Mit Heavy Rain auf der Jagd nach dem Kindermörder
26.02.2010 | 10:15 Uhr 2010-02-26T10:15:00+0100
Vergesst alles, was ihr bisher an Spielerfahrungen gesammelt habt, denn "Heavy Rain" übertrifft diese um einiges. Entwickler Quantic Dream zeigt nach "Fahrenheit" erneut, dass man grandiose Unterhaltung auch fernab von typischen Gameplay-Mechanismen schaffen kann.
Viele Spiele wollen die Barriere zwischen Film und Videospiel überwinden und den gewaltigen Sprung auf eine neue Entertainment-Stufe meistern. Viele Spiele schaffen es nicht oder nur teilweise. Wenn man genau überlegt, ist es keinem Spiel wirklich gelungen – bis jetzt. Und im Grunde erfährt man erst jetzt, wie weit die bisherigen Spiele von diesem Ziel entfernt sind. "Heavy Rain" zeigt uns, wie man dieses Genre definieren muss. Entwickler Quantic Dream hat nicht zum ersten Mal versucht, diese Hürde zu nehmen. Im Jahre 2005 machte "Fahrenheit" mit genau demselben Ziel auf sich aufmerksam. Es war der erste wirkliche Versuch, einen Titel als interaktives Videospiel zu präsentieren.
Die Definition von Heavy Rain
Auch wenn dieses Genre eher negativ für Spiele ausgelegt wurde, entsteht durch Spiele wie "Heavy Rain" ein Genre, das diesen Namen zu Recht und bedingt durch einen hohen Qualitätsanspruch trägt. Spiele wie Fahrenheit und "Heavy Rain" bringen uns nicht nur dazu, neue Definitionen zu finden, sondern eröffnen uns auch völlig neue Erfahrungen. "Heavy Rain" kommt in diesem Fall dem interaktiven Film schon sehr nahe. Wir erleben Dinge, die unter die Haut gehen, und sind dennoch eher Zuschauer. Es wird, anders als sonst, reagiert und nicht wirklich agiert. Vor uns läuft ein Film, dessen Ablauf wir selbst steuern können. Wie er endet, liegt dagegen nicht direkt in unserer Hand, aber wir können es zumindest beeinflussen. Hier wird nicht geballert oder von einem Polygon auf das nächste gehüpft, in "Heavy Rain" sehen wir zu und drücken zum angesagten Zeitpunkt den richtigen Knopf – oder eben auch nicht.
Sind wir dafür aber überhaupt empfänglich? In einer Unterhaltungssparte, die von Shootern und Rollenspielen dominiert wird, bleibt kaum Platz für ein Spiel, das nur durch Quick-Time-Events gesteuert wird. "Heavy Rain" ist in seiner ganzen Aufmachung auch kein Spiel für Freunde des gepflegten Ballerns und bietet dennoch mehr spielerische Qualität als ein "Modern Warfare 2" - von der Story mal ganz abgesehen.
Tief durchatmen
Diese ist ebenfalls nichts für Zartbesaitete. Gesucht wird ein Kindermörder, der kleine Jungen ertränkt und sie an ekelhaften Orten versteckt. Die einzigen Zeichen sind eine Orchidee auf der Brust und eine Origami-Figur in der Hand des Opfers, was dem Täter bald den Namen Origami-Killer einbringt. Als eines Tages der Junge Shaun Mars entführt wird, ist schnell klar, dass es sich auch hier um den Origami-Killer handelt. Seinem Vater Ethan Mars bleibt daraufhin nicht viel Zeit, um seinen Sohn lebend wiederzubekommen. Der Killer selbst gibt ihm Hinweise darauf, wo er Shaun finden kann. Diese sind jedoch alle mit unmenschlichen Aufgaben verbunden, die fast schon Ausmaße eines SAW-Filmes annehmen.
Unabhängig davon untersuchen noch drei weitere Personen den Fall. FBI-Agent Jayden, der Detektiv Shelby und die Fotografin Madison - alle mit ihren eigenen Motiven und Problemen. "Heavy Rain" fängt langsam an, erklärt die Umstände und schiebt einen dann immer weiter in eine Welt voller Unwetterwolken und am Ende in den wortwörtlichen Dauerregen. Denn dieser ist ein elementares Ausdrucksmittel im Spiel und sorgt für noch mehr Melancholie. Diese Gegebenheiten aufzuschreiben, das ist wesentlich leichter, als sie im Spiel zu durchleben. Jeder kennt vielleicht das Gefühl, einen Film zu sehen und dem Helden, der gerade im Begriff ist, dem Mörder direkt in die Arme zu laufen, ein Wort der Warnung zuzurufen. Drückt man jetzt die richtige Taste, kann man den Helden vielleicht noch aus dem brennenden Auto retten - oder ihn einfach sterben lassen, wenn man die falsche Entscheidung trifft.
Anspannung und Hektik sind fast immer ein ständiger Begleiter, und das macht "Heavy Rain" zu einer Spielerfahrung, wie sie bisher selten einem Spieler präsentiert wurde. Nicht weil man unter Dauerbeschuss steht, sondern einfach, weil man das Leben des Charakters erhalten möchte. Zu allem Überfluss gibt es ja auch noch einen Killer und den Sohn von Ethan Mars, der entweder gefunden wird oder nicht. Wie erfolgreich unsere Suche ist, hängt auch von der eigenen Cleverness ab. Doch selbst bei genauer Tastenkombination müssen unsere Protagonisten schon ziemlich leiden.
Ungetrübtes Spielerlebnis
Infos
Entwickler: Quantic Dream
Publisher: Sony Computer Entertainment
Release: 26. Februar 2010
Plattform: PlayStation 3
USK-Freigabe: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG.
Damit sei auch eines gleich ganz klar gesagt: "Heavy Rain" ist Unterhaltung für Erwachsene und jene, die sich von einem filmreif inszenierten Spiel unterhalten lassen wollen. Auf technischer Ebene gibt es Lob und Tadel zugleich – wenn auch auf hohem Niveau. Optisch gibt das Spiel einiges her, der viele Regen und das Wasser sind fast schon eine protzige Kampfansage an die ganzen Konkurrenten auf dem Markt. Auch wenn die Ladezeiten vielleicht etwas länger als gewohnt sind, ist das zu verschmerzen, da weder während der Cutscenes im Level noch während der interaktiven Ausführungen Ruckler entstehen oder weitere Ladezeiten gebraucht werden.
Obwohl die Levels allesamt recht kurz gehalten sind, passiert relativ viel in diesen Abschnitten. Der Handlungsspielraum bleibt jedoch sehr stark auf die aktuellen Levels beschränkt. Hier kann man sagen: Freiheiten ja, aber nur im Rahmen der Levelmöglichkeiten. Trotz der nahezu perfekten Umsetzung kam es auf manchen Systemen zu zitterigen Zwischensequenzen vor dem eigentlichen Levelstart. Das ist in der Tat etwas, was man von einem Produkt wie "Heavy Rain" nicht erwarten sollte.
Zudem gibt es manchmal Texturen, die erst später nachladen - ein Schönheitsfehler, den man auch bei Spielen wie "Uncharted 2" oder "Borderlands" beobachten kann. Mit der Steuerung könnte es ebenfalls Eingewöhnungsprobleme geben: Mit R2 wird gelaufen und auch darüber hinaus gibt es dank Six-Axis-Controllers einige Neuerungen. Aufgrund des seichten Einstiegs kommt man dennoch schnell ins Spiel. Das mag anfangs vielleicht etwas hölzern aussehen, ist am Ende jedoch gut umzusetzen.
Trotz dieser Einwürfe kann man Quantic Dream und Sony nur zu diesem Spiel gratulieren. Sie haben etwas geschaffen, an dem sich alle Entwickler mit ähnlichen Ansprüchen messen lassen müssen. "Heavy Rain" ist großes Kino auf der PlayStation 3 – bitte mehr davon, Quantic Dream, oder von allen, die sich dazu berufen fühlen.
Weitere Themen:
12:29
Ach Claud, kennst du nur eine Art der Unterhaltung? Hast du denn schon mal ein Videospiel gespielt oder bist Ski gelaufen oder oder oder? Es gibt so viele Arten der Unterhaltung und warum solltest du darüber werten?
22:17
Unglaublich womit die Menschen sich unterhalten. Habt Ihr schon mal ein Buch gelesen????
11:49
Fahrenheit hat mir schon sehr gut gefallen, Heavy Rain interessiert mich sehr.
Eine PS3 steht bei mir allerdings nicht auf der Einkaufsliste.
Ist eigentlich schon kommuniziert worden, wie exclusiv der Titel an die PS3 gebunden ist ?
Kann man auf eine PC Version, zu einem späteren Zeitpunkt hoffen?
16:30
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16:29
@5 Testsieger:
Tja, das Spiel hat ja zig verschiedene Enden, je nach Deinen Entscheidungen, deswegen werde ich nochen paar Sachen ausprobieren um auch noch andere Enden zu sehen, somit hat das Ganze auch noch einen hohen Wiederspielfaktor zumal man nachdem Durchspielen auch später einsteigen kann und nicht ganz von vorn beginnen muß.
MfG
www.testpott.de
11:48
Jau testpott, wennes schon durchgedaddelt hast, kannstes mir ja mal leihen.... ;)
BWG
10:35
@#3 Das ist natürlich absolut richtig. Der Vertipper wird korrigiert.
10:27
Hallo Nicole,
böser Schnitzer in Eurer Beschreibung(Info Kasten):
Das Spiel hat eine USK Freigabe ab 16 NICHT schon ab 12!
09:33
Moin,
ich habs schon durchgespielt, finde es absolut spielenswert und die Atmosphäre des Titels ist superb!
09:32
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