Der Roboter mit dem grünen Daumen

Ein kleiner Roboter will hoch hinaus - und klettert deshalb an einer stetig weiter wachsenden Ranke seiner Heimat entgegen.

Ein Spiel, das wächst und gedeiht: Ubisofts Robo-Gärtner B.U.D. führt die Steam-Gemeinde durch einen stetig wachsenden Hüpf- und Kletterspaß mit charmanter Retro-Schlagseite. Und das für nicht einmal zehn Euro ...

Im seinem millionenschweren Mammutprojekt "The Crew" schickte Entwickler Reflections PC- und Konsolenspieler kreuz und quer durch die Virtuellen Staaten von Amerika. Nun melden sich die Macher mit einem Kleinstspiel zurück, das von der ersten bis zur letzten Minute die Sorte sympathischen Independent-Flair versprüht, der Titel wie "Minecraft" groß gemacht hat.

Genauso wie der Bauklotz-Hit von Markus Persson ist "Grow Home" kein vorgefertigter, Stein für Stein von Designer-Hand gebauter Spiele-Sandkasten, sondern ein prozedural generiertes Computer-Universum. Grob übersetzt heißt das: Die digitale Welt des kleinen Roboters B.U.D. ("Botanical Utility Droid") wächst innerhalb der programmierten Parameter von selbst und sieht deshalb bei jedem Spieler ein bisschen anders aus. Das bedeutet aber auch, dass man Texturen und ähnlich modernen 3D-Schnickschnack vergeblich sucht - stattdessen bereist der putziger Robo-Gärtner einen Kosmos aus nackten Polygonen und unspektakulären Flächen.

Hässlich ist die Welt von "Grow Home" deshalb aber lange nicht: Die wirr ineinander verzwirbelten Rankenpflanzen und schwebenden Plattformen dieses verspielten Garten Eden sind so geschickt eingefärbt, modelliert und beleuchtet, dass der Taschengeld-Titel hierdurch seine ganz eigene, retrospektive Ästhetik erhält. Die wirkt wie ein versöhnlicher Schulterschluss aus harter 80er-Jahre-Computer-Grafik und psychedelischer Flower Power.

Apropos: In "Grow Home" dreht sich tatsächlich alles um Wildwuchs und dessen Kontrolle. B.U.D. will mit Hilfe der außerirdischen Flora nach Hause wachsen - darum kraxelt er riesenhafte Ranken empor, setzt sich auf deren Blütenauswüchse und motiviert sie dazu, in genau die Richtung zu wuchern, die er sich dafür in seinen Blechkopf gesetzt hat.

Hat der possierliche Schraubenhaufen erfolgreich an einem der schwebenden Energiefelsen festgemacht, saugt die Pflanze begierig dessen Reserven auf, um den zentralen Stamm wieder ein Stückchen weiter wachsen zu lassen - und zwar in Richtung einer der nächsten großen Hauptplattformen, die B.U.D.s Umgebung eine Level-artige Etagen-Struktur verleihen.

Weil die Kletterpartien dem Spieler ein geschickt abgepasstes Wechselspiel aus linkem und rechtem Schulter-Trigger des Joypads abverlangen, ist das ganz schön anstrengend. Endet sie deshalb mal vor lauter Erschöpfung mit einem Sturz in die Tiefe, dann zaubert die niedliche Blechbüchse aus ihrem Rucksack eine zuvor gesammelte Spezialpflanze hervor. Riesen-Gänseblümchen lassen sich dabei als Fallschirm entfremden, Blätter als Gleitschirm für einen sanften Ritt auf den Luftströmungen.

Wer die anfangs gewöhnungsbedürftige, weil ungewohnt träge Steuerung des Roboters verschmerzen kann, genießt mit "Grow Home" einen zwar reichlich kurzen, dafür aber unglaublich inspirierten Ausflug. Der erinnert obendrein auf wohlige Weise an die frühe Heimcomputer-Zeit mit ihrer häufig nur rudimentären 3D-Struktur, die man trotzdem begierig bis zur letzten Kante und zum letzten Winkel erforscht hat. Auch bei "Grow Home" geht es vor allem um Erkundung und Bewegung - ein Konzept, das dem Titel in Zeiten bedeutungsschwangerer Story-Schwergewichte einen angenehm experimentellen Charme verleiht. Unser Tipp: Unbedingt rein- und dann mitwachsen!

Spielname Grow Home
Hersteller Reflections
Vertrieb Ubisoft
Genre Jump & Run
Erhältlich ab 04.02.2015
Preis ca. 10 Euro
EAN Code 1234567890123
Schwierigkeit Für Einsteiger und Fortgeschrittene
Alter ab 6 Jahren
Multiplayer nein
Sonstiges
Bewertung Grafik gut
Bewertung Steuerung gut
Bewertung Sound gut
Bewertung Spielspass gut
Bewertung Gesamt gut
System PC