Vorhang auf für den eSport
28.10.2007 | 23:59 Uhr 2007-10-28T23:59:00+0100
Das Studium war für Daniel und Dennis Schellhase bisher kein Thema – zumindest finanziell gesehen. Die beiden als Fifa-Twins bekannt gewordenen eSportler haben ihr Studium nämlich locker mit Preisgeldern finanziert, die sie am Computer bei Turnieren und Ligaspielen gewonnen haben. Während ihre Kommilitonen sich mit Aushilfsjobs einige Euro verdienten, haben sich die beiden Gelsenkirchener den Weltmeistertitel der Fußball-Simulation Fifa gesichert. Aber was ist das eigentlich: eSport? Oberflächlich betrachtet, sieht es nach Daddeln auf hohem Niveau aus. Doch genaueres Hinschauen lohnt: Ein Sport ist es deshalb, weil Spielkönnen anhand von Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit, taktisches Verständnis und Spielübersicht gefordert werden. Die reinen Unterhaltungsspiele aus dem Kinderzimmer haben sich längst weiterentwickelt. eSportler sind in professionellen Ligen organisiert – und tragen ihre Spieltage über das Internet aus. So wie in der Electronic Sports League (ESL). Dieser Zusammenschluss existiert bereits seit sieben Jahren. Dort sind mehr als 730.000 aktive Spieler angemeldet. Jeden Monat kommen rund 10.000 Neuanmeldungen hinzu. Damit ist die ESL die größte Computerspielliga Europas. Von einer Randsportart kann also nicht die Rede sein.
27 Prozent aller eSportler stammen aus NRW
eSport boomt. Und hier kommt DerWesten ins Spiel. 27 Prozent aller eSportler in Deutschland stammen nämlich aus Nordrhein-Westfalen. Der Westen ist also eine eSport-Hochburg. Bundesweit sehen Studien die Anzahl der eSportler zwischen 1,5 und 4,5 Millionen. Der digitale Wettstreit ist als sportlicher Wettbewerb organisiert, so wie man es von den Leibesertüchtigungen kennt. Wie in der Fußball-Bundesliga können die Spieler auch beim eSport auf- und absteigen. Die Palette der in den Ligen gespielten Games ist breit. Ständig kommen neue Formate hinzu, ältere Versionen werden durch aktuellere ersetzt. An die 80 Varianten werden derzeit über das Internet miteinander gespielt. Sport, Strategie, Taktik-Shooter, Casual-Games – selbst eine Nachfolgeversion von Tetris ist dabei. Da staunen einige Bauklötze. Die Teilnehmer spielen je nach Spielstärke in der Anfängerklasse, Amateur Series oder Pro Series. Im Vordergrund steht der Jugendschutz. Wer welches Game spielen darf, richtet sich bei minderjährigen Teilnehmern streng nach der Alterskontrolle der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Die bewertet, für welche Altersklasse ein Spiel geeignet ist.
Und noch etwas stimmt mit Sicherheit: eSport-Anhänger sind Stadiongänger. Auch wenn es statt Freiluftarenen eher überdachte Hallen sind. Die Elektronik mag es halt trocken. Mit den Intel Friday Night Games tourt die ESL 20 Mal im Jahr durch zehn Städte - deutschlandweit. Komplette Spieltage werden dann vor Publikum ausgetragen. Hier herrscht echte Stadionatomsphäre: Jubel, Trubel und die eSport-Stars in der Manege werden von einem Moderator genauestens kommentiert. 1.000 Zuschauer und mehr sind dabei keine Ausnahme, sondern die Regel. Dort enden dann endgültig manche Klischees. eSportler sitzen nicht isoliert in kargen Kellerräumen, sondern spielen in Teams miteinander. Die Mannschaften, die Clans heißen, trainieren gemeinsam. Nur wer diszipliniert mit seinen Spielpartnern auf dem Monitor agiert, kann auf Dauer erfolgreich sein.
Spitzenspieler mit Popstar-Status
Ursprünglich stammt der populäre eSport aus Asien. Und dort kann man deutlich erkennen, wie die Klick-Fertigkeiten im nächsten Level aussehen. In Südkorea besitzen eSportler den Status von Pop-Stars, aber auch in Deutschland verdienen manche Spitzenspieler gutes Geld. Die Clans, die mit eigenen Pressesprechern und Sponsoren operieren, zahlen Ablösesummen für begehrte Spieler. Regelmäßig werden internationale Turniere ausgetragen - Weltmeister ermittelt. In vielen Ländern ist eSport bereits als offizielle Sportart anerkannt. eSport ist nicht nur ein bedeutender Teil der Jugendkultur, sondern auch organisatorisch professionell ausgerichtet – ähnlich wie man es aus dem Breitensport kennt. DerWesten wird das in seiner Berichterstattung aufgreifen – und zwar regelmäßig. Kritisch, persönlich und hinter die Kulissen blickend. Spieler aus der Region werden in loser Reihenfolge vorgestellt. Kurzum: Es soll ein starkes Umfeld für Games und Spielkultur entstehen, das eSport als Sportart betrachtet.
23:29
Zocken schön und gut, nur sollte mein sein restliches Leben dabei nicht vergessen. Finde es allerdings total dämlich wenn grundsätzlich alle Gamer doof angsehen werden. Ist ja fast so als würde keiner von denen was auf die Reihe bekommen. Ist ein typisches Vorurteil!
09:14
Ich bin süchtig, na und ??
Warum regen sich so viele Leute eigentlich über Gamer auf??? Wir tun doch niemandem wirkliv´ch weh, nur virtuell!! also was gibts da zu meckern!? Nur weil irgend so ein hirn- und hobbyloser Mof Amokläufer Ballergames Spielt , muss man doch nicht meckern!! PSN ID Sniper-King14
18:41
Das klingt sehr viel versprechend!
Ich werde auf jeden Fall weiter hier vorbeischauen und das ganze gespannt verfolgen :)
Ich will gar nicht behaupten, dass bis jetzt alles uninteressant war (auch wenn es vielleicht so geklungen haben mag ;)).
Mehr Interviews und Szene-Einblicke sind definitiv etwas worauf man sich freuen kann!
16:13
Hallo phneutral.
Vielen Dank für Deine Rückmeldung.
An den Erklärungen der Fachbegriffe und Einstieg in die Szene kommen wir, gerade zu Beginn der Berichterstattung, nicht vorbei. Du hast sicher Recht, alten Hasen sind die Vokabeln bekannt. Aber an den vielen E-Mails, die uns mit entsprechenden Fragen erreichen, wird schon klar, dass wir zu Beginn Grundlegendes doch erklären sollten - und dies auch gerne tun.
Letztlich macht es der Themen-Mix. Von der anderen Seite des Käfigs berichten wir aber keineswegs. Gerade bei den Interviews mit eSportler, wie etwa mit Peter Chucky Schlosser, werden wir weiter ansetzen.
Auf den eSport-Seiten wird im kommenden Jahr einiges passieren. Wir werden verstärkt Spieler, Clanmanager und Clans vorstellen - und zusätzliche Einblicke hinter die Kulissen der Veranstaltungen bieten.
Wir hoffen, dass auch für Dich etwas Interessantes dabei sein wird.
22:40
Die Idee ist sicherlich nicht verkehrt, aber im Moment sieht die Berichterstattung in dieser Rubrik für mich immer noch mehr nach einem »Wow... es gibt wirklich so viele, die sowas machen« als nach knallharter Berichterstattung aus.
Wenn ich was zum Thema eSport lesen will und mich auch nur ansatzweise mit der Szene auskenne, dann ist derwesten.de/esport total langweilig für mich.
Ich will Ergebnisse, Tabellen und hintergründige Infos und nicht den Aufsatz »Meine erste LAN-Party«.
Natürlich verstehe ich, dass man auch »Unwissende« locken möchte, aber schafft man dies indem man beinahe wie im Zoo von der anderen Seite des Käfigs berichtet?
Natürlich sind viele Fachbegriffe fremd, aber selbst bei der Curling-Berichterstattung im DSF wird nicht alle zwei Minuten erklärt was ein Takeout ist... sondern das Wort einfach benutzt und von den Zuschauern ein gewisser Grad an Eigenständigkeit und Initiative erwartet – zu unrecht? Ich denke nicht! Jeder, der sich interessiert wird sich die gängigen Vokabeln aneignen und gegebenenfalls das Spiel selbst anzocken.
Interessant wäre ein wöchentlicher Überblick in den gängigen deutschen Ligen und Spielen, aber auch internationale Berichterstattung (StarCraft in Korea!) .
Der erste Schritt ist getan, aber es liegt noch ein weiter Weg vor euch!
Ich wünsche bestes Gelingen
pH~neutral