Auf den Spuren von "Starcraft"

Echtzeitstrategie ist derzeit nicht unbedingt en vogue. Entwickler Tindalos Interactive versucht, dem Genre mit "Etherium" neues Leben einzuhauchen.

Nicht so hektisch wie das legendäre "Starcraft", dafür so einsteigerfreundlich wie möglich: "Etherium" von Tindalos Interactive möchte offensichtlich Neulinge für Echtzeitstrategie begeistern, ohne sie zu überfordern. Doch genau das ist das Problem. Es fehlt der Tiefgang.

Früher war es Tiberium, heute ist es Etherium - der Kampf um seltene Rohstoffe ist seit "Command & Conquer" ein beliebtes Thema in Echtzeitstrategiespielen. Der Unterschied: Um den "Tiberium-Konflikt" entwarf "C&C"-Entwickler Westwood in den 90er-Jahren eine umfangreiche und aufwendige inszenierte Hintergrundgeschichte, der man gespannt über mehrere Sequels hinweg folgte. Tindalos Interactive hingegen reduziert in "Etherium" die Rahmenhandlung auf das Allernötigste. Es gibt zwar einen Rohstoff, um den sich die drei Fraktionen der Intari, des Konsortiums und der Vektiden streiten, aber keinen Story-Plot. Vielmehr besteht die Einzelspieler-Kampagne aus einer Abfolge von Auseinandersetzungen, die im Grunde immer gleich ablaufen - einen Spannungsbogen vermisst man dabei schmerzlich.

Der Basisaufbau, eines der klassischen Merkmale traditioneller Echtzeitstrategie-Titel von "Command & Conquer" bis "Age of Empires", wird in "Etherium" durch den Basisausbau ersetzt: Das Spiel gibt vor, wo man zu Beginn einer Partie auf der Karte sein Hauptquartier aufzuschlagen hat. Letzteres lässt sich lediglich erweitern, etwa durch eine Logistikzentrale, mit der man sein Einheiten-Limit nach oben schrauben kann. Alternativ wählt man eine Raffinerie zur Rohstoffgewinnung oder kümmert sich um die Erforschung neuer Technologien.

Verstärkung kommt nicht aus Kasernen, sondern trudelt aus dem Orbit ein - und das ist auch dringend notwendig, denn von Anfang an gilt es, voll auf Expansion zu setzen. Nur wer weitere Territorien erobert, kann seine Truppen aufrüsten und so seine Machtstellung gegenüber dem Gegner ausbauen. Frei platzierbare Verteidigungstürme helfen, erobertes Terrain vor feindlichem Zugriff zu schützen.

Neben Infanteristen darf man in der Schlacht unter anderem auch auf Panzer, Scharfschützen, Bomber und Reparaturfahrzeuge zurückgreifen. Die knapp 20 verschiedenen Einheiten agieren wie gewohnt nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip, unterscheiden sich je nach Fraktion aber nur minimal voneinander. Immerhin können Truppen der Intari die wechselnden Wetterbedingungen vorhersagen und beeinflussen. Das Konsortium hingegen rückt seinen Gegnern mit Spionage-Satelliten auf die Pelle.

Trotz aller Einschränkungen bleibt "Etherium" ein forderndes Spiel. Das liegt vor allem an den clever aufgebauten Karten, am meist recht intelligent agierenden Computergegner und an den Zusatzfähigkeiten der Einheiten, die jede Menge Möglichkeiten besitzen, dem Gegner schwer zuzusetzen - zumindest im späteren Verlauf. Anfangs dauert es eine Weile, bis man genügend Forscherpunkte beisammen hat, um alle Einheiten freizuschalten. Wer sich mit Freunden um die Planeten von "Etherium" schlagen will, kann im Mehrspieler-Modus mit maximal drei Kumpels den Kampf um Rohstoff und Vorherrschaft aufnehmen.

Fazit: "Etherium" bietet solide, aber gegenüber Genre-Klassikern deutlich abgespeckte Echtzeitstrategie ohne große Überraschungen. Ein storybasierte Kampagne mit abwechslungsreicher angelegten Missionen hätte leicht für ein motivierenderes Spielerlebnis sorgen können.

Spielname Etherium
Hersteller Tindalos Interactive/Focus
Vertrieb Koch Media
Genre Strategie
Erhältlich ab 27.03.2015
Preis ca. 30 Euro
EAN Code 3512899112520
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene
Alter ab 12 Jahren
Multiplayer 2-4 (WWW)
Sonstiges
Bewertung Grafik gut
Bewertung Steuerung befriedigend
Bewertung Sound gut
Bewertung Spielspass befriedigend
Bewertung Gesamt befriedigend
System PC