Rotkäppchen, warum hast du so eine große Axt?

Rotkäppchen zieht mit Axt und Doppelsprung gegen den großen, bösen "Woolfe" zu Felde.

Es war einmal ein buntes Märchen- und Genre-Allerlei, das Indie-Entwickler Grin Gamestudio mit dem PC-exklusiven Download-Abenteuer "Woolfe: The Red Hood Diaries" präsentierte. Der nach Tim-Burton-Art inszenierte Jump&Run-Action-Adventure-Mix weckt allerdings Sympathien und Begehrlichkeiten, die das dürftige Game-Design nicht befriedigen kann.

Die bisher exklusiv als PC-Download verfügbare Jump'n'Run- und Action-Mär "Woolfe" dreht allerlei Märchen durch den Wolf, vor allem Grimm'sche Kost wie "Rotkäppchen" oder "Der Rattenfänger von Hameln" stehen Pate - wenn auch auf verquere Art und Weise. So hat Rotkäppchen ihren Vater an die Machenschaften des Großindustriellen "Woolfe" verloren. Der hat Daddy mit Haut und Haaren verkonsumiert - und jetzt lässt er seine Zinnsoldaten durch die Stadt schwadronieren, die zum Rasseln, Klappern und Zischen ihrer dampfbetriebenen Herzen im Roboter-Stechschritt marschieren. Inzwischen lauern die Schurken aus anderen folkloristischen Erzählungen auf die kleine Red Hood, um ihr nach Endgegner-Art der Garaus zu machen.

Herausgekommen ist ein Genre- und Erzähl-Cocktail, der finsteres Märchen, Grusical, niveauvolle Erzählung und herausforderndes Jump&Run zugleich sein will. Versetzt mit einem Schuss "Hau den Lukas"-Prügelspiel-Action, einer Handvoll Knobeleinlagen und seichten Kraxel-Passagen. Rotkäppchen jagt dabei durch meist schlauchartig angelegte Szenarien wie Woolfes Stadt oder eine Kanalisation, setzt bei Abgründen und beweglichen Häckselmaschinen mit rasiermesserscharfen Klingen zum Doppelsprung an.

Ein Mix, der Potenzial hat, aber letztlich an seiner unsauberen Umsetzung scheitert. So sind gezielte Treffer im Kampf fast ebenso unplanbar wie Ausweichmanöver. Selbst die Sprung-Steuerung krankt an einem chronischen Präzisions-Defizit.

Noch steifer als die rot gewandete Heldin agieren die meisten ihrer Widersacher: Gegner wie eine schnappmäulige Riesenratte wirken stellenweise, als würde man sie wie ein Aufziehspielzeug auf Schienen durch die Levels ziehen - außerdem müssen sie mit so wenigen Bewegungsmustern auskommen, dass die "Woolfe"-Welt auch atmosphärisch darunter leidet.

Das einzige Higlight ist das Szenario selbst: Gerade in den Städten verzaubert die mit der Unreal Engine umgesetzte Märchen-Kulisse, die Grin wie das Burton'sche Zerrbild einer Puppenstube gestaltet hat. Schade nur, dass Rotkäppchen so viele unnötige Bildschirmtode sterben muss - Tode, die größtenteils nicht der Inkompetenz des Spielers, sondern der Entwickler gedankt sind, die mit "The Red Hood Diaries" weder bei Steuerung noch Level-Design ein ausgesprochenes Vorzeigestück abgeliefert haben. Für günstige zehn Euro gerade noch akzeptabel.

Spielname Woolfe - The Red Hood Diaries
Hersteller Grin
Vertrieb Grin
Genre Action-Adventure
Erhältlich ab 17.03.2015
Preis ca. 10 Euro
EAN Code 1234567890123
Schwierigkeit Für Einsteiger
Alter ab 12 Jahren
Multiplayer nein
Sonstiges
Bewertung Grafik befriedigend
Bewertung Steuerung befriedigend
Bewertung Sound befriedigend
Bewertung Spielspass ausreichend
Bewertung Gesamt ausreichend
System PC