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"007 Legends" erzählt alte Bond-Filme in Spiele-Form

30.10.2012 | 08:45 Uhr
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Die totale Entfremdung: Der virtuelle Daniel Craig träumt sich in "007 Legends" durch die Abenteuer seiner Vorgänger. Für ein böses Erwachen sorgt das lieblos inszenierte Geschehen.

Man könnte auf den 50. von James Bond stilecht mit einem Martini anstoßen - drei Teile Gordon's, ein Teil Wodka, ein Schuss Kina-Lillet, geschüttelt mit Eis und einem Streifen Zitronenschale dazu. Oder sich die Wartezeit auf den neusten Kinofilm "Skyfall " (Start: 1. November) mit der Jubiläums-Edition vertreiben, die alle 22 Abenteuer auf Blu-ray enthält. Nur vom Spiel "007 Legend s" sollte man vielleicht die Finger lassen ...

Der von Activision entwickelte PS3- und Xbox-360-Titel ist eine zusammenhangslose Aneinanderreihung von Einsätzen, die sich grob an den Filmen "Goldfinger", "Stirb an einem anderen Tag", "Moonraker", "Lizenz zum Töten" und "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" orientieren. Nach fünf bis sechs Stunden ist bereits Schluss. Erst am 9. November soll sich eine weitere Mission aus "Skyfall " als kostenloser Download hinzugesellen und sich der Kreis schließen. Denn wie der aktuelle Kinofilm beginnt auch das Spiel mit jener Szene auf dem Zug, in der Bond angeschossen wird und tief fällt.

Lieblose Inszenierung

Alles, was folgt, spielt sich im Kopf des Geheimagenten ab. Bond, virtuell verkörpert von Daniel Craig und gesprochen von dessen deutscher Synchronstimme, träumt in "007 Legends", wie er Goldfingers "Operation Grand Slam" vereitelt, mit Pussy Galore flirtet, Blofeld durch die Alpen jagt, den Beißer verprügelt oder mit einem Aston Martin übers Eis rast.

007 Legends

Klingt abwechslungsreich, ist es aber nicht. "007 Legends" erweist sich über weite Strecken als äußerst simpel gestrickte Ballerei mit ideenlosem Aufbau, betagter Grafik und dürftiger bis liebloser Inszenierung. Die meiste Zeit über schießt man alles über den Haufen, was sich Bond innerhalb der engen Level-Korsetts in den Weg stellt. Schweigen ausnahmsweise die Waffen, sprechen in kleinen, als Schlägereien getarnten Reaktionsstests die Fäuste oder kommt Bonds Smartphone zum Einsatz. Mit dem Alleskönner scannt er nach Fingerabdrücken oder hackt sich per Minispiel in fremde Computer - egal, in welcher Ära der jeweilige Film gerade angesiedelt ist. Die totale Entfremdung? Ist schließlich alles nur ein böser Traum.

Modernes oder klassisches Shooter-Gameplay

Beim Infiltrieren von Basen ist prinzipiell ein lautloses Vorgehen möglich. Leider werden alle Bemühungen und Bond-Gadgets hinfällig. Hinterrücks niedergeschlagene oder per Betäubungspfeil ausgeschaltete Wachen lassen sich nicht in dunkle Ecken zerren und geraten irgendwann ins Blickfeld ihrer verdutzten Kollegen. Die drücken - so unbeholfen sie auch sonst agieren mögen - prompt auf den Alarmknopf - schon kommt's wieder zur wilden Schießerei. Immerhin: Eingangs hat man die Wahl zwischen modernem und klassischen Shooter-Gameplay. Bedeutet in diesem Fall, dass man nach kurzer Zeit automatisch verlorene Lebenspunkte zurückgewinnt oder zwischendurch fleißig Medipacks und Rüstungen einsammeln darf.

Momente, in denen man sich hinter das Geschütz eines Helikopters klemmt, fehlen in "007 Legends" ebenso wenig wie wilde Ritte mit Snow-Bikes, Skiern und Autos. Letzte steuern sich jedoch derart träge, dass man froh ist, dass Entwickler Eurocom nicht allzu viele dieser Einlagen eingebaut hat.

Zusammenhangslose Inszenierung

Spielebewertung
007 Legends

Hersteller: Eurocom
Vertrieb: Activision Blizzard
Genre: Action
Preis: ca. 60 Euro
Schwierigkeit: Fortgeschrittene
Alter: ab 16 Jahren

Bewertung
Grafik: befriedigend
Steuerung: befriedigend
Sound: gut
Spielspass: ausreichend
Gesamt: ausreichend

Zwischen all den kleinen und großen Macken, die "007 Legends" besitzt, gehen das motivierende Erfahrungspunktesystem, das den Spieler mit Gesundheitsboni oder zusätzlichen Waffenteilen belohnt, der halbwegs gelungene Mehrspielermodus und die gelungene Soundkulisse nahezu völlig unter.

Fazit: Die mäßige Technik, die Verfremdung der Klassiker durch die wohl lizenzbedingte Zwangsmodernisierung, die uninspirierten Level-Aufbauten, die zusammenhangslose Inszenierung und das wenig durchdachte Spielkonzept, das unentschlossen zwischen Action und Schleicheinlagen hin- und herpendelt, lassen nur einen Schluss zu: "007 Legends" musste einfach zum Kinostart von "Skyfall" in den Läden stehen. Für ein Jubiläumstitel die gänzlich falsche Herangehensweise. (_teleschau - der mediendienst)

 

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