Porträt
Sport an der Tastatur ist seine Leidenschaft
08.03.2009 | 17:21 Uhr 2009-03-08T17:21:00+0100
Hohenlimburg. Wenn es um „eSport” geht, muss Tim Walter in der Regel Aufklärungsarbeit leisten. Darum fährt der 22-jährige Hohenlimburger zur Computermesse Cebit nach Hannover. Die Szene der professionellen Computerspieler ist stark gewachsen - und es geht auch ums Geschäft.
eSport, so nennt man Computerspiele, die in einem sportlichen Wettbewerb ausgetragen werden: Es gibt Mannschaften, eine Bundesliga und Tabellen - eigentlich genau so wie im klassischen Sport. 1,5 Millionen eSportler soll es alleine in Deutschland geben. Einer von ihnen ist Tim Walter, der vor allem hinter den Kulissen wirkt. Sein Clan „KomaCrew” ist ein eingetragener Verein. Tim Walter sitzt im Vorstand. Die Vorstandssitzung steht für den 2. Vorsitzenden wöchentlich auf dem Programm - per Webcam im Internet, seine Kollegen sind im ganzen Land verstreut.
„Rund 45 Aktive umfasst unser Clan. Momentan arbeite ich rund 35 Stunden in der Woche für KomaCrew”, sagt der gelernte Mediengestalter. Tim Walter betreut den Internetauftritt, ist mit seinen grafischen Vorkenntnissen für den „Anstrich” des Clans zuständig und entwirft die Logos.
Es fehlt noch die Präsenz in der Öffentlichkeit
Teamfähigkeit steht beim eSport im Vordergrund - Spiele wie Counter-Strike heizen die „Killerspiel-Debatte” aber immer wieder an. Ein Unwort innerhalb der Szene. Selbst wenn bei manchen Spielen auf dem Monitor Schüsse fallen — im eSport geht es um das taktische Geschick. Tim Walter: „Hier gilt es, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.” Die Palette der Spiele ist nämlich breit: Die Fußball-Simulation „Fifa” oder das Strategie-Spiel „Warcraft 3” sind neben den Shootern populäre Titel.
Einen eigenen Verband hat der elektronische Sport mit dem ESB ebenfalls, doch von dem ist Tim Walter enttäuscht. „Hier fehlt noch die Präsenz in der Öffentlichkeit.” Seit Jahren laufen Bestrebungen, den elektronischen Sport auf die gleiche Stufe mit klassischen Sportarten zu stellen. Gerade in Asien ist man deutlich weiter, dort genießen manche Spieler den Status von Pop-Stars und kassieren satte Gehälter.
Dreistellige Gehälter sind keine Seltenheit
Gehälter, die es für die meist jungen Spieler auch in hiesigen Gefilden gibt. Tim Walter: „Einige Spieler erhalten bei uns monatlich dreistellige Gehälter.” Beträge, die in den Topligen eher im unteren Bereich einzuordnen sind. Große Clans in der Pro Series, der Bundesliga des eSports, legen manchmal stolze vierstellige Summen auf den Tisch.
Dafür müssen die Elektro-Athleten mehrere Stunden pro Tag vor dem Rechner trainieren. Interesse bei Titeln wie „Call of Duty” selbst bei Meisterschaften auf Titeljagd zu gehen, dazu fehlt Tim Walter die Zeit. „Obwohl ich schon darüber nachgedacht habe.”
Finanzkrise ist auch beim eSport spürbar
So geht er lieber zur Cebit, wo er mit einigen Spielern den eSport einer breiten Zielgruppe vorstellen wird. Ein Sponsor betreut dort einen Stand. Solche Unterstützer gehören beim eSport dazu. Monatlich spülen die Sponsoren bei der KomaCrew vierstellige Beträge in die Kassen. Geld, das für die Reisen zu Veranstaltungen oder für die Entlohnung der Mitarbeiter verwendet wird. „Natürlich hat die Szene auch mit rückläufigen Einnahmen zu kämpfen”, weiß Tim Walter. Die Finanzkrise macht auch vor dem eSport nicht Halt.
Das Klischee vom unbeweglichen Computer-Fan zieht bei Tim Walter übrigens nicht: Der 22-Jährige turnt regelmäßig beim ATS Nahmer.
- Fotostrecke: KomaCrew und Tim Walter: Cebit als Chance
- Cebit rüstet sich für die Weltelite des eSports
- Fotostrecke: Sexy eSport
22:20
Trotzdem nichts verschweigen. Die älteren Spielern sollen Verantwortung übernehmen und den Jungen den Umgang mit eSport vorleben und offen kommunizieren.
Wenn ein junger Spieler alleine ist, keinen hat mit dem er über seine Onlineaktivitäten sprechen kann, ist das nicht ungefährlich!
08:48
Sehr schöner Artikel!
Weiter so!