Experte an der Maus möchte Klischees widerlegen
09.09.2008 | 16:33 Uhr 2008-09-09T16:33:00+0200
Seit Bayern tief im Landtagswahlkampf steckt, sorgt das Thema „Killerspiele“ wieder für Wirbel. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann fordert ein Verbreitungsverbot. Wie reagiert die Szene auf das Reizthema? Wir haben beim Dortmunder Counter-Strike:Source-Profi Tim Isenberg nachgefragt.
Killerspiele, das fordert CSU-Innenminister Joachim Herrmann, sollen generell verboten werden. Dies formulieren hiesige Politiker nicht zum ersten Mal. Doch was macht ein Spiel eigentlich zum Killerspiel? „Die Formulierung ist schon seltsam. Counter-Strike gehört aus meiner Sicht eben nicht dazu“, erklärt Tim Isenberg. Gerade beim eSport legen die Aktiven Wert darauf. Das klassische Counter-Strike 1.6 ist in Deutschland in einer entschärften Version ab 16 Jahren freigegeben. Schüsse fallen zwar, Blut fließt auf dem Monitor aber nicht. Isenberg: „Counter-Strike ist ein taktischer Shooter. Es geht sehr stark um die Abstimmung mit seinen Teamkollegen.“ Eine Strategie erfolgreich umzusetzen, sei im Spielekonzept ausschließlich entscheidend.
Das gemeinsame Trainieren mit den Mannschaftskameraden ist für eSportler deshalb unverzichtbar. Dies geschieht entweder online oder in so genannten Bootcamps – Trainingslagern, in denen meist ein komplettes Wochenende die Taktik für die Ligaspiele einstudiert wird.
Jugendschutz wird generell in der Szene unterstützt
Von der "bayrischen Killerspielkampagne" hält Isenberg wenig. Vor allem, weil bei den Forderungen zu wenig differenziert werde. „Es gibt natürlich Spiele, die nicht für Kinder geeignet sind. Diese sind dann ab 18 Jahren freigegeben – eine klare Regelung.“ Klassifizierungen, die der CSU-Minister für nicht für ausreichend hält. Obwohl Jugendschutz generell auch innerhalb der Szene unterstützt wird. Isenberg: „Ich denke nicht, dass reine Ballerspiele wie Doom als eSport-Disziplin eine Chance hätten.“
Doch auch eines werde klar: Titel für Erwachsene sollen auch erwachsene Spieler erreichen. Eine Verbotsdebatte, die oftmals nach Ansicht der Szene recht undifferenziert geführt werde, nerve mittlerweile.
Für Tim Isenberg zählt sein Hobby. Mit Counter-Strike:Source und Team Thermaltake blickt er auf die weitere Saison der ESL Pro Series. Live vor Publikum zu spielen, damit auch aktive Aufklärungsarbeit zu leisten, sieht der Dortmunder als sinnvolle Alternative zur Killerspiel-Debatte. Isenberg: „Der beste Weg ist wohl, Leute zu motivieren, sich ein Spiel einfach live einmal anzuschauen.“ Wider die Klischees.
An Selbstbewusstsein mangelt es Tim Isenberg nicht: In der Bundesliga für Computerspiele spielt der 20-Jährige um Punkte und Siege. Beim Finale der Electronic Sports League geht es letztlich um 165.000 Euro – für Motivation ist aber auch beim Ligaspiel in der Luise-Albertz-Halle in Oberhausen gesorgt.
Der Dortmunder hat sein Schaffen als eSportler einst mit der klassischen Version „Counter-Strike 1.5“ begonnen - und liebt dort die Herausforderung. „Ich wollte immer der Beste sein“, sagt er. Das Engagement vor dem Monitor hat sich für ihn schon jetzt ausgezahlt. Heute spielt er Counter-Strike:Source in der höchsten Spielklasse des eSports - der ESL Pro Series.
Vier bis sechs Stunden sitzt der Student dafür täglich vor dem Rechner. Trainingseinheiten, die bei den Profi-Daddlern wie selbstverständlich dazugehören. Dennoch: Der 20-Jährige setzt klare Prioritäten: „Das Studium geht vor!“ Latein und Geschichte auf Lehramt lautet sein Ziel. Der elektronische Sport bleibt ein Hobby.
Dauerthema "Killerspiele" bleibt aktuell
Sein Karriereverlauf klingt nicht ungewöhnlich. „Mit Lan-Partys hat alles angefangen, ganz klassisch – jetzt spiele ich für den Clan Team Thermaltake“. Mit diesen Jungs geht es auf Achse. In Oberhausen treten sie gegen den Clan hoorai an. Doch diesmal läuft für Thermaltake nicht viel zusammen. Die lautstark begleitete Counter-Strike:Source-Partie geht mit 4:16 verloren. 1000 Zuschauer verfolgen das Match – applaudieren bei gelungenen Spielzügen.
Der Shooter muss wie schon seine Vorgängerversionen immer wieder herhalten, wenn Kritiker das leidige Schlagwort „Killerspiel“ bemühen - wenn ein Amoklauf eines Jugendlichen die Öffentlichkeit erschüttert. Wen wundert es da, dass das Thema auch im bayrischen Wahlkampf aktuell bleibt.
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