern gewährt die Inter-Defensive zudem meist mit untauglicher Abseitsfalle freie Bahn. Sich mit unfairen Mitteln gegen die Torflut stemmen, käme den Inter-Kickern nicht in den Sinn. "Wir wollen zeigen, dass Fußball Freundschaft ist", sieht Güngör sein Team bewusst als Gegenentwurf zum zunehmenden Gewalttrend auf den Amateurplätzen: "Es wollen doch alle am Montag wieder gesund zur Arbeit gehen."

Zum überregionalen Gesprächsthema ist der FC Inter so schnell geworden, für den Gastgeber ungewohnte 150 Zuschauer wollen den Auftritt der Bochumer in Hagen sehen. Neben reichlich Hohn und Spott gibt es auch Respekt für den Durchhaltewillen. Wie lange der bleibt, ist die Frage. "Die Chancen stehen schlecht, dass wir überhaupt noch Spieler bekommen", zweifelt Trainer Lothar Adomeit an der erhofften Verstärkung: "Die lesen doch auch die Ergebnisse und Schlagzeilen. Zwei Torhüter, die kommen wollten, sind schon abgesprungen." Seinen Optimismus verliert er auch bei einer 0:154-Bilanz aber nicht: "Mein Ziel bleibt es drinzubleiben."

Von Axel Gaiser

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1197952/create

Umfrage
Sollte das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin wiederholt werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
SSV Meschede - SV Herbern 2:1
Bildgalerie
Landesliga 5
Schmallenberg - Nuhnetal 2:1
Bildgalerie
Bezirksliga 5
Ein toller Pfingstsonntag mit Fußball und ZumbaBremenstadion
Bildgalerie
Spax Cup 2012 Sonntag
RAMS Summer-Cup 2012
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
DFB-Team genießt Ablenkung beim Formel-1-Rennen in Monaco
Nationalmannschaft
Interessiert und stark beeindruckt schlenderte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft durch das Fahrerlager beim glamourösesten Formel-1-Rennen des Jahres. Es war eine willkommene Abwechslung für die DFB-Auswahl nach der 3:5-Niederlage im Testspiel gegen die Schweiz in Basel vom Vortag.
Text
Wettskandal - Razzia im italienischen EM-Trainingslager
Wettskandal
Kurz vor der EM hat der italienische Wettskandal auch die Squadra Azzurra erreicht. Bei einer Razzia im Trainingslager der Nationalmannschaft durchsuchte die Polizei am Montagmorgen das Zimmer von Abwehrspieler Domenico Criscito. Er darf nun nicht mit zur EM fahren.