Zockerbrot und Peitsche
17.12.2008 | 10:00 Uhr 2008-12-17T10:00:00+0100
Geschmeidig ziehe ich in den letzten Spielminuten meine Spieler über den Platz und sehe angefressen zu, wie der Ball zum sechsten Mal in meinem Tor landet. Wieder verloren. Inzwischen schon zum 78ten Mal. Aber hey, kein Grund zur Trauer, schließlich habe ich gerade 100 Gamerscore verdient. YEAH! ...
Mit ein bisschen Stolz und viel mehr Genugtuung blicke ich auf die 22 spannenden, von mir - ganz ehrlich (!) - wirklich mega super gespielten und gewonnenen "Pro-Evolution-Soccer-6"-Online-Matches. In diesen Spielen hatte ich Franzosen, Deutsche, Engländer und andere europäische Nerds mit Torpedo-Toren versorgt und sie somit vom Platz gefegt – ein wahnsinnig tolles Gefühl!
Schade nur, dass diese 22 gespielten und gewonnen Matches während der inzwischen über hundert gespielten Partien so unfassbar unregelmäßig verteilt waren, dass ich mich selbst – so oder so –nur als einen schlechten Hobby-Fußballer betrachten kann.
Klar, in den verlorenen Partien habe ich nur gegen Ultra-Nerds gespielt, die schon an die 3000 Online-Matches bestritten haben und mit absoluter Sicherheit nichts anderes machen, als zu zocken ... Wahrscheinlich sogar noch beruflich!!! Oder, und das ist die einzig andere, plausible Möglichkeit, sie haben gecheatet. Irgendwie. Diese Jungs wissen schon, wie so etwas geht ... Diese verdammten &%“§(! - oh, ich komme vom Thema ab...
Chief of Achievements
...denn eigentlich wollte ich viel lieber über das erfolgsbezogene Zocken und über die inzwischen von der Spielindustrie etablierten „Achievements“ reden. Diese „Achievements“ sind kleine Belohnungen in Form von Punkten, die dem eigenen Profil angeheftet werden. Sie selbst sagen aus, was man in welchem Spiel unter welchem Aufwand geschafft hat, und bauen so eine persönliche „Gamer-Geschichte“ auf.
Und noch während in mir meine Gamer-Ehre brodelt und nach virtueller und fußballerischer Vergeltung sucht, blubbt in meiner Xbox ein kleines Fenster auf und benachrichtigt mich über 100 ehrliche, schwer verdiente und - ganz ehrlich (!) – wirklich mega super erkämpfte Punkte für meine Gamerscore. Ich habe Geschichte geschrieben!! Ich meine ... gespielt.
Aus dem Affekt schaue ich auf meine Gesamt-Gamerscore und hoffe insgeheim ein bisschen, dass die 100 verdienten Punkte für die insgesamt 100 gespielten Online-Partien noch nicht drauf gerechnet wurden... Aber die mickrige Zahl von 959 bewegt sich kein Stück weiter. Statt eines kleinen Feuerwerks, eines Sekts oder eines lauwarmen Händedrucks gibt es ein weniger buntes Bild mit der Zahl „100“ drauf. Und ich bin auf einmal mächtig stolz!
Diese sinnlosen Punkte kommen mir plötzlich wie ein kleines Zeugnis vor, das mir bestätigt, dass ich viel zu viel Zeit vor der Konsole verbracht und dabei auch noch viel zu schlecht gespielt habe. Und doch beweist es mir, dass ich mir Mühe dabei gegeben habe, in den angesprochenen "PES-6"-Online-Partien nicht ganz erbärmlich unterzugehen. Und trotz der vielen Niederlagen immerhin 100 Partien zu schaffen.
41440
Das ist angeblich die bislang höchste Gamerscore, die es in dem Xbox-360-Universum gibt. Wer sich da nicht fragt, WAS DIESER MENSCH BITTE NOCH AUSSER ZOCKEN MACHT, muss entweder selbst so viele Punkte haben oder zumindest den klaren Wunsch, sich selbst viele Punkte sichern zu wollen.
Dafür gibt es reichlich Möglichkeiten, wie zum Beispiel in dem Spiel „Avatar: The Last Airbender“. Dort muss man lediglich wenige Minuten stupide auf dem „B-Button“ rumhacken, um gleich mal 1000 Gamerscore-Punkte sein Eigen nennen zu können. Weniger lukrativ, aber vielleicht nicht minder sinnlos ist das „Toaster in der Wanne“-Achievement in „Bioshock“:
„Der Spieler hat einem Gegner im Wasser einen Stromschlag versetzt“ – und wieder hagelt es ganze 10 Punkte aufs Konto. Der Knaller. Und jetzt rechnen wir mal ... 41440 geteilt durch 10 ... Das sind eine Menge Stromschläge für die Gegner - und noch viel mehr für den eigenen Verstand...
120
Das sind mit absoluter Sicherheit die Punkte, die ich mir irgendwann mal auf mein eigenes Konto und so in mein kleines, virtuelles Games-Geschichtsbuch schreiben kann. Denn fernab von der reinen Zahl oder langweilig „gerodeten“ Punkten in einem noch viel langweiligeren Spiel will ich mir diese Punkte wirklich verdienen. 120 Punkte gibt es nämlich, wenn man in "PES 6" 100 Online-Partien gewinnt (!).
Und so sehne ich mich nach Zockerbrot und Peitsche selbst zu (hoffentlich bald mal endlich beginnenden) besseren Leistungen, um mir die Punkte mal ehrlich verdient zu haben. Und wie für so vieles gilt auch beim Zocken:
„Du gehst zocken? Vergiss die Peitsche nicht!“
Weitere Themen:
*Daniel Budiman und Simon Krätschmer moderieren die Sendung GAME ONE auf MTV.*
22:46
Die 41.000 halte ich für viel zu niedrig angesetzt. Ich schätze eher, dass wir da von 100.000, oder mehr, sprechen...
12:45
also ich hab einen bei mir in der liste, der über 46000 gamerscore hat.. :)
13:53
nett nett nett
schön zu lesen 8/10