Von Klassikern beseelt, von der Masse finanziert

Als Crowdfunding-Projekt von über 77.000 Fans finanziert, besinnt sich das klassische Rollenspiel "Pillars of Eternity" von Obsidian Entertainment auf alte Werte und knüpft direkt an legendäre Klassiker wie "Baldur's Gate" und "Planescape: Torment" an.

Alte Schule - und damit voll im Trend: Nachdem Rollenspiele wie die "Dragon Age"-Reihe mittlerweile vollends auf Massentauglichkeit setzen, stillt Obsidian Entertainment mit "Pillars of Eternity" den Hunger vieler Fans nach vielschichtigen Geschichten, aufregenden Aufgaben und einer Charakterentwicklung, die diesen Namen auch verdient.

Es stand nicht gut um das Entwicklungsstudio Obsidian Entertainment - angeblich hat der Erfolg der Crowdfunding-Aktion zu "Pillars of Eternity" den Fortbestand des Unternehmens gerettet. Rund vier Millionen Dollar konnten die Entwickler in wenigen Wochen von über 77.000 Fans sammeln, um ihren Traum von einem Retro-Rollenspiel zu verwirklichen, das die alten Tugenden des Genres wieder aufleben lässt.

"Pillars of Eternity" ist ein entsprechend harter Brocken geworden, der viele Stunden Einarbeitungszeit erfordert und auf den Kino-Effekt mit prall inszenierten Zwischensequenzen verzichtet.

Das soll nicht bedeuten, dass Obsidians Rollenspiel nicht gut aussieht. Detailreiche, gemalte 2D-Hintergründe und die typische isometrische Draufsicht schaffen jene Atmosphäre, die man noch von geschätzten Rollenspiel-Klassikern wie "Baldur's Gate" oder "Neverwinter Nights" in guter Erinnerung hat. Trotzdem: Bei "Pillars of Eternity" zählt nicht die Verpackung, sondern der Inhalt - und der hat es in sich: Wie in früheren Rollenspiel-Zeiten sind PC-Abenteurer 60 Stunden unterwegs. Mindestens.

Allein schon für die Erstellung seiner Spielfigur sollte man deutlich mehr Zeit einplanen als heute üblich - die Auswahl aus sechs Rassen, elf Klassen und zahlreichen kulturellen Hintergründen erlaubt die Ausformung sehr individueller Charaktere, die anschließend über Attribute wie Macht, Gewandtheit und Intelligenz sowie über Fähigkeiten wie Athletik, Wissen oder Mechanik weiter ausdifferenziert werden.

Als frisch generierter Held muss man sich erst einmal zurechtfinden in der Welt von Eora und weiß eigentlich gar nicht so recht, wohin die Reise gehen soll. in Nullkommanichts sieht man sich mit einem Überfall konfrontiert und gerät auch noch in einen magischen Sturm. Im Folgenden hat man die Fähigkeit, Kontakt zu anderen Seelen aufzunehmen - was einen langsam, aber sicher in den Wahnsinn treiben kann.

Überhaupt Seelen: Die Bevölkerung von Eora krankt vor allem an den Hohlgeborenen - Kindern, die ohne Seele zur Welt kommen. Abhilfe sollen Beseeler schaffen, die jedoch nicht immer Gutes im Schilde führen. Eine verwirrende Welt, in der man sich da mit einer Handvoll treuer Gefährten zurechtfinden und behaupten muss. Dabei steht man immer wieder vor grundlegenden moralischen Fragen, in denen es unter anderem um Leben und Tod geht. Doch genau das und auch die Tatsache, dass die bis zu fünf Begleiter keine mechanischen Kampfroboter, sondern Persönlichkeiten mit ganz eigenen Vorstellungen sind, macht dieses Rollenspiel aus.

Die Welt, die man von dem Dorf Goldtal aus erforscht, vermischt gekonnt Fantasy mit mittelalterlichen und neuzeitlicheren Elementen, verzichtet dabei aber auch nicht auf Magie. So umfasst eine ausgewogene Heldengruppe neben Kämpfern auch immer Zauberer und Barden, die die Moral der Truppe mit ihren Gesängen fördern. Bei Schlachten gegen Riesenspinnen, Drachen oder Gaunerbanden lassen sich rudimentäre Formationen bilden, was dem Ganzen eine strategische Note verleiht. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, mitten in der Auseinandersetzung das Geschehen zu pausieren und den Co-Helden Befehle zu erteilen.

Hektik ist generell in "Pillars of Eternity" nicht angesagt. Das Spiel entfaltet sich ganz gemächlich. Schon das Hantieren mit all den aufgelesenen Waffen, Schilden und Rüstungen im Inventar erweist sich als wahrer Zeitfresser. Auch das Abklappern der zahlreichen Schauplätze wird später zur Geduldsprobe - zumal eine Schnellreisefunktion fehlt. Immerhin: Auf Knopfdruck lässt sich die Marschgeschwindigkeit der eigenen Recken verdoppeln ...

Auch das muss man wissen: Nur die wichtigsten Dialoge sind englisch vertont. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Wer in das Abenteuer eintauchen will, muss gerne lesen - leider kann die holprige deutsche Übersetzung mit den brillant geschriebenen englischen Texten nicht mithalten.

Wer in Rollenspielen weniger auf den Knalleffekt als vielmehr auf Tiefgang, Wiederspielbarkeit und eine lebendige Welt Wert legt, liegt mit "Pillars of Eternity" goldrichtig. Fans von "Baldur's Gate" & Co. schlagen sowieso zu, aber auch allen anderen Freunden epischer Geschichten sei Obsidians komplexer und noch nicht ganz fehlerfreier Genre-Koloss wärmstens ans Herz gelegt.

Spielname Pillars of Eternity
Hersteller Obsidian Entertainment
Vertrieb Paradox Interactive
Genre Rollenspiel
Erhältlich ab 26.03.2015
Preis ca. 50 Euro
EAN Code 4020628860820
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene
Alter Ab 16 Jahren
Multiplayer nein
Sonstiges
Bewertung Grafik gut
Bewertung Steuerung gut
Bewertung Sound gut
Bewertung Spielspass sehr gut
Bewertung Gesamt sehr gut
System PC