Mehr Knöpfe, mehr Leistung, mehr Farben

Kein echter Nachfolger, aber besser als der Vorgänger: Nintendo veröffentlicht den New 3DS. Das neue Modell des Millionensellers kommt mit verfeinertem 3D-Effekt, größerer Rechenleistung und einem kleinen Plastik-Knubbel für den besseren Überblick.

Aus Alt mach Neu: Mit dem "New 3DS" bringt Nintendo am 13. Februar die Idealform seiner erfolgreichen Hosentaschen-Hardware auf den Markt. Ein aufpolierter 3D-Effekt, zusätzliche Knöpfe und Funktionen zur komfortableren Kontrolle, verbesserte Technik und amiibo-Kompatibilität machen die Neuauflage zum begehrten Objekt für Mobile-Zocker. Die haben zudem die Wahl: zwischen einem in gedeckten Farben (schwarz und blau) gehaltenen XL-Modell (199 Euro) oder der "normalen" Version (169 Euro), die sich dank austauschbarer Hüllen kunterbunt gestalten lässt. In Japan kommt das Konzept hervorragend an: Über 1,4 Millionen Mal wanderte die Konsole binnen kürzester Zeit über die Ladentheken ...

Vier Jahre nach der Erstauflage seiner stereoskopischen Konsole 3DS bringt Nintendo jetzt einen Feinschliff des Systems auf den Markt. Das wichtigste Merkmal des schlicht New 3DS genannten Geräts gegenüber dem Vorgänger-Modell ist ein sauberes Head-Tracking - ein Luxus, den eigentlich schon das Original mitbringen wollte: Die über dem Display angebrachte Kamera vermisst dabei die Kopf- und Augenposition des Spielers, außerdem folgt sie seinen Bewegungen, um die Ausrichtung der 3D-Darstellung seinem Blickwinkel anzupassen. Die Folge: Bei leichten Kopfwacklern oder einem dezenten Drehen, Kippen oder Neigen der Konsole kommt es nicht mehr zu unschönen Verwischeffekten und Doppelbildern.

Bei ordentlicher Beleuchtung funktioniert das gleich so gut, dass selbst Spiele mit ausgiebiger Gyroskop-Nutzung kein Problem mehr darstellen. Wer etwa beim zeitgleich veröffentlichten "Zelda"-Abenteuer "Majora's Mask" sich aus der Ego-Perspektive umsieht, indem er sich die Konsole vor die Nase hält und umherschwenkt, genießt dank der neuen Technik trotzdem zu jeder Zeit ein stabiles 3D-Bild. Silberblick ade! In dämmrigen bis dunklen Räumen ist es für die Kamera allerdings schwierig, die Position der Spieler-Augen zuverlässig zu vermessen - dann stellen sich hin und wieder die von den Vorgänger-Modellen bekannten Probleme ein, wenn der Kopf des Spielers die zuletzt registrierte Idealposition verlässt.

Doch auch abseits der intelligenten und deutlich schärferen 3D-Darstellung hat die Handheld-Neuauflage einiges zu bieten: So macht der sogenannte C-Stick, der beim New 3DS rechts über die Buttons gequetscht wurde, das klobige Schiebepad-Pro-Zubehör für die erste Fassung des 3DS überflüssig. Mit dem unscheinbaren und unbeweglichen Plastikknubbel lässt sich in Spielen wie "Monster Hunter" oder "Resident Evil Revelations" die Kameraperspektive ändern. Das Miniatur-Steuerelement ist zwar weder so groß noch so präzise wie das linke Schiebe-Pad, aber für die Regulierung der Kamera reicht es allemal. Obendrein gestaltet sich der rasche Wechsel zu den Buttons angenehm flott und griffig.

Ebenfalls handlicher ausgefallen ist die Neu-Anordnung des Start- und Select-Knopfs: Die haben ihren ungünstigen Platz unterhalb des Touchscreen verlassen und sind endlich wieder dahin gewandert, wo sie bereits beim DS zu finden waren: an die rechte untere Seite. Den Power-Button hat man dagegen an die Vorderseite der Konsole verbannt - direkt neben das ebenfalls verschobene Aufbewahrungsfach für den Touch-Pen und den Spielemodul-Einschub. Auf der Rückseite hat Nintendo stattdessen zwei zusätzliche Schultertasten untergebracht. Das alles ist zwar ungewohnt, aber nicht unpraktisch.

Ganz im Gegensatz zur Handhabe des Speichermediums: Anstatt der bisher üblichen SD- und Mini-SD-Karten setzt der neue 3DS auf die von Smartphones und Tabletes bekannten Mikro-SD-Karten. Wer das Profil und die Spiele von seinem alten Modell per Datentransfer-Option auf das neue übertragen will, sollte sich am besten gleich eine ausreichend große Karte zulegen. Mitgeliefert werden nämlich nur vier Gigabyte. Zumal das Auswechseln der Mikro-SD-Karte das Abschrauben der unteren Geräte-Blende (Achtung: mikrofeiner Kreuzschlitz-Schraubenzieher benötigt) erfordert. Ein fliegender Karten-Wechsel ist nahezu unmöglich.

Deutlich leichter als die Abnahme der verschraubten Unterseite fällt der Wechsel der oberen Blende aus, die mit einem simplem Klick-Mechanismus einrastet. Dank eines Dutzend zusätzlich erhältlicher Cover im "Zelda"- oder "Mario"-Look darf man dem New 3DS eine individuellere Note verpassen. Ein Trick übrigens, der nur mit dem normalen Version funktioniert. Das XL-Modell kommt ohne abnehmbare Blende. Außerdem verzichtet sie auf die bunten Buttons im Super-Nintendo-Look, die dem kleineren New 3DS einen stylishen Retro-Look verleihen, der vermutlich bald mit den passenden Blenden abgerundet werden darf.

Auch technisch ist die Handheld-Neuauflage ihrem Vorgänger überlegen: Der schneller getaktete Prozessor soll die Grafik-Performance spürbar steigern - ein Punkt, von dem man sich allerdings erst dann überzeugen kann, wenn die ersten exklusiven New-3DS-Titel anrollen, darunter ein neues "Xenosaga"-Rollenspiel, das noch diesen Sommer auch in deutschen Geräte-Slots landen soll. Schon jetzt auffällig: Spiele starten flotter, auch die Download-Zeiten von Titeln aus dem eShop sind kürzer.

Außerdem verfügt der neue 3DS nun über einen NFC-Chip ("Near Field Communication"), wie er auch im Gamepad der Wii U-Konsole zu finden ist. Damit kann er mit Nintendos amiibo-Figuren kommunizieren: Plastik-Helden, die über ein technisches Innenleben verfügen und dem milliardenschweren "Skylanders"-Vorbild nacheifern.

Lohnt sich die Anschaffung? Klares Doppel-Ja: Wer noch keinen 3DS besitzt, bekommt nun den Feinschliff eines erprobten Systems, das sich bislang über 50 Millionen Mal verkauft hat, muss aber auf jeden Fall acht weitere Euro für ein Ladekabel einplanen. Das hat Nintendo - wieder einmal - weggelassen. Doch auch wer bereits einen 3DS oder 3DS XL sein Eigen nennt, darf einen Blick risikieren: Bereits die Kombi aus gesteigerter Performance sowie dem zweitem Kontroll-Knubbel macht den Kauf lohnenswert. Doch gerade die fast perfekte ausgerichtete Auto-Stereoskopie macht den "New 3DS" zum echten Hingucker - sofern man das Feature auch nutzt. Nicht wenige User deaktivieren den optischen Tiefeneffekt.

System 3DS