Wie der digitale Vertrieb uns umerziehen soll
07.01.2010 | 08:00 Uhr 2010-01-07T08:00:00+0100
Die Zukunft der Videospielvermarktung liegt im digitalen Markt. Was Steam vor Jahren bei den PC-Spielern einführte, geht auf den Konsolen weiter: Spiele werden als Download angeboten. Der Datenträger tritt in den Hintergrund. Doch wie nützlich ist der neue Vertrieb für die Käufer?
Datenträger haben ein ziemlich kurzes Leben. Angefangen bei den Tonbändern über Videokassetten bis zur CD und DVD. Letztere wird besonders bei Videospielen immer mehr in Frage gestellt. Braucht man überhaupt noch DVDs, wenn man alles als Datei herunterladen kann? Electronic Arts, Capcom und andere Größen der Spielindustrie sind Fürsprecher des sogenannten digitalen Vertriebs. Spiele sollen in naher Zukunft nicht mehr als physischer Datenträger, sondern als Download zum Käufer gelangen.
Wie? Das bedeutet ja, nichts „Reales“ mehr im Schrank zu haben. Allenfalls bekommen wir vielleicht noch einen Download-Code in einer Hülle überreicht. Die Gewissheit, dann nicht mehr im vollen Umfang selbst über seine Ware bestimmen zu können, hinterlässt etwas Unwohlsein. Was passiert mit den Videospielen, bei denen ein Multiplayer-Modus notwendig ist? Sportspiele sind das beste Beispiel. Wenn sich EA wie jetzt im Februar entschließt, mal wieder einige Online-Server herunterzufahren, kann das für einige Spieler unerfreulich sein. Konsolen- wie PC-Spieler würde es dann gleichermaßen treffen. Bis jetzt ist es noch eine vergleichsweise kleine Gruppe von Spielern und bestimmt würde ein "Modern Warfare 2" nicht schon nach einem Jahr seine Online-Unterstützung verlieren, aber der Gedanke daran, seine Spiele nur noch auf einer Festplatte zu besitzen, ist aus vielen Gründen eine kritische Überlegung wert.
Das virtuelle Gut
Die Technik muss funktionieren, denn wenn bezahlt wird und der Download nicht richtig klappt, liegt es wie immer am Käufer, sein Recht einzufordern. Telefonieren, erklären, das Spiel erneut installieren, vielleicht sogar in die Verlegenheit kommen, sein Geld zurückzufordern. Auf der anderen Seite spart man viel Platz ohne die ganzen Verpackungen und die Industrie spart Herstellungskosten. Zudem erhoffen sich viele Entwickler einen besseren Schutz vor Raubkopierern. Ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Doch es scheint alles eine Art der Umerziehung zu sein. So langsam werden wir an den Download-Content gewöhnt, sei es mit kleinen Add-ons oder kompletten Episoden, wie es Rockstar bei "GTA IV" gemacht hat. Auf der Xbox 360 lassen sich Spiele wie Mass Effect zum Ladenpreis herunterladen. Einen wirklichen Vorteil hat der Käufer deshalb allerdings nicht, man braucht zum Spielekauf nur die Couch nicht mehr unbedingt zu verlassen. Bisher stellt sich das als einziger Vorteil für den Spieler heraus. Kommt hier das Oldschool-Denken zum Tragen, das es damals auch bei MP3s gegeben hat? Irgendwie fehlt es uns noch an den guten Argumenten für den Käufer, diesen Schritt auf allen Gaming-Plattformen endgültig zu vollziehen. Für viele Entwickler ist der digitale Vertrieb die Zukunft der Multimedia-Branche. Vielleicht, aber ist es auch die beste für den Käufer?
Weitere Themen:
20:39
Auf der einen Seite haben Dienste wie Steam schon den ein oder anderen Vorteil - sofern man eine relativ schnelle Internetverbindung hat. Andernfalls sieht es selbst redend schlecht aus und es ist natürlich schade, dass hier ein Teil der Bevölkerung stark benachteiligt ist.
Ich selber benutze Steam und spiele Valve-Spiele, weil ich diese aus Spielerischer Sicht überragend finde. Aber ein negatives Gefühl bleibt doch erhalten.
Was auch häufig nicht beachtet wird, ist dass Download-Spiele nicht weiterverkauft werden können, obwohl das eigentlich eine selbstverständlichkeit sein sollte, seine Besitztümer weiterzuverkaufen.
18:35
Super Download.....
Ich freue mich schon darauf, wenn ich zukünftig die Datenmenge einer DVD oder sogar BueRay runterladen darf.
Mit meiner 6000er VerstaelLeitung, die nur 4000mbit/s bringt.
Soll ich meinen Rechner 3 Tage durchlaufen lassen oder was ??
Ich will was in der Hand haben und nach möglichkeit weiterverkaufen, wenn ich keinen Bock mehr drauf habe.
Alles was via Lizens an mich gebunden wird oder nur Online geladen werden muss kaufe ich nicht, basta.
Man kommt sich fast vor wie in WOW, wo das Breitschwert XY seelengebunden ist, so ein schwachsinn.
09:09
Man sollte man den fehlenden Wiederverkaufswert nicht unterschätzen:
Momentan ist es noch möglich, Neuerscheinungen von Spielen (bei uns ist es die WII) auf Verdacht zu kaufen, auszuprobieren und bei Nichtgefallen für ca. zehn Euro weniger wieder weiterzureichen.
Für einen nicht weiterverkäuflichen Download würde ich nicht mal eben auf Verdacht 50 Euro und mehr raus tun.
Mein bisher einziger Download war Bomberman. Das ist nun laut Lizenz an meine Konsole gekoppelt, und ich muss es, wenn ich das richtig verstanden habe, vor Veräußerung der Konsole wieder löschen. Naja, war nicht teuer, und ich habs für Bomberman getan. Nochmal passiert mir sowas allerdings nicht.
14:36
@holmark:
Wenn Sie bedenken bzgl. mitinstallierten Hintertürchen usw., sollten Sie aber bedenken, dass die doch genau so durch die Installationsdatei der CD-Version mitinstalliert werden könnten.
13:39
Grundsätzlich finde ich downloads gut. Weniger Müll.
Aber ein Bedenken bleibt: was installieren die mir alles heimlich so nebenbei? Womit überwachen die mich und gängeln die mich? Solange das nicht restlos geklärt ist, verzichte ich auf Vollversionen per download.
13:46
So in Käse. iTunes zeigt doch wie gut das funktionieren kann. Demnächst fallen die Preise und die Spiele kommen in Episoden. Wer meint, das wäre ein optionale Entwicklung, der wird sich in 10 Jahren vergebens nach physischen Speichermedien umschauen. Die CD ist schließlich auch schon so gut wie tot.
13:07
Die Verkäufe werden allein schon fallen weil (ich glaub so 50%) weniger Leute erreichbar sind, z.B. weil sie kein Internet haben oder kein Onlinefähiges Konto oder sich nicht damit auskennen. Die Ganzen Großeltern die Ihren Kindern das Spiel kaufen zu Weihnachten fallen weg weil die es höchstwahrscheinlich nicht hinbekommen oder nicht wollen (Sicherheit).
Was steigen wird ist der Verkauf von Rohlingen und Festplatten weil man die Spiele ja irgendwo unterbringen muss!
Um dem Verlust von Kunden entgegen zu wirken müsste man dann (ähnlich wie Steam) andauernd irgendwelche Aktionen machen und das wird zurückgehen wenn plötzlich alle Online Spiele vertreiben.
11:10
Ich bin mir sicher, die Spieleindustrie schneidet sich damit ins eigene Fleisch.
Die Verkäufe werden zurückgehen da bin ich mir sicher.
Der Mehrwert eines Originals vor einer Raubkopie löst sich in Luft auf.
Für viele wird es keinen großen Unterschied machen, ob sie sich die Programme beim Hersteller herunterladen oder von einer der einschlägigen Warez Seiten.
Mal abgesehen vom Preis versteht sich..
09:23
Downloadspiele und Spiele mit Zwangsfreischaltung kommen mir nicht auf den Rechner. Obwohl ich Half Life 1 und C&C Red Alert 1 + 2 mit Begeisterung gespielt habe (von Anfang bis Ende), habe ich weder Half Life 2 noch das neue Red Alert gekauft und gespielt. Wenn ich schon massig Geld für die Dinger ausgebe dann habe ich was besseres zu tuen als mich von irgendwelchen Herstellern auch noch gängeln zu lassen.
09:01
Neben der Zahl an Kopien müsste sich eigentlich auch eine Ersparnis durch fehlenden Aufwand für die Pressung des Datenträgers, der fehlende Datenträger selbst, die fehlende Verpackung und ihr Design, die nicht mehr vorhandenen Zwischen- und Endhändlermargen und eingesparte Transportkosten ergeben.
Aber genau das wird nicht passieren. Gleicher Preis für weniger Leistung war schon damals beim Umstieg von vernünftigen Boxen mit gedrucktem Handbuch auf DVD-Boxen mit 2-Seiten-Inlay der Fall.
Und was mache ich, wenn ich mal etwas auf meinem Laptop ohne Internetzugang installieren möchte?