Wenn Tradition zur Knetmasse wird

Der große Fernseher im Wohnzimmer? Hat bei "Kirby und der Regenbogenpinsel" weitestgehend ausgedient. Vielmehr starrt man die meist Zeit über auf den kleinen Touchscreen des Wii-U-Gamepads und versucht, die rosa Kugel in die richtige Richtung zu befördern ...

Drüber, drunter und mitten durch: Im Wii-U-exklusiven "Kirby und der Regenbogenpinsel" verliert das populäre Nintendo-Pummelchen zwar nur selten den per Touchscreen verlegten Faden. Allerdings haben die Entwickler vor lauter Gamepad-Spielerei die kostbare Jump&Run-DNA der Traditionsreihe vergessen ...

Gerade erst hat Nintendo offiziell bekanntgegeben, dass man bald auch Spiele für Smartphones und Tablets bringen will - und dann kommt "Kirby und der Regenbogenpinsel" auf den Markt. Für die Wii U zwar, aber es fühlt sich wie ein Vorbote für kommende Touchscreen-Exzesse an: Der jüngste Ausflug des rosa Wonneproppens in eine kunterbunte Knetgummi-Welt beschränkt sich fast komplett auf den berührungsempfindlichen Screen des Wii-U-Gamepads - das Geschehen auf dem großen TV-Schirm ist allenfalls für Zuschauer gedacht.

Die Steuerung des Jump&Run-Promis funktioniert ausschließlich mit dem Plastikstift, auch Stylus genannt. Analog-Sticks und Buttons werden nicht benötigt. Behutsame Stupser lassen den von selbst kullernden und an allen möglichen Flächen abprallenden Wackelpudding-Kirby beschleunigen. Stoppen kann man ihn allerdings kaum. Dauerhafte Berührungen wiederum sorgen dafür, dass er sich aufbläht und zur Furie wird - vorausgesetzt, man hat kurz zuvor das richtige Power-Up eingesammelt.

Will man mehr Kontrolle auf Nintendos Pummel ausüben, pinselt man einen titelgebenden Regenbogen aus bunten, ineinander verzwirbelten Knetgummi-Strängen auf den Touchscreen. Sobald Kirby den Zopf berührt, folgt er ihm automatisch - ganz gleich, ob der Regenbogen dabei steil in den Himmel führt oder verschlungene Kurse beschreibt. Einzige Einschränkung: Die Knet-Linie kann nur so lang gezeichnet werden, wie die entsprechende Energie-Anzeige gefüllt ist. Geht dem Spieler die Regenbogenpuste aus, muss er erst eine Weile auf dem Boden verschnaufen, bis sich der Balken wieder aufgefüllt hat.

Obwohl Nintendo das für Kirby ungewöhnliche Konzept in einigen der insgesamt 28 Levels für angenehm herausfordernde und ausgeklügelte Geschicklichkeits- und Knobeltests nutzt, fühlt sich der kleine Held in dem Touchscreen-Szenario deplatziert an: Gerade Fans der alten Kirby-Games vermissen typische Erkennnungsmerkmale - vor allem das charakteristische Verschlingen von Gegnern, mit dem sich der Held sonst deren Spezialfähigkeiten einverleibt. Die Verwandlungen in Panzer, U-Boot oder Flugzeug gibt das Level vor.

Visuell passt die liebevoll ausgearbeitete Knetgummi-Welt mitsamt ihrer ruckartigen, Stop-Motion-ähnlichen Animation hervorragend zu dem niedlichen Kerlchen. Doch bei so viel visueller Pracht und über 40 freispielbaren Herausforderungen fragt man sich nur umso eindringlicher: Warum hat Nintendo kein echtes Kirby-Jump&Run für die Wii U veröffentlicht?

Fazit: Die Abenteuer im Regenbogenland kommen wie der erste Gehversuch in Richtung Smartphone- und Tablet-Abenteuer daher, doch so ganz ohne Stick- und Button-Support wirken sie auf der Wii U wie ein Fremdkörper - Touchscreen hin oder her. Erst im kooperativen Mehrspielermodus hat der große TV-Schirm wieder eine Daseinsberechtigung: Bis zu drei weitere Spieler können dann als Kirbys Gehilfen in das Geschehen eingreifen und ihn mit schlagkräftiger Unterstützung durch die Level begleiten.

Spielname Kirby und der Regenbogen-Pinsel
Hersteller Nintendo
Vertrieb Nintendo
Genre Jump & Run
Erhältlich ab 08.05.2015
Preis ca. 50 Euro
EAN Code 0045496334406
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene
Alter ab 0 Jahren
Multiplayer 2-4 (WWW)
Sonstiges
Bewertung Grafik sehr gut
Bewertung Steuerung befriedigend
Bewertung Sound gut
Bewertung Spielspass befriedigend
Bewertung Gesamt befriedigend
System Wii U