Anzeige

Papst Franziskus betreibt eigene Lotterie im Vatikan

Papst Franziskus trennt sich über eine Lotterie von Gegenständen aus seinem Besitz.
Papst Franziskus trennt sich über eine Lotterie von Gegenständen aus seinem Besitz.
Foto: Sven Hoppe/Archiv
Was wir bereits wissen
Der Vatikan hat neuerdings eine Lotterie, bei der man Besitztümer des Heiligen Stuhls gewinnen kann. Der Erlös geht an Bedürftige und Obdachlose.

Vatikan/Waltrop.. Das Glück ist ein merkwürdiges Konstrukt. Fast jeder vertraut darauf, doch woher es kommt, da ist sich niemand so richtig sicher. Beim Lottospielen geht es, ganz klar, um den Zufall – also darum, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Zahlen anzukreuzen. Viele Gläubige vertrauen aber auch auf eine gütige Hand: Der liebe Gott wird schon dafür sorgen, dass ich genug Glück im Leben habe.

Dass sich beides miteinander vereinen lässt, zeigen nun zwei Geschichten aus der katholischen Kirche: Eine direkt aus dem Zentrum der heiligen Macht, eine aus einer Kleinstadt im nördlichen Ruhrgebiet. Das Glück ist eben überall zu finden.

Neue Einnahmequellen für soziale Projekte

Frischer Wind ist sein Markenzeichen: Seit Papst Franziskus in den Vatikan eingezogen ist, hat sich so manches verändert im Kirchenstaat. Gerne überrascht der Heilige Vater auch mal mit unkonventionellen Ideen. Sein aktueller Coup: eine Lotterie, in der persönliche Besitztümer des Papstes zu gewinnen sind. Zum Auftakt gibt’s als Hauptpreise einen Fiat Panda in päpstlichem Weiß, drei Fahrräder und sogar ein Tandem zu gewinnen.

Bevor Missverständnisse aufkommen: Benutzt hat Papst Franziskus alle diese Gegenstände nicht unbedingt – allerdings sind es persönliche Geschenke, die er in den vergangenen Monaten erhalten hat, zum Beispiel auf einer seiner Auslandsreisen. Selbst ein Papst braucht nicht drei oder mehr Fahrräder gleichzeitig. Also trennt sich der Heilige Vater von den Präsenten. Und das natürlich für den guten Zweck: Der Erlös soll dem vatikanischen Caritas-Fonds für Bedürftige und Obdachlose zugute kommen. Ob aus der „Lotterie des Papstes“ eine feste Institution wird? Man wird es sehen. In jedem Fall zeigt es Einfallsreichtum, neue Einnahmequellen für soziale Projekte zu eröffnen.

Gottesdienst in der Annahmestelle

An einem Gewinnspiel teilnehmen und damit zugleich Gutes tun – das ist eine überzeugende Idee. Allerdings auch eine, die durchaus bekannt ist. Allein der Deutsche Lotto- und Totoblock mit seinen Lotterien wie etwa LOTTO 6aus49 oder der GlücksSpirale schüttet jährlich rund 2,8 Mrd. Euro für gemeinnützige Zwecke aus. 653 Mio. Euro gehen auf WestLotto zurück und kommen damit dem Gemeinwohl in Nordrhein-Westfalen zugute. Jeder LOTTO-Spielschein hilft somit, Sport, Kultur und Soziales in NRW zu unterstützen. Und damit ein Stück Lebensqualität für alle zu sichern.

Dass sich Lotto und Kirche auch in Deutschland gut verbinden lassen, zeigte sich übrigens Anfang November im Kreis Recklinghausen: Unter dem Motto „Kirche in der Stadt“ werden im nächsten halben Jahr sechs katholische Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten in Waltrop abgehalten – und der Auftakt fand in einer WestLotto-Annahmestelle statt! „Das Thema wird der jeweiligen Lokalität angepasst sein“, kündigte Fabry an. Damit wolle er deutlich machen, dass die Kirche ihren Platz nicht nur innerhalb der Kirchenmauern hat, sondern mitten im Leben sein will. Das passende Thema des Lotto-Gottesdienstes: „Sein Glück versuchen.“ Klar, dass es auch in der kurzen Predigt um Glück ging. 95 Millionen Einträge zum Begriff „Glück“ habe er ergoogelt, erklärte Pfarrer Clemens Fabry, 106 Millionen habe der Gegenversuch mit „Pech“ ergeben. „Gott sei Dank waren es auch 141 Millionen Treffer bei ‚Gott’“, so der Geistliche. Er selbst habe jedenfalls die allerglücklichsten Menschen dort gesehen, wo man es nicht erwartet hätte: Das waren Kinder im Slumviertel von Ghanas Hauptstadt Accra.

Als es dann an die Fürbitten ging, stimmte Clemens Fabry diese ebenfalls auf die Umgebung ab. Er bat für diejenigen, die jede Woche ihren Lottoschein abgeben – aber auch für alle, die ihrem Glück hinterherjagen und dabei nicht sehen, dass es vor der Haustür liegt.