Kontroverses Flash-Spiel
"Hit the Bitch" - und oute Dich als "Idiot"
20.11.2009 | 18:28 Uhr 2009-11-20T18:28:00+0100
Häusliche Gewalt ist ein ernstzunehmendes Thema. Eine dänische Internetseite, versucht mit dem Flash-Spiel „Hit the Bitch“ auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Fraglich ist jedoch, ob man mit dem kontroversen Spiel wirklich den gewünschten Effekt erzielt.
Eine attraktive Dame geht auf den Spieler zu. Sie sagt ihm, dass sie einen tollen Abend gehabt und tatsächlich mit anderen Männern getanzt hätte. Es wäre ihr Recht und ihr Gegenüber - ihr Freund - könnte ihr nichts vorschreiben. Dann erscheint ein weiß-pinker Schriftzug in der Mitte des Bildschirms, der den Spieler auffordert, „die Schlampe zu schlagen“ (Hit the Bitch!).
Nun kann er beginnen, die Frau zu schlagen, indem er mit der Maus entweder schnell von rechts nach links geht oder die Bewegungserkennung der eigenen Webcam nutzt. Eine Anzeige am oberen Bildschirmrand gibt an, ob man eine „Pussy“ oder ein echter „Gangsta“ ist. Während sich die Anzeige mit jedem weiteren Schlag füllt, wird man von den Beleidigungen des immer stärker mitgenommenen Opfers und einem Hip-Hop-Beat begleitet. Hat man die Leiste komplett gefüllt, bekommt man eine Beglückwünschung, dass man nun ein hundertprozentiger „Gangsta“ ist, bevor sich der Schriftzug kurz darauf in „Idiot“ ändert. Das Spiel möchte uns zeigen, dass das Schlagen von Frauen alles andere als angemessen ist und all jene, die ein derartiges Verhalten für angemessen befinden, nicht mehr als vollkommene Idioten sind.
Es ist jedoch fraglich, ob diese Kampagne, die schon jetzt eine Menge Aufmerksamkeit erregt hat, wirklich den erwünschten Erfolg haben wird. Immerhin gibt es auch andere, weitaus subtilere Wege, um eine derartige Botschaft zu vermitteln. Das abschließende Urteil „100% Idiot!“, das am Ende des Spiels erscheint, wirkt nicht wie eine geschickte Viralkampagne, sondern vielmehr wie der plumpe Versuch, eine „Moral der Geschichte“ zu vermitteln. Und der Einsatz von reißerischen Begriffen wirkt eher wie der ungeschickte Versuch, zwanghaft Aufmerksamkeit für die Kampagne zu erregen, als tatsächlich eine Botschaft vermitteln zu wollen.
Ist es inzwischen tatsächlich notwendig, das Schlagen einer Frau in einem Spiel zu verpacken, das uns im Anschluss daran zeigt, dass wir falsch gehandelt haben, um auf den Missstand von häuslicher Gewalt hinzuweisen? Als Spieler selbst hat man immerhin keine andere Wahl, als zuzuschlagen. Oder aber man verlässt sofort die Seite, wodurch sich der gesamte Zweck der Kampagne wiederum im Nichts verläuft. Was für einen Zweck verfolgen also die Initiatoren?
Möchte man all jene, die das Schlagen von Frauen als akzeptabel erachten, darauf hinweisen, dass dies nicht der Fall ist? Sollte dies tatsächlich die Hauptintention sein, sollten sich die Entwickler dieses Konzeptes darüber im Klaren sein, wie ineffizient das Ganze ist. Derartige Verhaltensmuster entstehen nicht spontan, sondern sind in der Regel tief in der Persönlichkeit des Individuums verankert. Der Hinweis, dass sie „Idioten“ sind, wird daran definitiv nichts ändern. Die Gruppe derer, die ohnehin niemals daran gedacht haben, häusliche Gewalt anzuwenden, wird sich in ihrer Überzeugung lediglich bestätigt fühlen oder zu jenen gehören, welche die Seite schon allein aufgrund des Namens nicht besucht haben. Als letzte Gruppe wären dann noch die Menschen zu nennen, die das gesamte Projekt für Unsinn halten bzw. die Seite mehr als einen dummen Witz ansehen. Auch bei ihnen wird der gewünschte Effekt sicherlich nicht auftreten.
Es stellt sich also wieder einmal die Frage, was Sinn und Zweck dieser Kampagne ist. Sollte sie lediglich Aufmerksamkeit erregen, so hat sie das definitiv geschafft. Im Aspekt der Diskussion scheint man jedoch am Ziel vorbeigeschossen zu sein. Anstelle des Themas häusliche Gewalt wird nun nämlich mehr über die Kontroverse gesprochen, welche die Kampagne selbst umgibt. Es bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht der von den Betreibern gewünschte Effekt war.
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11:50
Flashgames mit einem tatsächlichen Lerneffekt gibt es sonst nur wenige. Zumal man sich fragen könnte, ob eine verunglückte Auseinandersetzung mit dem Thema nicht besser ist als gar keine Auseinandersetzung.
Natürlich wird ein solches Spiel keinen Täter zur Umkehr bewegen. Aber es macht aufmerksam auf den Umstand, dass häusliche Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft noch immer eine gewisse Akzeptanz erfährt.
Insofern ein Flashgame mit - zumindest - Daseinsberechtigung.