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Schießen auf Unbeteiligte - das braucht ein Spiel nicht

02.12.2009 | 18:06 Uhr
Schießen auf Unbeteiligte - das braucht ein Spiel nicht

Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden und der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler haben sich in einem Gespräch in einigen Punkten angenähert. Während eine Mutter eines Opfers von der Verbotsforderung Abstand nahm, machte auch der stellvertretende Vorsitzende des VDVC Zugeständnisse.

„Schießen auf Unbeteiligte - das braucht ein Spiel nicht“ - eine Aussage, die nicht etwa von Gisela Mayer vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden stammt, sondern von Patrik Schönfeldt, dem stellvertretenden Vorsitzenden des VDVC. Beide trafen sich zu einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung, diskutierten über gewalthaltige Videospiele und darüber, wie beide Parteien Lösungen herbeiführen können.

Dabei machten beide Parteien klar, dass man sich durchaus um Lösungen bemühe, die Sichtweisen aber immer noch recht unterschiedlich sind. Während Schönfeldt den Wettbewerbscharakter von Spielen wie Counterstrike hervorbrachte, sagte Gisela Mayer, dass Gewalt in Computerspielen keine Nebensächlichkeit sei. Es ginge dabei vielmehr um das archaische Muster des Menschen, Gewalt und das Ausüben von Macht - darum, den anderen zu besiegen und ihn zu vernichten.

Schönfeldt entgegnete immer wieder mit der Begründung, dass der Spieler nicht real vorhanden sei. „Dieses fehlende Element der Körperlichkeit wird dadurch ausgeglichen, dass es im Spiel für die Figur lebensbedrohlich wird“.

„Beim Computerspiel lerne ich etwas, und zwar das Falsche“, so Mayer. „Ich lerne Gewaltausübung durch Wiederholung, durch Belohnungssysteme, durch das Einüben ganzer Sequenzen. Ich gehe deswegen nicht auf die Straße und werde Amokläufer. Aber: In dem Moment, in dem ich unter Druck gerate, setze ich den Reflex ein, den ich geübt habe. Dieser Bahneneffekt ist von Hirnforschern nachgewiesen.“

Eltern sollen geradestehen

Ein geistig gesunder Mensch würde das Spiel als Wettkampf wahrnehmen und nicht als Schauspiel oder Identifikationsgrundlage, so Schönfeldt. Natürlich seien diese Spiele nicht konstruiert, um spätere Gewalttäter auszubilden, bestätigt Gisela Mayer. Es ginge jedoch um die unerwünschten Nebenwirkungen. Viele Gewaltdarstellungen sind laut Schönfeldt ebenfalls unnötig. „Schießen auf Unbeteiligte - das braucht ein Spiel eindeutig nicht“, stimmt er zu, Schießen gehöre jedoch zum Wettkampf dazu.

Mayer wie Schönfeldt plädieren beide für eine stärkere Einbindung der Eltern. Diese müssten sich laut Schönfeldt mehr mit dem beschäftigen, was Kinder spielen. Gisela Mayer fordert dazu noch ein besseres Strafsystem. „Eltern sollen geradestehen, wenn die Kinder Gewaltspiele spielen“.

Ein Sperrsystem für Spiele, das über Personalausweis oder Code freigeschaltet wird, wäre für beide Seiten sinnvoll. „Wer geistig reif ist, soll spielen, was er will“, erklärt Schönfeld mit der Zustimmung von Gisela Mayer: „Bei Erwachsenen ist es keine Frage des Verbotes, das sind selbstbestimmte Menschen. Da ist es eher eine Frage des guten Geschmacks.“ Gisela Mayer sprach sich für eine weitere Zusammenarbeit zwischen dem AWW und dem VDVC aus. So etwas ginge nur mit Experten, zudem wolle man auch die Schützenvereine in diese Diskussionen mit einbeziehen. Momentan sei man dabei, ein Papier mit gemeinsamen Forderungen zu erstellen. Ähnliches soll auch mit dem Verband der Spieler geschehen. „Es nützt uns nichts, nur Forderungen auf dem Papier zu stellen, sondern wir wollen sie umsetzen. Dafür brauchen wir alle Seiten“, so Gisela Mayer abschließend.

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Nicole Lange

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