Der Vater-Sohn-Monster-Konflikt

Dicke Muskeln, große Kaliber und jede Menge Monster: Der erste Xbox-One-Auftritt von Microsofts "Gears of War"-Reihe gleicht einem Effektgewitter. 

Neustart mit doppeltem Generationenwechsel: Die "Gears of War"-Reihe, eine der wichtigsten exklusiven Xbox-Marken, feiert mit Teil 4 ihr Debüt auf der One. Gleichzeitig gibt Marcus Fenix, eine grimmig dreinblickende Type mit imposant dicken Oberarmen, vernarbtem Gesicht und einfachem Wortschatz, das Heldenzepter weiter - an seinen Sohn. Ein nicht minder schweres Erbe tritt Entwickler The Coalition an: Die Kanadier übernahmen die millionenfach verkaufte Reihe von Epic Games und sollen den Spagat zwischen Kontinuität und Innovation schaffen.

Teil vier der prachtvoll präsentierten Action-Reihe, die einst das Subgenre des "Deckungs-Shooters" begründet hat, setzt 25 Jahre nach den Geschehnissen der Xbox-360-Trilogie ein. Die monströsen Locust wurden von Marcus Fenix und seinem schießwütigen "Gears"-Team aus den Tiefen des Planeten Sera vertrieben, die Regierung ist nach Kriegsende zu einem paranoiden Regime avanciert. Die wenigen überlebenden Menschen werden - angeblich zu ihrem eigenen Schutz - in Retortenstädten eingesperrt und zur Baby-Produktion im Akkord abkommandiert. Einige haben es deshalb vorgezogen, sich der in unabhängigen Ortschaften angesiedelten Rebellen-Front anzuschließen. Einer davon ist J.D. - Sohn des hochdekorierten Kriegshelden Marcus Fenix.

J.D. vertreibt sich seine Zeit am liebsten damit, zusammen mit seinen wehrhaften Kumpels und Freundin Kait die benachbarten Neubau-Städte zu plündern, obwohl diese von schießwütigen Robotern bewacht werden. Als jedoch nach gut drei Stunden ein totgeglaubter Feind eine fremdartige Wiedergeburt feiert, findet sich die Truppe zwischen den Fronten wieder: Wild um sich ballernde Regierungs-Zinnsoldaten auf der einen Seite, sabbernde Monster auf der anderen. Ob vielleicht der alte Fenix Rat weiß?

Den schlachterprobten Papa um Feuerschutz zu bitten, ist sicher keine schlechte Idee. Doch wenn von allen Seiten scharf geschossen wird, dann ist Angriff wie gewohnt die beste Verteidigung. Vorzugsweise mit einem Großkaliber aus sicherer Deckung heraus. Das ist nach wie vor der zentrale Spielmechanismus von "Gears of War" - ganz gleich, ob es nun ein Geländer, ein Bretterverschlag oder ein pulsierender Haufen Alien-Mist ist, hinter dem man Schutz sucht.

Während die Gegner emsig durch die Level-Architektur stürmen, geben die eigenen Helden von hier aus wohl dosierte Schuss-Salven ab. Komfortabel ist dabei der neu hinzugefügte Pfeil-Marker, der dem Spieler am Rande einer Deckung aufzeigt, in welche Richtung er seine Stellung verlassen darf. Ebenfalls nützlich: Feindliche Roboter und Alien-Bestien dürfen jetzt mit Schmackes aus ihrem Versteck gezerrt werden, wenn sich Letzteres in unmittelbarer Nähe zur eigenen Stellung befindet.

Im Nahkampf gibt sich das neue "Gears of War" dagegen überraschend sperrig: Ekligem Feindgetier den Gewehrkolben in die Monster-Visage zu rammen oder es mit laufendem Kettensägen-Aufsatz zu tranchieren, funktioniert nicht mehr ganz so reibungslos wie in den Vorgängern.

Trotz interessanter neuer Spiel-Features, dynamischer Koop-Gefechte und launiger Multiplayer-Modi, in denen eine Gegnerwelle nach der anderen abgearbeitet wird, bleibt der Kult-Faktor von Epics Originalen unerreicht: Das neue "Gears of War" verschwendet zu viel Zeit dabei, die alte Trilogie aufzuarbeiten, bis es endlich mit eigenen Ideen und sehenswerten Schauplätzen aus der Deckung kommt.

Immerhin: Das Spektakel ist geblieben. Wenn von Blitzen durchzuckte Stürme das Level-Interieur physikalisch korrekt durch die Gegend rumpeln lassen, Kräne explodieren, Bauten kollabieren und gewaltige Bossgegner zum Duell bitten, dann ist das schlicht imposant.

Was bleibt, ist ein abwechslungsreich inszenierter, aber auch überraschungsfreier Deckungs-Shootout, der kaum Neues wagt. Hier ein paar spielerisch Einfluss nehmende Wettereffekte, dort ein paar neue Schießprügel - um mehr wurde das altbewährte Prinzip nicht erweitert, während sich das Genre insgesamt weiterentwickelt hat.

Stark: Die PC-Version lässt sich durch etliche Performance-Einstellungen auf flüssige 60 Bilder pro Sekunde trimmen. Auch dank detaillierter Texturen und besonderer Partikeleffekte hat sie gegenüber der Xbox-One-Fassung die Nase vorn - muss aber nicht extra gekauft werden. "Gears of War 4" ist ein "Play Anywhere"-Titel. Bedeutet: Die im Microsoft-Store erworbene Kopie lässt sich geräteübergreifend installieren. Selbst Speicherstände lassen sich hin und her schieben.

Spielname Gears of War 4
Hersteller The Coalition/Epic Games
Vertrieb Microsoft
Genre
Erhältlich ab 11.10.2016
Bewertung Gesamt gut
System PC
System Xbox One
Provider teleschau