Renaissance des virtuellen Städtebaus

Mit "Cities: Skylines" tritt das finnische Entwicklerteam Colossal Order das Erbe des Städtebau-Klassikers "SimCity" an - und macht dabei vieles besser als die mittlerweile geschlossene "SimCity"-Schmiede Maxis.

Eigentlich gibt es keinen Grund, traurig zu sein: Nach der Schließung des "SimCity"-Entwicklers Maxis vor wenigen Wochen tritt mit "Cities: Skylines" ein mehr als würdiger Nachfolger auf den Städtebauplan. Einfache Bedienung und komplexe Zusammenhänge schließen sich hier nicht aus, und auch sonst gibt es wenig Einschränkungen beim Hochziehen einer eigenen Metropole. Ein Konzept, das bestens ankommt: Bereits am ersten Tag wurden über 250.000 Exemplare durchverkauft, nach einer Woche waren es 500.000. Nun wird vom deutschen Publisher Koch Media fleißig nachproduziert.

"Cities: Skylines" knüpft da an, wo "SimCity" im Jahr 2013 die Erwartungen der Fans massiv enttäuscht hat: Die Finnen haben mit ihrem Programm eine Städtebausimulation auf die Beine gestellt, die den Spielzeug-Look des großen Vorbilds weiterführt, diesem aber in Technik und Komplexität haushoch überlegen ist - und dennoch zugänglich bleibt.

Alle Anfang ist gleich: Als frischgebackener Bürgermeister beginnt sachte damit, auf einem Stück Land mitten in der Pampa ein paar Straßenzüge zu bauen und anhand derer Wohn-, Industrie- und Einkaufsareale abzustecken. Dann geht es an die Energieversorgung, und schon hier lassen sich wichtige Entscheidungen treffen: Windkraft oder "schmutziger" Strom aus dem Kohlekraftwerk? Die Wassergewinnung muss weit außerdem genug entfernt von jenen Bereichen erfolgen, in denen schmutzige Abwässer wieder abgeleitet werden. Ansonsten bleiben Seuchen und Massensterben in der Bevölkerung nicht aus.

Dank anfangs üppig sprudelnder Finanzen durch zuziehende Bürger und Firmen gelingt es, mit seiner Kommune rasch zu expandieren. Schwierigkeiten tauchen eigentlich erst auf, wenn die Stadt eine gewisse Größe erreicht hat und sich bei der gleichmäßigen Versorgung aller Viertel Defizite in der Planung auszuwirken beginnen.

Aber auch dann führt "Cities: Skylines" nie zu Frust, sondern ermuntert vielmehr, seine Metropole immer weiter zu optimieren. Wie? Indem man mit einer weiteren Polizeistation für mehr Sicherheit sorgt, den Bürgern mit Parks und Freizeitangeboten das Stadtleben verschönert, die Infrastruktur durch öffentliche Verkehrsmittel weiter aufwertet, und, und, und. Die Möglichkeiten sind enorm. Durch das Erreichen sogenannter Meilensteine schaltet man zudem laufend neue Gebäude frei - von der Wasseraufbereitungsanlage über die Energiegewinnung durch Solarkraft bis hin zum Krematorium.

Wer mit Geduld und der entsprechenden Vorausplanung zur Sache geht, kann Großstädte mit bis zu einer Million Einwohnern aus dem Boden stampfen - wobei jeder Bürger seinem eigenen Tagesablauf nachgeht.

Wie in jeder Großstadt kommt es aber auch in "Cities: Skylines"-Metropolen irgendwann zum Verkehrskollaps. Um längere Staus zu vermeiden, empfiehlt es sich, Straßenüber- und -unterführungen zu bauen und allzu viele Kreuzungen zu vermeiden. Dank der intuitiven Maus-Tastatur-Bedienung geht die Planung und Realisierung von Verkehrswegen oder deren nachträglicher Aufwertung leicht von der Hand.

Überhaupt: Nicht nur für die einsteigerfreundliche Lernkurve in "Cities: Skylines" muss man den Entwicklern von Colossal Order ein besonderes Lob aussprechen, sondern auch für die durchgehend flüssige und stabile Performance des Spiels. Nicht einmal bei Megastädten mit zigtausend Einwohnern geht das Spiel in die Knie. Abgesehen von Kleinigkeiten - warum beispielsweise lassen sich keine Tunnel bauen? - macht "Cities: Skylines" alles richtig und leistet sich keine kapitalen Schwächen.

Auch für Langzeitmotivation ist ausreichend gesorgt: Ein Editor erlaubt das komfortable Erstellen von Mods und ermöglicht der Fan-Gemeinde dadurch, praktisch das gesamte Spiel nach ihrem Geschmack umzugestalten. Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Spiels kursierten im Web erste eindrucksvolle Kreationen wie eine Nachbildung der Stadt Los Santos aus "GTA 5".

Mit einem Wort: "Cities: Skylines" bietet das, was man 2013 von der letzten "SimCity"-Neuauflage erwartete und noch ein bisschen mehr. Für begeisterte virtuelle Städtebauer eine rundum lohnende Investition.

Spielname Cities: Skylines
Hersteller Colossal Order
Vertrieb Paradox Interactive
Genre Simulation
Erhältlich ab 10.03.2015
Preis ca. 30 Euro
EAN Code 4020628850296
Schwierigkeit Für Einsteiger und Fortgeschrittene
Alter ab 0 Jahren
Multiplayer nein
Sonstiges
Bewertung Grafik gut
Bewertung Steuerung sehr gut
Bewertung Sound gut
Bewertung Spielspass sehr gut
Bewertung Gesamt sehr gut
System PC