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"Medal of Honor: Warfighter" - Solider Shooter ohne Überraschungen

12.11.2012 | 08:45 Uhr
EA siedelt den neuesten Teil von "Medal of Honor" erneut in der Gegenwart an.

Reine Routine: "Medal of Honor: Warfighter" ist beileibe kein schlechtes Spiel. Nur ein auswechselbares, dass nach und nach zu einer gewöhnlichen Ego-Schießbude.

Während die "Call of Duty "-Reihe mit ihrem nächsten Ableger "Black Ops 2 " die Flucht nach vorne antritt und ihre Kriegsschauplätze in eine nicht allzu ferne Zukunft verlagert, verweilt EA stoisch in der Gegenwart. Auch spielerisch will man sich mit "Medal of Honor: Warfigher " von der prominenten Konkurrenz distanzieren, indem man der comichaften Krawalle und dem Hurra-Patriotismus abschwört und stattdessen auf Authentizität setzt.

Laut Entwickler Danger Zone basiert das Geschehen von "Warfighter" teilweise auf realen Begebenheiten. Zudem versucht man tatsächlich, in zahlreichen eingestreuten Zwischensequenzen die emotional packende Geschichte eines Elite-Soldaten zu erzählen, der an allen Fronten kämpft: in Pakistan, Somalia, Sarajevo - aber auch im Privaten. Seine Frau hat die Schnauze voll, dass er immer den Helden spielen muss ...

Preacher heißt der Soldat, um den sich alles dreht. Ein Typ mit Jack-Bauer-Syndrom, hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl und Familie. Klingelt das Telefon und Uncle Sam ist dran, hält ihn dennoch nichts mehr. Er rückt aus, um Land und Leute zu beschützen - vor Fanatikern, Kriegsverbrechern, Terroristen. Im Falle von "Warfighter" sind's böse Islamisten und noch bösere Serben, die mit einer Art Supersprengstoff - nun ja - Böses im Schilde führen.

Gewöhnliche Ego-Schießbude

So ambitioniert der Ansatz einer ebenso persönlichen Geschichte auch sein mag - innerhalb der 13 Missionen der Einzelspielerkampagne schafft es "Warfighter" dann doch, zu einer gewöhnlichen Ego-Schießbude zu verkommen. Im Eiltempo hetzt das Programm volljährige Spieler etwa sechs bis acht Stunden lang durch eng gesteckte Level und setzt ihm Heerscharen von Gegnern vor die Flinte.

Für Abwechslung sollen nächtliche Schleicheinlagen durch philippinische Terrorcamps, Fahrten mit Schlauchbooten, das Ordern von Luft- und Artillerieschlägen, das Steuern von kleinen Drohnen sowie das obligatorische Bemannen von Bordgeschützen sorgen. Versatzstücke, die Genre-Veteranen in den letzten Jahren schon zigmal vorgesetzt bekommen haben.

Medal of Honor: Warfighter

Immerhin: Die ellenlange Verfolgungsjagd, die man sich durch die Straßen der pakistischen Stadt Karatschi mit einem Attentäter liefert, ist ein echtes Novum - und fühlt sich dank brauchbarer Steuerung nicht wie ein Fremdkörper an. Der bei "Warfighter" zum Einsatz kommende "Frostbite 2.0"-Grafikmotor treibt auch auch das neue "Need for Speed: Most Wanted" zuverlässig an.

Abstriche auf der Konsole

Die Einsätze sind zwar bei Weitem nicht so abgehoben inszeniert wie die der "Call of Duty"-Konkurrenz. Aber auch hier knallt's von der ersten Minute an. Frachtschiffe explodieren, Container und Helikopter fallen vom Himmel, ganze Gebäude werden dem Erdboden gleichgemacht. Die Gratwanderung zwischen der angestrebten Glaubwürdigkeit und unterhaltsamer Action erweist sich jedoch immer wieder als schwierig.

Zum einen muss man die Flugbahnen von Kugeln über weite Distanzen richtig einschätzen, zum anderen versorgen die Computer-Kollegen den Spieler mit unbegrenzer Munition. Türen lassen sich zwar auf mehrere Arten sprengen, eintreten, aushebeln - spielerisch macht das aber keinen Unterschied: Es folgt stets ein kurzer Zeitlupenabschnitt, in dem man die überraschten Terroristen reihum ausschaltet. Ärgerlich ist's auch, dass die Macher die Möglichkeiten der Grafik-Engine künstlich beschneiden. Im Grunde lässt sich alles zerdeppern, in "Warfighter" geschieht dies aber nur, wenn es die Programmierer wollen.

Spielebewertung
Medal of Honor: Warfighter

Hersteller: Danger Close Games
Vertrieb: Electronic Arts
Genre: Action
Preis: ca. 50 Euro
Schwierigkeit: Fortgeschrittene und Profis
Alter: ab 18 Jahren

Bewertung

Grafik: gut
Steuerung: gut
Sound: sehr gut
Spielspass: befriedigend
Gesamt: befriedigend

Dafür erwartet PC-Spieler ein grafisches Feuerwerk. "Warfighter" trumpft bei leistungsfähiger Hardware mit sensationellen Licht- Schatten- und Partikeleffekten auf. Dazu begeistert der Titel mit butterweichen Animationen und detaillierten Figuren. Die Konsolenfassung fällt indes qualitativ ab, was sich in Form von matschigen Texturen und weniger Details niederschlägt. Der Sound besitzt dagegen systemübergreifend Referenzcharakter. Explosionen, Schussgeräusche und Wortfetzen tönen mit Wucht und perfekt positioniert aus den Boxen, was im Mehrspielermodus überlebenswichtig ist.

Auswechselbar

Der dürfte dafür sorgen, dass "Warfighter" auch dann noch gespielt wird, wenn die Geschehnisse der Kampagne längst Schall und Rauch sind: Bis zu 20 PC- und Konsolen-Besitzer ziehen in einer Vielzahl schneller, kurzweiliger, aber auch recht beliebiger Spielvarianten in den Kampf - allerdings ohne Fahrzeuge nutzen zu können. Schließlich gibt es die "Battlefield"-Reihe aus dem eigenen Haus. Dafür gibt's ein Länder- und Buddy-System, das motiviert.

Fazit: "Warfighter" ist beileibe kein schlechtes Spiel. Nur ein auswechselbares. Es bedient sich in erster Linie der Genrestandards. Und ausgerechnet bei der persönliche Geschichte rund um den Soldaten Preacher, mit der Entwickler Danger Zone Akzente hätte setzen können, wird das meiste Potenzial durch eine verschachtelte Inszenierung voller wirrer Zeitsprünge und letztlich blasser Figuren verschenkt. Für einen echten Aufreger dürfte das Spiel wohl erst in ein paar Wochen sorgen: Dann erscheint ein Zusatzinhalt zum Kinostart von "Zero Dark Thirty". Der Film von Kathryn Bigelow thematisiert die Jagd und die Tötung von Osama Bin Laden. (_teleschau - der mediendienst)

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