Kaputte Adventure-Zukunft

Menschen zerfließen zu Blut, andere haben während des Weltuntergangs ihr Gedächtnis verloren. Was es mit der Seuche, der Welle, den Gelöschten auf sich hat? Finden Sie es heraus.

Die Zukunft ist im Eimer: In ihrem PC-Point&Click "Dead Synchronicity" fabulieren die spanischen Fictiorama Studios und der deutsche Adventure-Experte Daedalic von postapokalyptischen Zuständen nach einem Riss im Raum-Zeit-Gefüge. Das im Stile eines Comics präsentierte Abenteuer erzählt eine interessante Geschichte, bleibt aber am Ende zu blass, um wirklich zu faszinieren.

Stell Dir vor, die Welt geht den Bach runter und keiner weiß so recht warum: Im Adventure-Debüt des spanischen Geschwister-Trios Oliván wurde die Zivilisation von "der Welle" nahezu ausgelöscht - doch was genau den augenförmigen Realitäts-Riss am Firmament verursacht oder wie er die Menschheit ausradieren konnte, hat bis heute keiner verstanden. Die Überlebenden kauern sich verstört in die letzten noch halbwegs bewohnbaren Gebäude und Winkel der verwüsteten Städte. Oder sie werden wie Tiere in Auffanglager gepfercht, wo sie zwischen Müll und Ungeziefer dahinvegetieren - immer unter dem kritischen Blick eines gnadenlosen Regimes und seiner brutalen Aufseher.

Und welcher Baustein fehlt noch, um das Klischee-Bild des Untergangs-Szenarios gekonnt abzurunden? Richtig, der unter Anmesie leidende Held, der den Weltuntergang scheinbar verschlafen hat und sich jetzt wie der Spieler in einer fremdartigen Welt zurechtfinden muss: Protagonist Michael gehört zu den "Gelöschten", die mal mehr, mal weniger ausgeprägten Gedächtnisverlust beklagen. Das Alter Ego des Spielers hat es dabei noch gut erwischt: Er hat lediglich die Erinnerung um seine Vergangenheit eingebüßt - andere "Gelöschte" sind nur noch sabberndes Gemüse. Besonders hart getroffen hat es aber die "Zerflossenen": Die winden sich unter Krämpfen und mit rotglühenden Augen im Bett, während sie unverständliche Visionen runterleiern und am Ende buchstäblich zu einer ekligen Pfütze zerfließen. Was es mit all dem auf sich hat, soll der Spieler herausfinden.

Das mit rund 50.000 Kickstarter-Dollar entwickelte Adventure will mit handgezeichneten 2D-Figuren und klassisch gepinselten Kulissen an die Hochzeit des Genres anknüpfen. Doch leider erreicht es weder die erzählerische noch inszenatorische Brillanz der zitierten Klassiker. Im Stile eines Comics angelegte Bildschirm-Layouts verpassen dem Abenteuer in manchen Szenen eine angenehm individuelle Note, aber die gewöhnungsbedürftige Illustration und Animation der finsteren Zukunftsvision ist weder stilvoll noch gezielt retrospektiv - meistens ist sie schlicht sehr reduziert.

Die anfangs beliebig erzählte Weltuntergangsgeschichte nimmt ab der Hälfte endlich an Fahrt auf - doch bis zum jäh eintretenden Ende hat sie leider zu wenig Zeit, um sich ordentlich entfalten und Spannung aufbauen zu können.

Die verhältnismäßig simpel geratenen Puzzles sind gerade für Genre-Einsteiger dankbar - allerdings beklagen selbst Neulinge ein spürbares Defizit bei der Handhabe. "Dead Synchronicity" lässt zu keiner Zeit ein klar abgestecktes Konzept durchblicken, das die Manipulation von Objekten auf eine für den Spieler nachvollziehbare Weise regelt: Wann kann welcher Gegenstand in Augenschein genommen, ertastet, aufgehoben oder manipuliert werden? Hier ist man buchstäblich auf wildes Rumprobieren angewiesen. Der niedrige Schwierigkeitsgrad kann dieses Defizit gerade noch auffangen, aber konsistenter wird die Spielwelt dadurch nicht unbedingt.

Wer der angenehm erwachsenen Comic-Story eine Chance geben will, der kann ohne Weiteres über die Schwächen von Michaels postapokalyptischer Rätsel-Odyssee hinwegsehen - doch das Zeug zum Indie-Klassiker hat "Dead Synchronicity" nicht.

Spielname Dead Synchronicity - Tomorrow Comes Today
Hersteller Fictiorama Studios
Vertrieb Daedalic
Genre Adventure
Erhältlich ab 10.04.2015
Preis ca. 30 Euro
EAN Code 4250181201062
Schwierigkeit Für Einsteiger und Fortgeschrittene
Alter ab 16 Jahren
Multiplayer nein
Sonstiges
Bewertung Grafik befriedigend
Bewertung Steuerung befriedigend
Bewertung Sound befriedigend
Bewertung Spielspass befriedigend
Bewertung Gesamt befriedigend
System PC