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Medal of Honor: Taliban im Fadenkreuz

22.10.2010 | 14:59 Uhr
Medal of Honor: Taliban im Fadenkreuz

Realismus – dieser Begriff in Verbindung mit Shootern sorgte schon immer für Probleme. Das ist auch bei "Medal of Honor" nicht anders. Wenn greifbare Themen wie der Krieg in Afghanistan eingebunden werden, muss das Spiel einem Anspruch gerecht werden, den es eigentlich doch gar nicht haben darf.

So war es fast schon eine kleine Provokation, dass sich die Entwickler von "Medal of Honor" für einen realitätsbezogenen, aktuellen Schauplatz entschieden. Wenn es in Militär-Shootern ausnahmsweise mal nicht um den Zweiten Weltkrieg geht, dann werden häufig nur fiktive Ereignisse als Hintergrundgeschichte herangezogen. Dass es politisch korrekter sein soll in Absurdistan zu kämpfen, als im Brennpunkt Afghanistan, hinterfragt eigentlich dann kaum jemand. Im Vorfeld mussten sich die Entwickler DICE und Danger Close zusammen mit Publisher EA streckenweise mehr mit den Protesten als mit der Entwicklung auseinandersetzen. Die PR lief dadurch schon fast von alleine. Auch Modern Warfare 2 bediente sich dieser Art von Öffentlichkeitsarbeit. Ob gewollt oder versehentlich, in beiden Fällen kamen die Spiele ins Gespräch.

Viel Lärm um nichts?

Info
Medal of Honor

Infos

Publisher: Electronic Arts

Entwickler: DICE

USK-Freigabe: Freigegeben ab 18 Jahren

Release: 14. Oktober

Plattformen: PS3, Xbox 360, PC,

Offizielle Webseite

Am Ende fragen wir uns: War es einfach nur viel Lärm um nichts? Selbstverständlich wollen die Entwickler keine Kriegsopfer oder deren Angehörige verletzen und natürlich auch ein Spiel veröffentlichen, das den Shooter-Fan begeistert. Zwei Komponenten, die nur sehr schwer zu vereinen sind. Stellt man "Medal of Honor" und "Modern Warfare 2" gegeneinander auf, so setzt "Medal of Honor" deutlich weniger auf schockierende Momente. "Medal of Honor" kann man inhaltlich nicht unbedingt die gleichen Vorwürfe machen wie "Modern Warfare 2". Der eigene Charakter muss nicht zusehen, wie er verbrannt wird oder Zivilisten erschossen werden. Dafür bekommt man jedoch fast schon eine Art Jagdtrieb aufgezeigt. Die US-Armee will die „Bösen“ ausrotten, dabei stachelt man sich untereinander mit Parolen wie „Waidmanns Heil!“ an. Da sich EA für die Authentizität Experten aus eben diesen Armeen geholt hat, muss man also auch glauben, dass es wirklich so vor sich geht.

Spielerisch läuft es anfangs relativ unspektakulär ab. So sehr man sich auch über "Modern Warfare 2" und seine harten Szenen aufregen mag, sie sorgten dafür, das die schnöde Ballerei nicht wirklich in den Vordergrund trat. In "Medal of Honor" wird der Spieler nicht derart durch die Level gescheucht und kann sich auch mal einige Sekunden Zeit nehmen, die grafisch tatsächlich sehr gut gelungenen Settings zu begutachten. So schießt man sich aber anfangs mit recht gesichtslosen Charakteren von Basis zu Basis und muss sich aufgrund des fehlenden Deckungssystems streckenweise sehr vorsichtig verhalten. Das trägt vielleicht zum Realismus bei, kann doch reichlich nerven. Wenn wir im Vergleich dazu die Teamkollegen und ihre eleganten Schleichbewegungen sahen, hätten wir das auch gerne in manchen Situationen angewandt. Nach den ersten drei Kapiteln gewinnt das Spiel dann endlich mehr an Abwechslung und auch die Figuren sind nicht mehr nur Namen, die neben einem herlaufen. Der Geschichtsstrang zieht sich zwar strikt linear, ist aber durchaus spannend erzählt.

Gut gedacht

Insgesamt betrachtet geht "Medal of Honor" mit dem brisanten Thema fraglos gut um, unserer Meinung nach sogar besser als Activision damals mit "Modern Warfare 2". Klar gibt es brutale Szenen, doch sie werden in "Medal of Honor" nicht so ausgeschlachtet und zelebriert. Hat es "Medal of Honor" etwas gebracht, die Taliban im Multiplayer-Modus in Opposing Force umzubenennen? Vielleicht in den Augen derer, die auch denken, das Shooter Menschen so sehr beeinflussen können, dass sie aufgrund von "Medal of Honor" mit den Taliban sympathisieren oder ihre Religionsmeinung darüber ausfechten wollen. Ob eine bloße Namensänderung die Lösung ist, muss jeder für sich beantworten.

"Medal of Honor" hat zwei Dinge sehr gut umgesetzt: Es hat zum einen ein aktuelles, brisantes Thema zum Gegenstand eines umstrittenen Genres gemacht, ohne dabei geschmacklos zu werden. Zum anderen zeigt es auch auf Kosten spektakulärer Sequenzen, dass man eine empfindliche Materie eben auch vielleicht etwas anders angehen sollte. Mit der Inszenierung eines "Modern Warfare 2" kann es daher nicht mithalten. DICE hätte weitaus mehr Potenzial gehabt, um noch zu zeigen, wie gut die Games-Branche kritische Stoffe behandeln kann. "Medal of Honor" bleibt jedoch ein Shooter, der unterm Strich mit einer packenden Atmosphäre und mit abwechslungsreichen Spielelementen im weiteren Verlauf punkten kann.

Weitere Themen:

Medal of Honor: Taliban im Fadenkreuz

Nicole Lange

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Kommentare
22.10.2010
19:00
Blockierter Kommentar.
von profikopfschuettler | #2

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22.10.2010
18:30
Blockierter Kommentar.
von profikopfschuettler | #1

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