Multi-Kulti vor dem Monitor
10.11.2008 | 16:21 Uhr 2008-11-10T16:21:00+0100Köln. Wenn die Maus einmal stillsteht, sind die Akteure bei den World Cyber Games in Köln trotzdem in Bewegung: Dann wird den Kontrahenten über die Schulter geschaut - oder das Fachsimpeln über neuste Kniffe beginnt. Das ist mitunter ein Spiel mit der Sprache - vor dem Multi-Kulti-Monitor.
Ajit Kashyap ist im normalen Leben Manager einer indischen Gaming-Firma. Für die Zeit der Weltmeisterschaften für Computerspiele steigt er zum Team-Chef auf. Die Branche ist ähnlich - doch die Aufgaben sind unterschiedlich.Nun ist er sportlicher Betreuer, Motivator, Seelentröster...
Mit elf Cyber-Athleten hat er die lange Reise aus der Ferne an den Rhein angetreten - auch die indischen Starter wollen beim elektronischen Sport nach den Titeln greifen. "Fifa, Crysis, Need For Speed" - Sportspiele und Taktiktitel sind in Indien besonders populär, sagt der 28-Jährige. Und eine halbe Millionen eSportler streben dort nach Punkten und Titel.
"eSport ist in Indien genauso populär wie in Europa oder Amerika", sagt Ajit Kashyap. Rund zwei Millionen Fans verfolgen die Wettkämpfe zusätzlich als Zuschauer - großes Potenzial, da immer mehr Interessenten hinzu kommen.
Die Kosten für die Reise nach Köln werden größtenteils von Sponsoren getragen. Den Aufenthalt in Deutschland nutzt der Gast aus Indien aber nicht nur für den eSport. Kashyap: "Normalerweise reise ich geschäftlich viel umher. Das ist ziemlich stressig - doch nun besteht auch die Gelegenheit, um Land und Leute kennenzulernen." In der Halle zieht es ihn direkt in den Players-Bereich. "Ich muss mich um meine Jungs kümmern", sagt er. Die Vorbereitung auf die ersten Matches steht an.
Sponsoren erleichtern die kostenintensive Reise
Im Zuschauerbereich wird es derweilen unruhig. Die chinesische Fan-Gruppe schwenkt die Fahne und klatscht aufgeregt in die Hände. Warcraft 3 flackert über die riesige Leinwand - der chinesische Starter sitzt auf der Hauptbühne im abgeschirmten Glaskasten, um ungestört die Steuerung des Computers zu bedienen. Die Moderatoren verbreiten Hektik: "Ein Hinterhalt, jetzt muss er aufpassen..."
Das klingt wie in der Sportschau - nur um ein zehnfaches schneller. Das Strategie-Spiel zu begreifen, ist für Außenstehende eher schwierig. Es lebt beim Zuschauen von der Atmosphäre - da stört es die Gäste aus aller Welt auch nicht sonderlich, dass alle Worte von der Bühne in deutscher Sprache über die Boxen erschallen.
Ausrichter der World Cyber Games ist die koreanische Agentur ICM - sozusagen das Olympische Komitee des eSport. Die haben gleich ihre eigene Crew einfliegen lassen. Die Helfer wuseln vor und hinter der Bühne. Jeder Handgriff soll sitzen. Den hohen Erwartungen wollen die Macher gerecht werden: In Asien ist der eSport bekanntlich ein Level weiter. Einige - auch wenn längst nicht alle - Starter besitzen gigantische Fan-Clubs mit mehreren zehntausend Mitgliedern und werden wie Pop-Stars verehrt.
Team Canada dicht umlagert
Die World Cyber Games locken aber nicht nur Zocker aus Asien an - eSportler aus 78 Nationen sind in Köln unterwegs, spielen um den Weltmeistertitel für Computerspiele. 58.000 Zuschauer verfolgen die Partien - knapp doppelt so viele wie erwartet.
Im abgetrennten "Über-16-Jahre-Bereich" für den Shooter Counter-Strike wird das Team aus Canada dicht umlagert. "Die haben es voll drauf", murmelt ein Zuschauer, der den Profis beim Spielen über die Schulter schaut. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer ist nicht ungeteilt: Das mag daran liegen, dass zeitgleich ein Starter aus Frankreich nach Batterie-Nachschub fragt. Team Canada kann aushelfen - internationale Problembehandlung nennt man so etwas wohl.
Fotos: Dirk Hein
09:53
Ist Multi-Kulti für dich ein Schimpfwort? Oje, Oje...
02:05
Vielleicht sind wir Zocker auch so uneingenommen vom Multi-Kulti-Wahn daß wir gar nicht mit den Kulturen so rumprotzen müssen!?
Es geht ums zocken und nicht darum wer von wo kommt und welche Kultur er hat! Warum muß es immer um die Kultur gehen?
Es geht schlicht und einfach darum, daß sich Menschen aus aller Welt zum zocken treffen! Aber nee, dann müssen wieder irgendwelche Linken kommen und irgendwas von Kultur und Multikulti einbringen... Das lockt dann auch wieder nur Rechte an -.- Könnt Ihr Euer Links/Rechts/Multikulti-Getue nicht mal sein lassen?
01:17
Trotzdem bringt jeder dieser Leute bei einer internationalen eSport-Veranstaltung seine eigene Kultur mit ein. Alleine schon durch die Sprache. Seine Erfahrungen aus der Heimat. Das ist multi-kulturell.
23:47
Weil Multi-Kulti sich auf Kultur bezieht, die Leute da aber nicht ihr unterschiedlichen Kulturen ausleben, sondern ihre gemeinsame Kultur: den eSport als Jugendkultur!
Der Begriff ist hier einfach falsch!
23:12
Die World Cyber Games waren ein Zusammentreffen von Menschen mit unterschiedlicher Nationalität, Sprache, Religion... Warum soll DAS nicht multi-kulturell sein?
21:37
eSport ist eine Jugendkultur. EINE KULTUR und nicht Multi-Kulti!
Die Teilnehmer sind international, kommen aus verschiedenen Ländern und haben DAHEIM auch ihre eigenen Kulturen. Bei ner Olympiade oder sonstigen Weltmeisterschaften spricht man ja auch nicht von Multi-Kulti!