Absage nach Kritik: Kein Counter-Strike in Karlsruhe
27.05.2009 | 06:40 Uhr 2009-05-27T06:40:00+0200
Karlsruhe. Eigentlich sollten sich die besten Counter-Strike-Spieler in der Bundesliga für Computerspiele in Karlsruhe messen. Doch einen Kräftevergleich gab es nur auf der politischen Bühne. Gemeinderatsmitglieder sahen den Jugendschutz in Gefahr. Nun sagte der Veranstalter den Spieltag selbst ab.
Die Electronic Sports League (ESL) wollte beim Intel Friday Night Game neben „Counter-Strike“ und „Counter-Strike: Source“ auch Begegnungen des Strategie-Spiels „Warcraft 3“ austragen. Bis zu 1500 Zuschauer verfolgen die Live-Spieltage, bei denen es wie beim klassischen Sport um Punkte und Meisterschaften geht. Der Shooter „Counter-Strike“ ist bei den Fans besonders populär - und immer wieder im Fadenkreuz der Kritik, wenn es um die Killerspiel-Diskussion geht.
Veranstalter möchte sich nicht instrumentalisieren lassen
Nachdem bereits in Stuttgart und Nürnberg die Live-Spieltage nach Bedenken der Politik unmittelbar nach dem Amoklauf von Winnenden abgesagt werden mussten, zog der Veranstalter in Karlsruhe selbst die Reißleine. „Wir haben den Eindruck im Karlsruher Kommunalwahlkampf instrumentalisiert zu werden“, sagt ESL-Geschäftsführer Ralf Reichert.
Dabei verlief die Diskussion über den Jugendschutz in Karlsruhe diesmal eher ungewöhnlich. Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) stand vor allem Kritik aus den eigenen Fraktion gegenüber, die auf eine Absage der Veranstaltung drängte. Fenrich hingegen hatte sich für eine offene Diskussion über Computerspiele ausgesprochen. Im Zuge des Live-Spieltags sollte auch eine „Eltern-LAN“ veranstaltet werden. Dieses Programm, das von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt wird, ermöglicht Eltern aktuelle Spiele ihrer Kinder kennenzulernen und über Inhalte zu diskutieren.
Dieser Dialog kommt nun nicht zustande. Die Veranstaltung, die vom ESL-Betreiber Turtle Entertainment mit initiiert wird, wurde ebenfalls abgesagt. Am Montagabend informierte ESL-Geschäftsführer Ralf Reichert Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Dabei nannte Fenrich die „polarisierte Stimmungslage in der Karlsruher Bevölkerung“ als Grund für die Absage des Spieltags.
Dringlichkeitssitzung des Gemeinderats
Damit kam die Electronic Sports League einer Dringlichkeitssitzung des Gemeinderates zuvor, der am Dienstagnachmittag über die Veranstaltung beraten sollte. „Damit kommt eine wichtige öffentliche Diskussion und Abstimmung im Gemeinderat nicht zustande“, sagte Fenrich. Gerne hätte er diese notwendige Auseinandersetzung um einen verantwortungsvollen Umgang gerade mit problematischen Computerspielen im Gemeinderat gesehen. „Die Veranstaltung ist vom Tisch, das Thema aber bleibt“, so das Stadtoberhaupt.
Die Veranstaltung sei ein Teil der Jugendkultur. „Ob man solche Spiele nun mag oder nicht – auch ich stehe ihnen äußerst kritisch gegenüber: Es gibt sie und sie werden von ganz vielen jungen Menschen genutzt“, sagte Fenrich.
Bei der Electronic Sports League zeigt man sich enttäuscht von den neuerlichen Querelen. „In der technologiefreundlichen Stadt Karlsruhe hätten wir einen solchen Umgang nicht erwartet", sagt Ralf Reichert. „Wir bedauern, dass eine Veranstaltung, die seit Jahren Ausdruck zeitgenössischer Jugendkultur ist, regelmäßig in 16 deutschen Großstädten gastiert und selbstverständlich unter Beachtung des ohnehin europaweit schärfsten Jugendschutzes durchgeführt wird, die Karlsruher Kommunalpolitik mit anhaltenden Diskussionen bestimmt. Es wird deutlich, dass die große Distanz zu unserer Jugend und den neuen Medien einen schweren Generationskonflikt offen legt.“
Eltern-LAN soll nachgeholt werden
Die Eltern-LAN soll nach Aussage des Oberbürgermeisters nachgeholt werden. „Wir werden im Gespräch mit der Bundeszentrale für politische Bildung abklären, wann und wie die abgesagte Eltern-LAN in städtischer Regie stattfinden kann. Turtle Entertainment hat seine logistische Unterstützung für diesen Fall zugesagt.“
Der Live-Spieltag der Electronic Sports League dagegen wird wohl nicht vor Publikum nachgeholt. „Es läuft alles darauf hinaus, dass die Begegnungen nun offline ausgetragen werden“, bestätigte die ESL gegenüber DerWesten. Bereits Mitte Juni finden die Finalspiele in Köln statt. Dann kämpfen die Teams um 130.000 Euro Preisgeld.
21:21
Geht Wählen!
Allen durch diese Entscheidung Betroffenen oder Aufgeregten kann ich nur raten wählen zu gehen!
Der Event wäre ja erst ab 18, also sind das alles Wähler! Wer von den Leuten die sich hier aufregen über 18 ist sollte wählen gehen und eben der CDUSPDCSU eine klare Absage erteilen!
21:20
lamentiert hier nicht so herum:
Geht Wählen!
Allen durch diese Entscheidung Betroffenen oder Aufgeregten kann ich nur raten wählen zu gehen!
Der Event wäre ja erst ab 18, also sind das alles Wähler! Wer von den Leuten die sich hier aufregen über 18 ist sollte wählen gehen und eben der CDUSPDCSU eine klare Absage erteilen!
09:35
Den Dialog mit den Kritikern zu schaffen wäre definitiv schon ein großer Erfolg denn der Großteil der Kritiker hat zwar keine Ahnung von Computerspielen aber trotzdem eine negative Meinung. Bei der Auseinandersetzung ist es schwer die Kritiker zu überzeugen da deren Abneigung einfach auf Unverständniss, und der schlichten Weigerung des Verstehens gründet. Und wer nicht bereit ist sich etwas erklären zu lassen ist auch völlig resistent gegen jede Einsicht. Daher wäre es tatsächlich ein riesen Schritt in die richtige Richtung einen echten Dialog mit dem Kritikern zu schaffen - Denn bisher erreichen unsere Argumente die Gegenseite nichtmal.
Die Absage des Events bevor offizielle Stellen es verbieten konnten war wahrscheinlich nicht die beste Alternative, letzten Endes kann es als Schuldeingeständniss ausgelegt werden, dass die Spielerszene zur Einsicht gekommen wäre. Und unter den Kritikern werden genug sitzen die sich die freiwillige Absage als eigenen Sieg verbuchen. Ich befürchte das man damit ein falsches Signal gegeben haben könnte.
Auch im Rahmen solcher Veranstaltungen aber auch verstärkt im Alltag sollte die Computerspielerszene viel mehr auf Auf- bzw. Erklärung setzen um die Medien- und Politikererzeugte Vorurteile wenigstens richtig zu stellen. Dabei geht es ja nicht darum die Leute selber zum Spielen zu animieren aber wer seine aus der Medienkonserve adaptierte Meinung reflektiert wird vielleicht merken, dass auch PC Spieler durchaus gesellige Menschen sind die eben nicht immer die Einsamkeit vor der Mattscheibe suchen sondern im Idealfall ihr Sozialleben um eine weitere Komponente erweitert haben.
09:07
Ich selber spiele zwar kein Counter Strike, bin aber der Meinung, dass hier wieder ein typischer Fehler gemacht wird.
Man sucht nach einem Grund für Amokläufe, aber nicht nach den Ursachen. Aber nur, wenn man die Ursachen kennt kann man Amokläufe wirksam verhindern.
Das Computerspiel an sich kann meiner Meinung nach aber nicht der Grund und auch nicht die Ursache für einen Amoklauf sein.
Denn sonst müssten ja alle Spieler dieses Spiels mit Waffen durch die Gegend laufen, was ich persönlich bezweifeln möchte.
Also wieder nur heiße Luft von der Politik. Reiner Populismus.
08:48
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08:45
Diese weltfremden Politiker sind langsam nicht mehr zu ertragen. Hoffentlich gibt es die Quittung bei den nächsten Wahlen, aber wenn die Uninformierten der älteren Generationen nicht noch in der Überzahl wären, würden diese unschuldigen und absolut harmlosen Säue gar nicht erst durchs Dorf getrieben. Es ist aber natürlich auch schön für die unfähigsten aller Politiker, wenigstens so zu tun, als könnten sie damit irgendetwas erreichen, was in Zukunft alle Amokläufe verhindert.
23:15
Was will man von Internetausdruckern erwarten? Etwa Medienkompetenz?
20:55
Eigentlich traurig, dass man am liebsten solche soziale Events verbieten möchte.
Stimmt.
Da die Amokläufer im Normalfall zurückgezogene, menschenscheue Personen sind, symbolisiert das Vorgehen gegen die LAN-Party Veranstaler wie dumm die Politiker eigentlich sind.
20:00
Menschen, die Counter Strike ligamäßig spielen, laufen bestimmt nicht Amok, sie spielen in Teams, nach taktischen Gesichtspunkten und suchen bewußt die Gesellschaft anderer Menschen. Passt alles nicht ins Profil von Amokläufern.
Die Gelegenheit zum Dialog mit Eltern wäre gut gewesen.
19:34
Solch eine Entscheidung ist echt schizophren. In NRW z.B. gibt es ca. 5600 feste Schießstände und davon allein 160 in SCHULEN! Solche Zahlen sind aber nicht zentral erfasst, nur eine Schätzung. Morgens Bio, abends ballern !!!