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Fehlerteufel und Höllenfürsten

15.06.2012 | 17:15 Uhr

Teufelsaustreibung 3.0: Nach holprigem Start läuft "Diablo 3" zu alter Stärke auf - trotz zahlreicher Neuerungen, die bei Fans der Action-Rollenspielreihe für Unmut sorgen.

Kaum ein Entwickler lässt sich bei der Fertigstellung seiner Spiele mehr Zeit als Blizzard. Und keiner wird von seinen Fans für diese Form des Perfektionismus mehr vergöttert. Spätestens seit der Veröffentlichung von "Diablo 3" hat sich allerdings eine gewisse Ernüchterung breitgemacht. In erster Linie, weil Blizzard das eigene technische Know-how wohl über- und den Ansturm das Spiel wohl unterschätzte. Die Folge: In der Nacht zum 15. Mai, als der weltweite Startschuss zu "Diablo 3" fiel, tat sich herzlich wenig. Zwei Millionen Vorbesteller und abertausende Mitternachtskäufer zwangen die Registrierungsserver des kalifornischen Unternehmens in die Knie. Spielen konnten nur wenige. Selbst in den darauffolgenden Tagen flößten die von der Online-Plattform Battle.net ausgespuckten Fehlermeldungen den "Diablo"-Spielern mehr Respekt und Furcht ein als der titelgebende Höllenfürst und dessen missratene Familienbande ...

Ein paar Tage vergingen, ehe der verständliche Ärger langsam der altbekannten Faszination wich. Denn wie seine beiden Vorgänger ist "Diablo 3" ein schlichtes Vergnügen mit perfidem Motivationsmotor: Mit einem von fünf Heldentypen - Barbar, Zauberer, Dämonenjäger, Hexendoktor und Mönch stehen zur Auswahl - klickt man im Lauf von vier großen Akten Heerscharen von Widersachern über den Haufen. In erster Linie, um die Welt und den Himmel vor den Höllenfürsten Belial, Azmodan und natürlich Diablo zu retten, dem schlimmsten von allen Übeln.

Aber auch, weil Entwickler Blizzard dem Spieler stets eine Karotte vor die Nase hält, die ihn weitermachen lässt. Jede geöffnete Schatztruhe, jedes zerdepperte Fass, jedes erlegte Monster kann ein noch schärferes Schwert oder eine noch dickere Rüstung zutage fördern. Womöglich einen verzauberten Gegenstand, am besten jedoch einen einzigartigen, der mehrere Attribute des Helden gehörig aufwertet und andere Boni verspricht. Damit ausgerüstet lässt sich die versammelte Dämonenbrut schließlich noch leichter ins Jenseits befördern. Kurzum: Man berauscht sich an der eigenen Macht - und will noch mehr davon.

Die bekommt man auch - in Form von zahlreichen charakterspezifischen Talenten, die vom Programm nach dem Erreichen einer bestimmten Stufe automatisch freigeschaltet und durch den Einsatz von Runen abgewandelt werden können. So darf der Hexendoktor beispielsweise irgendwann giftige Kröten beschwören. Je nachdem, welche Rune er zusätzlich aktiviert, werden aus der Handvoll Mini-Kröten entweder explosive Knallfrösche oder ein einziges Riesenvieh. Eine Neuerung, die bei vielen Fans für Unmut sorgte. In den Vorgängern durften sie noch jedes Attribut und jede Fähigkeit ihres Helden nach Belieben steigern - was nicht selten zu echten Fehlentwicklungen führte, aber zumindest die Genre-Zuordnung "Rollenspiel" rechtfertigte.

In "Diablo 3" ist das nun alles simpler - vielleicht etwas zu simpel, auch wenn in höheren Spielstufen eine wahre Flut von Kombinationsmöglichkeiten zum Experimentieren einlädt. Mit der Tatsache, dass auch die Attribute Stärke, Intelligenz, Geschicklichkeit und Vitalität automatisch vom Programm gesteigert werden, kann man sich ebenfalls nur schwer anfreunden.

Nächster Knackpunkt: die betagte und dennoch ungemein hardwarehungrige Präsentation. Verwaschene Texturen, klobige Figuren, unanimierte Standbildchen bei Dialogen - das wirkt alles andere als zeitgemäß. Spektakuläre Renderfilme gibt's nur zur Einläutung eines neuen Akts. Dafür haben sich die Macher beim Design der Monster und Landschaften mächtig ins Zeug gelegt. Sie lassen den Spieler zwischen Himmel und Hölle weitläufige Wüsten und Wälder, modrige Gruften, blutige Folterkeller und uralte Archive erkunden, die dank zahlreicher kleiner Details und schöner Lichtspiele eine grandiose Stimmung erzeugen.

Zum Staunen bleibt aufgrund der Fluten von unterschiedlichsten Höllenkreaturen aber nur wenig Zeit. Gewöhnliche Skelettkrieger warten ebenso wie durchgeknallte Okkultisten, riesige Spinnen, Dünenhaie und die mannigfaltige Dämonenarten auf eine Abreibung. Die lassen sich auf dem anfänglichen Schwierigkeitsgrad noch ohne Mühe aus den Latschen kippen. Selbst im Duell mit Bossgegnern wie dem Skelettkönig oder der aus Teil eins bekannten Reinkarnation des Schlächters ist der Einsatz von Heiltränken nur selten erforderlich. Erst wenn "Diablo 3" durchgespielt wurde - was einem koreanisches Team irgendwie in knapp fünf Stunden gelang, "normale" Käufer aber gut 20 bis 25 Stunden beschäftigten dürfte - darf man das Ganze noch einmal im "Albtraum"-Modus angehen. Danach im "Hölle"-Modus. Und schließlich im "Inferno"-Modus.

Warum man sich das antun sollte? Natürlich wegen des Füllhorns übermächtiger Gegenstände, die es dort zu ergattern gilt - und die sich innerhalb von "Diablo 3" in einem Auktionshaus an andere Spieler verkaufen lassen. Momentan ist dies nur gegen virtuelles Gold möglich. Geplant ist allerdings auch ein Handel mit echtem Geld, wobei Blizzard jedes Mal eine kleine Provision kassiert. Der Start wurde aufgrund der Serverprobleme vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ein vorläufiges Fazit: "Diablo 3" ist spielerisch ein gewöhnliches Hack&Slay-Abenteuer, technisch nicht auf Höhe der Zeit, inhaltlich vorhersehbar - und dennoch ein interaktives Suchtmittel sondergleichen. Wer der Teufelsautreibung einmal anheimgefallen ist, wird wie ein Besessener Monster im Akkord totklicken und die Stupidität seiner Sammelwut ausblenden - zumal es Blizzard meisterlich versteht, das Ganze mit temporeichen Einfällen, wechselnden Kulissen und fulminanten Schlachten gegen das Böse anzureichern.

Unsere Bewertung
  • Grafik: gut
  • Steuerung: sehr gut
  • Sound: gut
  • Spielspass: sehr gut
  • Gesamt: sehr gut
Spielsysteme
  • PC (getestet)
  • Mac OS X (nicht getestet)
Zusatzinfos
  • Spielname: Diablo 3
  • Hersteller: Blizzard
  • Vertrieb: Activision Blizzard
  • Genre: Rollenspiel
  • Erhältlich ab: 15.05.2012
  • Preis: ca. 60 Euro
  • EAN Code: 5030917102585
  • Schwierigkeit: Für Einsteiger und Fortgeschrittene
  • Alter: ab 16 Jahren
  • Multiplayer: ja (WWW)
  • Sonstiges: Internetverbindung benötigt
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