Action antik

Reicht schickes Design aus, um langfristig zu begeistern? "Apotheon" sieht aus wie eine virtuelle Vasenmalerei ...

Griechenland lange vor dem Euro-Debakel: Weil sich die Götter von den Menschen abwenden und die Erde am Abgrund steht, zieht im Download-Action-Game "Apotheon" ein Sterblicher los, um Zeus, Poseidon und Co. zur Rechenschaft zu ziehen. Kennt man aus der "God of War"-Reihe, doch nicht in dieser optischen Form. Der 2D-Streifzug durch die griechische Mythologie ist wie eine animierte Vasenmalerei inszeniert. Leider erschöpft sich die anfängliche Begeisterung über die ungewöhnliche Präsentation schnell ...

Die meisten antiken Kulturen haben während ihrer Hochzeit einen Stil etabliert, der sich bis heute gehalten hat - eine Art unverwechselbare Signatur. Im Falle der Griechen waren es vor allem die berühmten Vasenmalereien. "Apotheon" vom kanadischen Indie-Entwickler Alien Trap verwendet diesen künstlerischen Code, um die Abenteuer des stinkwütenden Soldaten Nikandreos zu illustrieren. Mit Dreizack, Dolch und Schwert zieht das Scherenschnitt-Männchen los, um die Götter das Fürchten zu lehren.

Im Grunde ist "Apotheon" ein Spiel im "Metroivania"-Stil. Bedeutet: Hier werden klassische Jump&Run- und Action-Adventure-Elemente mit einer weitgehend offenen Spielwelt gepaart. Viele Areale sind erst dann zugänglich, wenn der Held an anderer Stelle neue Fähigkeiten oder Objekte gefunden hat. Nintendos allererstes "Metroid" gilt als Erfinder des Subgenres, Konamias "Castlevania" verfeinerte es. Naturgemäß verursacht der Aufbau solcher Spieler jede Menge Gelatsche. Darum sind dynamische Gefechte, eine unterhaltsame Kulisse und Orientierungshilfen besonders wichtig. Sonst ist schnell die Luft raus.

Leider punktet "Apotheon" in allen drei Disziplinen nur bedingt: Der anfangs aufsehenerregende Grafikstil mit seinem schicken Beleuchtungsmodell fasziniert nur kurz. Weil sich die unterschiedlichen Ecken und Winkel der griechischen Mythenwelt auf diese Weise kaum voneinander unterscheiden lassen, entwickelt sich die Vasenmalerei-Optik schnell zum ausgesprochenen Spannungs- und Orientierungs-Stolperstein.

Ähnlich unschön ist die schwammige Steuerung: Zwar hat man das Kontroll-Defizit durch verhältnismäßig einfache Kämpfe einigermaßen clever kompensiert. Doch ein unmittelbares Gefühl für die Bewegungen der Figur zu entwickeln, bleibt schwierig. Kurzum: Es fehlt "Apotheon" einfach an der nötigen Dynamik und Griffigkeit, die ein spannendes Action-Adventure auszeichnen.

Ausgesprochene "Metroidvania"-Fans, die sich für den interessanten und detailreichen Look des Abenteuers erwärmen können, geben dem Trip ins alte Griechenland eine Chance. Alle anderen halten sich an das zwar ältere, aber wesentlich stilsichere "Outland" von Ubisoft, das bei den klassischen "Metroid"-Tugenden souverän punktet und obendrein stilvoller stilisiert wurde.

Spielname Apotheon
Hersteller Sickhead Games / Alientrap Games
Vertrieb Sickhead Games / Alientrap Games
Genre Action-Adventure
Erhältlich ab 03.02.2015
Preis ca. 15 Euro
EAN Code 1234567890123
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene
Alter ab 12 Jahren
Multiplayer nein
Sonstiges
Bewertung Grafik befriedigend
Bewertung Steuerung befriedigend
Bewertung Sound befriedigend
Bewertung Spielspass befriedigend
Bewertung Gesamt befriedigend
System PS4