Hilfe, die Hunnen kommen!

Auch 15 Jahre nach dem ersten "Total War"-Ableger "Shogun" zeigt sich die Strategie-Reihe der Creative Assembly Studios alles andere als altersschwach: In "Total War: Attila", dem neunten Spiel der Serie, bekommt es das geschwächte Römische Reich unter anderem mit marodierenden Reitervölkern zu tun.

Die Welt in Aufruhr: Das Römische Reich zeigt Auflösungserscheinungen, ganze Völker sind auf der Flucht und auf der Suche nach einem neuen, besseren Lebensraum. "Total War: Attila" beleuchtet eines der düstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Segas Mix aus rundenbasierter Aufbaustrategie und monumentalen Echtzeitschlachten kann unbedarfte Einsteiger wie mit allen Taktik-Wassern gewaschene "Total War"-Veteranen gleichermaßen monatelang begeistern.

Das macht Creative Assembly so schnell keiner nach: Seit nunmehr 15 Jahren produziert das Sega-Studio einen "Total War"-Titel nach dem anderen - und streicht dafür fast durchweg Höchstwertungen ein. Die ausgewogene Mischung aus Runden- und Echtzeitstrategie, penibler historischer Recherche, beeindruckender Optik und bombastischer Soundkulisse bietet nach wie vor das, was man an vielen anderen aktuellen Games vermisst: Tiefgang trotz Einsteigerfreundlichkeit und jede Menge Langzeitmotivation. Dass es dabei um die Künstliche Intelligenz der Computergegner nicht immer zum Besten bestellt ist, scheinen viele Spieler den Entwicklern dabei nachzusehen - solange eben das Gesamtpaket stimmt.

"Total War: Attila" ist der direkte Nachfolger von "Total War: Rome 2" und versetzt den Spieler zurück in die Zeit der Völkerwanderung. Beginnend im Jahr 395 nach Christus, gilt es, sich an der Spitze einer von zehn Fraktionen im internationalen Spiel um Macht, Einfluss und Reichtum zu behaupten - am einfachsten hat man es dabei noch mit dem Weströmischen Reich, das dank sprudelnder Steuereinnahmen mit vergleichsweise üppigen Ressourcen ins Spiel startet. Allerdings brennt es dort ständig in den Provinzen, aufmüpfige Statthalter und Aufstände der Unzufriedenen machen das Regieren schwer.

Franken und Sachsen hingegen backen anfangs kleinere Brötchen, können aber den Ausbau ihrer Position wesentlich ruhiger angehen. Ostgoten, Westgoten, Alanen und Vandalen hingegen sind nicht durchweg sesshaft und schlagen ihre Jurten auf, wo es ihnen gerade gefällt. Sobald sie ihr Lager abbrechen, wechseln sie in den Horde-Modus, der beim Spielen völlig neue Perspektiven eröffnet. Anders als die Nomadenvölker können sich die Hunnen nicht für längere Zeit an einem Ort niederlassen - sie sind darauf angewiesen, mordend und plündernd durch die Gegend zu ziehen. Attila, der charismatische Hunnenkönig, der im 5. Jahrhundert mit seinen Reiterhorden die Vormachtstellung der Römer in Europa infrage stellte, macht dabei im Spiel nicht gleich am Anfang seine Aufwartung. Bis er geboren wird, hat sich der Spieler bereits für viele Runden als Hunnen-Chef behaupten müssen.

Am grundlegenden Spielprinzip der "Total War"-Reihe änderten die Entwickler auch für "Attila" kaum etwas: Nach wie vor tüftelt man auf einer Übersichtskarte rundenweise am Ausbau seines Reichs, befestigt seine Städte, hebt neue Truppen aus und postiert sie an den neuralgischen Punkten des Reichs. Kommt es zur kriegerischen Auseinandersetzung, wechselt das Spiel in den Echtzeitmodus, und man schickt auf opulent gestaltetem 3D-Terrain riesige Verbände etwa aus Schwert- oder Speerkämpfern und Reitern in die Schlacht. Gegenüber früheren Titeln der "Total War"-Reihe gilt es hier noch mehr, die Kondition seiner Mannen im Auge zu behalten. Auf längeren Märschen ermüden diese nämlich sehr schnell und erweisen sich dann als leichte Beute für den Gegner. Bodentruppen, die per Schiff an den Schauplätz des Krieges transportiert werden, leiden zudem unter den Symptomen der Seekrankheit.

In den Schlachten selbst regiert wie immer das Steine-Schere-Papier-Prinzip, und man sollte von der Künstlichen Intelligenz der Gegner keine Wunderdinge erwarten - sowohl im Runden- als auch im Echtzeitmodus sind die Winkelzüge der anderen Fraktionen nicht immer ganz nachvollziehbar.

Aufgrund seiner unvergleichlichen Komplexität ist "Total War: Attila" ein harter Brocken, der eine lange Einarbeitungsphase erfordert. Creative Assembly nimmt den Spieler dabei jedoch bestmöglich an die Hand und spendiert zum Einstieg vor der großen Kampagne einen ausgedehnten Prolog, in dem Spielmechanik, Taktiken und Strategien behutsam von Ratgebern erklärt werden. So wächst man allmählich in das Spiel hinein und lernt, souverän mit der vielschichtigen, nicht immer ganz intuitiven Menüführung umzugehen. Die Einstiegsphase ist jedoch deutlich mehr als nur harmloses Vorgeplänkel - "Total War: Attila" fordert vom ersten Moment an und macht vom Start weg richtig Spaß.

Wie die Vorgänger begeistert auch "Attila" wieder durch die verschwenderische Fülle der Einstellmöglichkeiten, mit denen man sich das Spiel nach Gusto einrichten kann - von mehreren Schwierigkeitsgraden über die Frequenz der Kampagnen-Ratschläge bis hin zur individuellen Gefechtsdauer und unterschiedlichen Siegbedingungen. Auch der Detailgrad der Grafik lässt sich flexibel an die Hardware anpassen - so dass "Attila" auch auf betagteren Rechnern noch ein überaus passables Bild abgibt.

Auch mit "Attila" bleibt Segas "Total War"-Reihe die Referenz unter den Strategiespielen. Wer eine echte, üppig inszenierte Herausforderung mit großem Wiederspielwert sucht, ist mit diesem Ausflug in die unruhige Zeit der Völkerwanderung bestens bedient.

Spielname Total War: Attila
Hersteller The Creative Assembly
Vertrieb Sega
Genre Strategie
Erhältlich ab 17.02.2015
Preis ca. 40 Euro
EAN Code 5055277026104
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene und Prodis
Alter ab 12 Jahren
Multiplayer 2 - 8 WWW, LAN
Sonstiges
Bewertung Grafik sehr gut
Bewertung Steuerung gut
Bewertung Sound sehr gut
Bewertung Spielspass sehr gut
Bewertung Gesamt sehr gut
System PC