Wiederbelebung der Kult-Zombies

Nicht totzukriegen: Die "HD Remaster"-Version von "Resident Evil" hätte es vermutlich nicht gebraucht: Das Spiel zehrt vom großen Namen und der Nostalgie all jener, die das Original auf der PSOne oder die GameCube-Umsetzung sechs Jahre später gespielt haben.

Der Vorfahre des modernen Horror-Spiels traut sich noch einmal aus der Gruft: Capcom verpasst dem bereits 2002 veröffentlichten GameCube-Remake des PSOne-Klassikers "Resident Evil" ein weiteres Facelift und bringt die Hetzjagd durchs Herrenhaus in HD auf PC, Xbox One, Xbox 360, PS4 und PS3. Die Ü30-Fraktion unter den Gamern freut sich auf das Wiedersehen mit einem alten Bekannten, den die Jahre allerdings erheblich Spuk-Kraft und Zähne gekostet haben.

Als Capcom und Gruselmeister Shinji Mikami 1996 "Resident Evil" auf den Markt bringen, ist das Horror-Adventure für viele Spieler der längst überfällige Anreiz, sich endlich eine PlayStation zu kaufen. Lediglich Infogrames' "Alone in the Dark" intensivierte das Erlebnis bereits vier Jahre zuvor durch 3D-Gegner sowie filmische Kamera-Blickwinkel und gilt nicht umsonst als der wichtigste Ideengeber für "Resident Evil".

19 Jahre später wirkt der PlayStation-Klassiker eher steif und rudimentär als revolutionär - doch Fans bekommen noch immer feuchte Augen, wenn sie an den ersten Anti-Zombie-Shootout der beiden "S.T.A.R.S."-Agenten Jill Valentine und Chris Redfield denken. Die kommen hier zum ersten Mal mit den Machenschaften des skrupellosen Pharma-Riesen Umbrella in Berührung, der im Keller der "Spencer Villa" zombifizierte Ekel-Mutanten ausbrütet.

Das Beinahe-Jubiläum des Klassikers begeht Capcom mit der Neuauflage einer Neuauflage: Bereits 2002 brachte der Hersteller eine grafisch aufgepeppte Version des Horror-Opas für Nintendos GameCube - und genau die veredelte man jetzt mit zeitgemäßen Effekten und Texturen, um sie fit zu machen für die Generation HD. Die nach wie vor statisch vorgerenderten Hintergrundgrafiken wirken trotz geschickter Hochskalierung einen Tick zu grob für moderne TV-Geräte, Helden und Monster dagegen haben eine Generalüberholung erfahren, die sie in fast schon zeitgemäße Grusel-Gesellen verwandelt. Trotzdem ist das Re-Remake Geschmacksache: Der eine sieht hier einen vielgeliebten und respektvoll recycelten Klassiker aus seiner Jugend, für den anderen ist's nur ein archaisches Ungetüm, das wie ein Zombie dem Grab entsteigt - ganz schön angegammelt, aber einfach nicht totzukriegen.

Ein Zombie, bei dem es nach heutigen Design-Maßstäben überall heftig bröckelt: Von der holprigen Erzählung über die konfuse Steuerung bis hin zur plumpen Menü-Verwaltung und der steifen Objekt-Interaktion steckt "Resident Evil" voller gravierender Fehler. Von der einst dämonischen Kraft des Oldies ist wenig übrig.

Dass die Neuauflage trotzdem funktioniert, ist dem unverändert brillanten Wechselspiel aus Ressourcen-Knappheit und Überlebenskampf geschuldet, das man hier in einen meisterhaft ausgetüftelten Irrgarten voller heimtückischer Fallen und Rätsel bettet. In einer Zeit, in der auf beinhart gebürstete Spiele wie "Dark Souls" oder "Lords of the Fallen" wieder Hochkonjunktur haben, ist einer der gemeinsten Anti-Überlebenskünstler des Konsolen-Mittelalters auf alle Fälle wieder einen Blick wert. Und sei es nur, um die Genre-Wurzeln und Einflüsse vom Ende letzten Jahres veröffentlichten Horror-Martyrium "The Evil Within" besser zu verstehen, hinter dem ebenfalls Genre-Erfinder Mikami steckt. Dass die neue Fassung der altehrwürdigen Geisterbahn außerdem mit wunderbar spukig abgemischtem 5.1-Sound kommt, freut da umso mehr.

Spielname Resident Evil HD Remaster
Hersteller Capcom
Vertrieb Capcom
Genre Action-Adventure
Erhältlich ab 19.01.2015
Preis ca. 20 Euro
EAN Code 1234567890123
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene
Alter ab 18 Jahren
Multiplayer nein
Sonstiges
Bewertung Grafik befriedigend
Bewertung Steuerung ausreichend
Bewertung Sound gut
Bewertung Spielspass befriedigend
Bewertung Gesamt befriedigend
System PC
System PS4
System PlayStation3
System Xbox One