"Journey" lässt Gamer die Einsamkeit der Wüste spüren

Einsamkeit, Trostlosigkeit, Ruhe - "Journey" überzeugt mit atemberaubender Atmosphäre.
Einsamkeit, Trostlosigkeit, Ruhe - "Journey" überzeugt mit atemberaubender Atmosphäre.
Foto: Sony
Was wir bereits wissen
Mit "Journey" schicken Sony und thatgamecompany den Spieler auf eine meditative Reise durch die Wüste. Ein grafisches Meisterwerk, das in gerade mal zwei Stunden vorbei ist. Aber trotz der kompakten Spieldauer bietet es mehr Eindrücke als manches andere Spiel in 20 Stunden.

Kunst, Spiel, Film oder Meditationsübung? Sony und thatgamecompany schicken PS3-Spieler mit ihrem digitalen Download-Unikum "Journey" in die Pixelwüste.

Man stelle sich vor: Ein Spiel, in dem man nicht sterben kann. Ein Spiel, in dem man nicht weiß, worum es geht - oder wie es geht, weil es an Erklärungen spart. Ein Spiel, das in gerade mal zwei Stunden gelöst ist - und bei dem man sich zu Recht fragt, ob es überhaupt die Bezeichnung "Spiel" verdient. Trotzdem spricht alle Welt davon.

Komplexe Ruinen und Steinmonumente

Die Rede ist von "Journey", dem jüngsten Einfall von thatgamecompany: Im Vorgänger "Flower" haben die Amerikaner geneigte und gestresste PS3-Besitzer in die Rolle des Windes versetzt, der Blumenwiesen zum Erblühen brachte. Jetzt schicken sie den Spieler buchstäblich in die Wüste.

Als feingliedriger Beduine durchstreift man einsam und allein eine Landschaft, wie sie trostloser nicht sein könnte: Trotzdem strahlen das Sandmeer und die zunächst nur vereinzelten, später immer häufigeren und komplexeren Ruinen und Steinmonumente wahre Erhabenheit aus.

Zwei Stunden voller Eindrücke

Die Entwickler haben es verstanden, das zunächst schlicht erscheinende Szenario nicht nur unglaublich detailreich umzusetzen, sondern vor allem künstlerisch zu prägen. Wenn im Schein einer untergehenden Sonne jedes Sandkorn einzeln zu glitzern scheint, Windstöße Staub hochwirbeln und die Gewänder des sich mühsam durch den Sturm kämpfenden Protagonisten aufgebauscht werden, dann entsteht nicht nur der Eindruck einer echten Wüste - obendrein fühlt man sich durch die bedächtige Art der Inszenierung hoffnungslos verloren und einsam.

Spiele-Bewertung Wirklich neu- und eigenartig ist "Journey" aber nicht wegen seiner Präsentation: Getreu des Titels (auf Deutsch "Reise") ist der Weg das Ziel. Durch die Dünen flanieren, die Ruinen inspizieren und ohne weitere Erklärung durch bloßes Herumprobieren die wenigen Spielmechanismen erlernen - das macht den Reiz dieses ungewöhnlichen Abenteuers aus. Ein Abenteuer, das in gerade mal zwei Stunden vorbei ist, das aber trotz der kompakten Spieldauer mehr Eindrücke bietet als manches andere Spiel in 20 Stunden.

Kaufen und glücklich werden

Durch die Dünen stapfen, Sandberge hinabgleiten, dann und wann ein bisschen springen oder schweben und eine Hand voller magischer Mechanismen bedienen: Mehr Interaktion und Bewegungsfreiheit bietet die kurze Reise zu einem leuchtenden Berg am Horizont nicht, aber dafür ist sie umso intensiver. Was einen dort erwartet? Wird nicht verraten. Nur so viel: "Journey" bietet keine eindeutige Lesart. Die Interpretation dieses Meisterwerks liegt allein im Auge des Betrachters. Und mit einem Durchgang ist es nicht getan: "Journey" lädt immer und immer wieder dazu ein, die grandiose Reise noch einmal zu erleben.

Ein fast schon meditatives Erlebnis, das mit ein bisschen Glück übrigens gemeinsam erlebt werden kann: Der ungewöhnliche Onlinemodus von "Journey" versetzt zwei zufällig und anonym einander zugeteilte Abenteuer in denselben Sandkasten. Sollten sie sich während ihrer kleinen Odyssee tatsächlich über den Weg laufen, staksen oder schlittern, dürfen sie einander nett zuwinken oder dabei helfen, die Sprungenergie des jeweils anderen wieder aufzuladen.

Fazit: Kaufen und glücklich werden. (_teleschau - der mediendienst)