Reine Routine
05.12.2011 | 10:06 Uhr 2011-12-05T10:06:00+0100Die titelgebendene Offenbarung ist "Assassin's Creed: Revelations" nicht geworden. Vielmehr spult der mittelalterliche Meuchelmörder Ezio Auditore da Firenze in seinem mittlerweile dritten Abenteuer für PC, Xbox 360 und PS3 ein Routineprogramm ohne nennenswerte Neuerungen ab - diesmal im schönen Konstantinopel.
Die Geschichte von "Revelations" schließt unmittelbar an die Geschehnisse des Vorgängers an. Wer also frisch in den historischen Konflikt zwischen guten Assassinen und bösen Templern einsteigt, der seit dem frühen Mittelalter tobt, kann sich anhand einer gut gemachten, wenn auch arg groben Zusammenfassung ins Bild setzen lassen - ohne allerdings die vielen kleinen Feinheiten zu erfahren, die den groß angelegten Verschwörungsthriller ausmachen.
Immerhin sind die Protagonisten die gleichen geblieben - und das auf allen Zeitebenen. Im Grunde dreht sich alles um den Barkeeper und Assassinen-Nachfahren Desmond Miles, der in einer nicht allzu fernen Zukunft via Wundermaschine sein genetisches Gedächtnis erforscht. Allerdings geht es dem jungen Mann nicht wirklich gut: Er liegt im Koma und droht völlig den Bezug zur Realität zu verlieren. Also haben ihn seine Gefährten an die Matrix-ähnliche Appartatur Animus angestöpselt, um den Vorgang zu verlangsamen.
So findet sich Desmond zu Beginn auf einer seltsamen (virtuellen) Insel wieder - dem Ausgangspunkt zu jenen Erinnerungen, die ihn wieder auf Vordermann bringen sollen. Ein geschickter Zug von Ubisoft, denn so wird die Vergangenheit des bislang reichlich blass gebliebenen Hauptcharakters ein wenig beleuchtet.
Die meiste Zeit über schlüpft Desmond aber wieder in die Rolle von Ezio Auditore, der sich im Jahr 1511 nach Konstantinopel aufgemacht hat. Er soll die Stadt nicht nur aus den Händen der Templer befreien und dort einen Assassinen-Orden aufbauen, sondern auch fünf Schlüssel finden, die den Zugang zu einem besonderen Artefakt unter der Assassinen-Burg Masyaf gewähren. Natürlich wollen die Templer ebenfalls in den Besitz des Teils gelangen, weshalb Ezio einmal mehr alle Hände voll zu tun hat.
Wer die Vorgänger kennt, weiß, was ihn in den nächsten zwölf bis 15 Stunden erwartet: jede Menge Aussichtstürme erklimmen, Aufträge erledigen, korrumpierte Hauptmänner aus den Verkehr ziehen, Nachwuchsmeuchler rekrutieren und reihenweise Geschäfte renovieren. Neue Elemente muss man mit der Lupe suchen: So darf Ezio nun Bomben bauen und muss zuweilen Assassinenfesten gegen anrückende Templer in einem Tower-Defense-Spielchen verteidigen.
Die Steuerung hat Entwickler Ubisoft glücklicherweise nicht verändert, weshalb sich Ezio erneut butterweich animiert durch die Metropole am Bosporus bewegt. Mit einem neu erhaltenen Greifhaken kann sich der sichtbar gealterte Assassine außerdem an Vorsprüngen hinaufziehen und an gespannten Seilen über den Dächern der mit viel Liebe zum Detail nachgebauten Stadt entlangrutschen.
Auch sein Tötungshandwerk beherrscht er aus dem Effeff: Er stürzt sich lautlos und präzise von oben auf sein Opfer - oder nutzt die Menge als Schild, um dann im letzten Moment hinter seinem Ziel aufzutauchen und ihm eine am Handgelenk versteckte Klinge in den Leib zu rammen. Ebenso meisterlich beherrscht Ezio den offenen Kampf Mann gegen Mann: Er tänzelt mit Schwert, Dolch und Pistole durch die gegnerische Menge, als wäre er mit der Waffe in der Hand geboren worden und erledigt selbst ganze Dutzendschaften mit spielerischer Leichtigkeit. Etwas spannender sind Schleicheinsätze und Verfolgungsjagden. Findet Ezio zudem einen der fünf Schlüssel, gibt es sogar ein Wiedersehen mit Altair aus Teil eins.
Fazit: "Assassin's Creed: Revelations" bietet inhaltlich wie technisch Bewährtes, aber Kennern der Reihe eben kaum Neuerungen. Diese brauchen entsprechend viel Geduld, denn erst im letzten Akt, wenn die Handlungsstränge von Desmond, Ezio und Altair halbwegs schlüssig zusammengeführt werden, gibt es ein paar Gänsehautmomente - und einen Ausblick auf "Assassin's Creed 3", das die Verschwörungsgeschichte hoffentlich zu einem würdigen Ende führen wird. Bis dato sollte Ubisoft jedoch an einer stärkeren Grafikengine und an der ein oder anderen spielerischen Neuerung arbeiten. Am erstklassigen Multiplayer-Modus mit seinen spannenden Spielvarianten lässt sich dagegen kaum etwas verbessern.
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