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Von Demonstrationen und verschmähten Spielern

29.05.2009 | 16:30 Uhr
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Von Demonstrationen und verschmähten Spielern

Es langt. Ja wirklich, so langsam werden die friedlichen eSportler echt sauer. Doch das zeigt sich nicht in Amokläufen und wilden Zerstörungsakten, auch wenn das manchen „Killerspiel“-Gegnern in die Karten spielen würde.

Die Enttäuschung über das Verhalten der Städte bei den eSport-Events ist für viele nur noch Schikane. Erst sagen die Städte zu, dann wieder ab. Erst stehen alle noch zu ihrem Wort und dann tun alle so, als wären sie von Anfang an schon dagegen gewesen. Letztes Beispiel: Karlsruhe. Noch wenige Tage zuvor versprach Oberbürgermeister Fenrich, sich der Verantwortung einer solchen Veranstaltung zu stellen. Obwohl es das Intel Friday Night Game schon länger gibt, stellt sich jetzt erst heraus, dass viele Ausrichter früher entweder nicht wussten, wie so ein Event läuft oder sie es nicht interessierte. Was? Da wird "Counter Strike" und "Warcraft 3" gespielt? Ja, und das schon seit einiger Zeit. Was früher kein Problem war, ist heute ein Grund, um Verträge aufzulösen und lehrreiche Veranstaltungen wie die ElternLAN abzusagen.

Die Verantwortung gegenüber der Jugend wird hier zum Schlagwort, um die städtische Inkompetenz zu verschleiern. Auch wenn der Deutsche Kulturrat und die Evangelische Akademie Loccum Computerspiele unumstritten als Kulturgut ansehen, sieht die Realität doch anders aus: Killerspiele seien keine Kultur, heißt es dann, und die Diskussion geht wieder von vorne los. Da können die Entwickler noch so oft als Künstler bezeichnet werden. Wenn ihnen nicht die gleichen Rechte wie einem Jagd- oder Hühnerzüchter-Verein zukommen, stellt sich die Frage, was die Erhebung in den Kulturstatus soll.

Rückzieher statt Zensur

Nachdem in Karlsruhe sogar extra eine Sondersitzung aufgrund der Intel Friday Night Games vollzogen werden sollte, zog Veranstalter Turtle Entertainment die Reißleine und sagte das Event eigenständig ab. Turtle sah keine Basis für das IFNG mehr. "Wir haben den Eindruck, im Karlsruher Kommunalwahlkampf instrumentalisiert zu werden. Mit viel Engagement haben wir den Dialog mit der Karlsruher Politik gesucht und Gespräche geführt. Jeder konstruktiven Diskussion über den Umgang mit Computerspielen und Neuen Medien wird allerdings die Grundlage entzogen, wenn von demokratischen Parteien öffentlich die Kündigung rechtsgültiger Verträge angeregt wird“, so Ralf Reichert, Geschäftsführer der Turtle Entertainment GmbH.

Oberbürgermeister Heinz Fenrich bedauerte diese Entscheidung: „Damit kommt eine wichtige öffentliche Diskussion und Abstimmung im Gemeinderat nicht zustande.“ Eine Auseinandersetzung um einen verantwortungsvollen Umgang mit problematischen Computerspielen im Gemeinderat hätte er gern gesehen. Doch gerade für einen verantwortungsvollen Umgang waren die IFNG bekannt. Kinder durften die Turnierspiele nicht spielen und die ElternLAN war zu Informationszwecken mit dabei. Das Ziel schien im Vorfeld schon relativ klar: Nicht der Umgang, sondern die Präsentation in Verbindung mit Spaß war das Problem, und das war für die Städte nicht akzeptabel.

Enttäuschung bei den Fans

Die Entscheidung von Turtle können jedoch viele eSportler und Fans nicht nachvollziehen - für sie ist es der Rückzieher nach eine Niederlage. Turtle hätte für seine Rechte einstehen müssen. Die Verantwortlichen hätten zumindest ein Zeichen setzen und mit den Stadtvertretern reden können. Unmut macht sich derweil in Foren und Community-Räumen breit. Kann jetzt jeder die ESL so demontieren? Die Fans und Spieler wollen das nicht einfach geschehen lassen und haben jetzt eine Demonstration geplant.

Am 5. Juni soll vom Europa- / Ludwigsplatz der Stadt Karlsruhe in Richtung Marktplatz und von dort aus zum Kongresszentrum marschiert werden. Die "Demonstration für Jugendkultur!" soll um 18 Uhr starten. Allerdings müsste Karlsruhe diese Demo erst bewilligen. Es zeigt sich jedoch, dass viele Fans sich nicht mehr einfach so zensieren lassen wollen und das zur Not auch selber zur Sprache bringen. Ohne Waffengewalt und Politiker-Unterstützung.

Mehr zum Thema:

Nicole Lange

Kommentare
05.06.2009
23:29
Von Demonstrationen und verschmähten Spielern
von Revoltos | #1

Die Politrixer bringen doch immer mehr Gruppierungen gegen sich mit diesem rumgezicke. Die pissen sich am ende doch selber ans bein, diese steinzeithirnis ;-)

In der ganzen Gesellschaft beginnt es schon zu grummeln :-)

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