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Games-Kritik

Zurück im Reich der Toten

30.01.2015 | 18:51 Uhr
Comeback eines Klassikers: Sensenmann Manuel Calavera alias Manny ist zurück.
Comeback eines Klassikers: Sensenmann Manuel Calavera alias Manny ist zurück.Foto: Double Fine
Comeback eines Klassikers: Sensenmann Manuel Calavera alias Manny ist zurück.
Manny arbeitet in der Vorhölle für eine Art Todes-Agentur und soll den Klienten, die er im Diesseits abholt, möglichst teure Luxuspakete verschachern.
Während des Abenteuers trifft Knochenmann Manny die Liebe seines ewigen Lebens, kommt einer Verschwörung auf die Spur und schließt sich einer Untergrundbewegung an ...
Das Make-Over des untoten Adventure-Opas hätte gerne intensiver ausfallen dürfen. Mit derart groben Modellen und klotzigen, teils verpixelten Settings verkauft man heute nur noch an Liebhaber des Original.

Adventure-Guru Tim Schafer hatte offenbar Todessehnsucht. Zusammen mit seiner Indie-Schmiede Double Fine veröffentlicht er nun eine Neuauflage eines nicht von jedermann geliebten Adventure-Klassikers.

Der Tod kommt auf Stelzen und verkauft Luxus-Reisen: Die aberwitzigen Point&Click-Abenteuer mit dem Sensenmann Manny Calavera werden endlich neu aufgelegt. Tim Schafer und seine Double-Fine-Crew bringen den Lucas-Arts-Klassiker "Grim Fandango" als überarbeitete Download-Version für PC, PS4 und PS Vita.

Als das Original-"Grim Fandango" 1998 erscheint, ist die Freude der meisten Adventure-Fans eher verhalten. Die Point&Click-Abenteuer des inzwischen geschlossenen Publishers LucasArts waren bis dahin für ihre fein gezeichneten VGA-Pixelgrafiken und ihre fortschrittliche Maus-Steuerung berühmt. Doch mit "Grim Fandango" setzten Tim Schafer und sein Team auf zwei neue Trends. Zum einen wichen die aus "Monkey Island" und "Day of the Tentacle" bekannten Comic-2D-Kulissen einer Kombination aus vorgerenderter und in Echtzeit erstellter 3D-Grafik. Zudem trat an die Stelle des klassischen Point&Click-Interfaces eine damals ziemlich klobig geratene Gamepad-Steuerung. Kurzum: Viele Fans waren stocksauer. Selbst der fein pointierte Humor des Abenteuers versöhnte die wenigsten. Erst während der folgenden Jahre - mit zunehmender Etablierung von 3D-Grafik und Pad-Kontrollen - entwickelte sich um das Adventure eine Art Kult.

Ein Kult, der Folgen hat: Lucas Arts ist zwar längst Geschichte, doch Tim Schafer ist noch immer aktiv - und zwar mit seiner Spiele-Schmiede Double Fine. Die hat sich längst auf obskure bis witzige Adventures wie "Broken Age" spezialisiert und profitiert dabei maßgeblich vom einstigen LucasArts-Gefolge des Star-Entwicklers. Kein Wunder also, dass man jetzt eine restaurierte Neuauflage von Schafers Lieblingskind veröffentlicht.

"Grim Fandango Remastered" präsentiert den Klassiker in zwar nicht rundum erneuerter, aber immerhin aufpolierter Optik. Die Hintergrundgrafiken wurden halbwegs geschickt hochgerechnet, die Figuren deutlich feiner gezeichnet und mit einem modernen Lichtmodell den Beleuchtungsverhältnissen angepasst. Wer den Unterschied zwischen Original und Remastering bewundern will, der darft jederzeit per Tasten-Druck zwischen beiden Versionen wechseln - oder aber auch einen entsprechenden Audio-Kommentar der Entwickler zuschalten.

PC-Spieler freuen sich vor allem über das neue Maus-Interface, das je nach analysiertem Objekt ein Kontext-sensitives Menü einblendet. Joypad-Spieler steuern typische Aktionen wie Ansehen, Benutzen, Sprechen oder das Aufrufen des Inventars dagegen mit den Buttons - das ist ein bisschen weniger komfortabel, funktioniert aber ebenfalls ordentlich.

Die Geschichte vom knochigen Sensenmann Manuel Calavera alias Manny ist dabei so witzig wie eh und je: Der arbeitet in der Vorhölle für eine Art Todes-Agentur und soll den Klienten, die er im Diesseits abholt, möglichst teure Luxuspakete verschachern - etwa ein Erste-Klasse-Ticket im Glückseligkeits-Express für die Überführung in den Himmel. Dauert nur vier Minuten statt der sonst üblichen vier Jahre. Weil Mannys Chef ihm aber immer nur wenig lukrative Kunden zuschustert, ist Totenfratze Calavera nicht gerade der erfolgreichste Verkäufer. Darüber hinaus trifft der Knochenmann die Liebe seines ewigen Lebens, kommt einer Verschwörung auf die Spur und schließt sich einer Untergrundbewegung an ...

Die schrullige Mixtur aus dantischem Inferno, mexikanischem Totenkult, Film noir und morbider Screwball-Comedy zündet heute wie damals, ist aber gerade visuell nicht jedermanns Sache. Vor allem an der expressionistisch gestalteten Welt der Lebenden scheiden sich die Geister. Und schließlich hätte das Make-Over des untoten Adventure-Opas gerne intensiver ausfallen dürfen. Mit derart groben Modellen und klotzigen, teils verpixelten Settings verkauft man heute nur noch an Liebhaber des Originals. Wer den Titel nicht damals schon schätzte, wird vermutlich auch mit der Neuauflage wenig anfangen können, die als deutschen Synchronsprecher Tommy "Alf" Piper auffährt ...

SpielnameGrim Fandango Remastered
HerstellerDouble Fine Productions
VertriebDouble Fine Productions
GenreAdventure
Erhältlich ab26.01.2015
Preisca. 20 Euro
EAN Code1234567890123
SchwierigkeitFür Einsteiger und Fortgeschrittene
Alterab 12 Jahren
Multiplayernein
Sonstiges
Bewertung Grafikausreichend
Bewertung Steuerunggut
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtgut
SystemPC
SystemPS4
SystemPlayStation Vita
Kommentare
Funktionen
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http://www.derwesten.de/spiele/news/kritiken/zurueck-im-reich-der-toten-id10293160.html
2015-01-30 18:51
Spiele-Kritiken