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Juni: Ein Monat der Skandale

26.06.2008 | 12:00 Uhr
Juni: Ein Monat der Skandale

Da verkaufen uns Entwickler alte Fotos als brandneu, Adventurespiele werden mit geklautem Inhalt vollgestopft und andere wiederum beschweren sich (inoffiziell) über schlechte Bewertungen. Was ist denn da nur los?

Dieser Monat war wirklich kein Glanzstück für die Games-Branche. Der Juni war ein Sammelsurium an krummen Ereignissen auf beiden Seiten.

Beispiel 1: Das Adventure mit geklautem Inhalt

Oder einfach: Limbo of the Lost. Nein, die Entwickler haben mit diesem Point&Click Adventure wirklich keine Glanzleistung abgegeben. Genauso schlecht wie der Trailer zum Spiel war auch der Versuch unbemerkt Settings aus bekannten Spielen zu kopieren. Dabei benutzen die drei Entwickler Steve Bovis, Tim Croucher und Laurence Francis derart dreist bereits vorhandene Locations und Gameplay-Elemente, dass es einem die Schamesröte ins Gesicht treibt. Dafür begnügte man sich nicht nur mit ein oder zwei Spielen, mittlerweile konnte man Ähnlichkeiten aus "Diablo 2", "Crysis", "Thief: Deadly Shadows", "The Elder Scrolls 3: Morrowind", "Painkiller", "Vampire: The Masquerade - Bloodlines", "Silent Hill 4", "World of Warcraft" und sogar Szenen aus den Filmen "Spawn" und "Pirates of the Caribbean: Am Ende der Welt" nachweisen. Das sind zehn Titel, die sich die Entwickler als „Vorbild“ genommen haben.

Wer da noch an einen unglücklichen Zufall glaubt, der denkt wahrscheinlich auch noch, dass die Brüste von Pamela Anderson echt sind. Weder dem Publisher noch dem Entwickler seien diese Ähnlichkeiten aufgefallen. Aber kann ein ernstzunehmender Entwickler solche Spiele überhaupt nicht kennen, geschweige denn merken, dass die eigenen Level 100-prozentig (ungelogen) so aussehen, wie die der Originalspiele? In kreativen Kreisen kommt es hin und wieder einmal vor. dass man bereits gesehene Sachen im Kopf speichert und sie irgendwie mal wieder in eigene Werke einfließen lässt. Aber bei diesen Beispielen sah es so aus, als hätten die Entwickler einfach eine Schablone zugesteckt bekommen und es abgepaust.

Die Konsequenz folgte auf dem Fuße. Publisher Tri Synergy nahm das Spiel vom Markt und versuchte mit einem öffentlichen Statement die Umstände zu erklären. Alle waschen ihre Hände in Unschuld und keiner wusste was die drei Jungs aus England da eigentlich werkelten - auch kein gutes Aushängeschild. Die Geschädigten, deren Spiele widerrechtlich als Vorlage dienten, hüllen sich in verärgertes Schweigen. Zu diesen Bildern müsste man nichts mehr sagen, wird der PR-Manager von Bethesda ("Oblivon") zitiert. Eine Klage wird wohl wenig einbringen. Wenn die Entwickler bisher immer Projekte von der Qualität abgeliefert haben, werden die Drei ohnehin bald Insolvenz anmelden müssen.

Beispiel 2: Die „neuen“ Patchwork-Bilder

Wenn ein Publisher neue Bilder veröffentlicht, ist das gut. Wir sehen was sich so in der Entwicklungszeit getan hat. Schlecht ist hingegen, wenn die Bilder einem eher veraltet vorkommen. Die ersten Screenshots zum "Gothic 3"-Add-on "Götterdämmerung" waren für einige Fans eine Enttäuschung und so nahm man die Bilder genauer unter die Lupe. Die Fans kamen daraufhin zu dem Schluss, dass die Bilder alt waren. Zum finalen Höhepunkt kam es dann, als sich auch noch Ralf Marczinczik, Art-Director bei Piranha Byte, öffentlich zu Wort meldete und auf den Screens veraltete Elemente fand. Elemente die laut seiner Aussage noch vor dem Release von "Gothic 3" zur E3 veröffentlicht wurden. Zudem seien die Normalmaps invertiert. Bei JoWood kam diese Meldung nicht gerade gut an. Wer lässt sich schon gerne nach der Veröffentlichung neuer Screenshots sagen, dass diese uralt sind. JoWood widersprach den Vorwürfen nicht, versicherte aber, dass die Screenshots aus der aktuellen "Gothic 3" Add-On-Version stammen. Die anderen Vorwürfe könne man auf den momentanen Entwicklungsstand zurückführen.

Fakt ist: Es ist völlig normal, wenn während der Entwicklung und der Testphase alte Elemente als Platzhalter im Spiel dienen. Aber solche Screenshots werden dann normalerweise nicht veröffentlicht. Vielleicht ist JoWood aber einfach so unter Druck was diesen Titel angeht, dass man schon Bilder rausschickt, die man eigentlich nicht rausschicken sollte…

Beispiel 3: Der Bewertungsstreit der keiner war

Offiziell war es nur ein Missverständnis, das zu hoch gekocht wurde. Inoffiziell stellte ATARI alles auf die Beine um eine schlechte Bewertung von "Alone in the Dark" zu vermeiden. Im Falle von 4Players schlug das Online-Magazin zurück und veröffentlichte das Schreiben des Anwalts von ATARI. Dem Magazin wurde unterstellt, eine illegale Version getestet zu haben. Von Unterlassungsklagen und der Sperrung von Werbekampagnen war die Rede. Auch international sprachen viele Online-Spielemagzine über die Strategie, die ATARI gegenüber schlechten Bewertungen fuhr. Die Community ist mehrfach der Ansicht gewesen, dass die Magazine bei einer guten Wertung kein Wort von ATARI gehört hätten. Vielleicht haben sie damit sogar recht. Zwischen 4Players und ATARI ist der Streit wieder beiseite gelegt und wir hatten auch die Möglichkeit beide Seiten zu hören. Allerdings spiegelt dieses Ereignis die allgemeine Situation der Games-Magazine in manchen Fällen wider.

Öfters versuchen Publisher auf die Wertungen der Spielmagazine einzuwirken. Das ist nicht erst seit dem „kritischen Herbst“ bekannt. Besonders wenn es um wichtige Unternehmenstitel geht. Manchmal haben die Publisher damit auch Erfolg. Eine Grauziffer, die in der Branche mit Missachtung angesehen wird. Aber dennoch finden sich immer wieder Magazine, die dem Druck oder der Verlockung auf tolle Werbekampagnen nicht standhalten können. Es ist glücklicherweise nicht die Regel und wie in jeder Branche scheint es auch in der Spielebranche immer ein Geben und Nehmen zu sein. Am Ende wollen die Redakteure einfach nur ein gutes Spiel und der Publisher den Erfolg.

Doch bei all den negativen Dingen die uns der Juni gebracht hat, wollen wir die positiven Ereignisse nicht vergessen. Dieser Monat brachte auch tolle Meldungen wie die von "MGS4" und den damit letzten Teil der erfolgreichen Solid Snake-Geschichte zustande. Konami hat uns zudem noch auf "PES 2009" eingestimmt und Blizzard will uns auf der World Wide Invitational am Wochenende eine tolle Sache ("Diablo 3"?) ankündigen. Der Juni kann also doch noch zu einem richtig guten Monat werden und wie jeder andere seine Höhen und Tiefen haben.

Nicole Lange

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