Von "2on2" und schlechten Verlierern
04.03.2009 | 14:57 Uhr 2009-03-04T14:57:00+0100
Nils Bomhoff gibt sein Debüt in der Budimon-Kolumne. Es kann durchaus sein, dass ihr jetzt verschreckt seid, aber Eddy und Simon sind nicht so teamfähig, wie man vielleicht denkt. Ein Erfahrungsbericht vom "Command and Conquer"-Schlachtfeld zeigt die schockierende Wahrheit.
Alleine spielen ist out. Heutzutage trifft man sich via Xbox Live oder Playstation Network und fechtet mit Freunden Multiplayerpartien aus. Doch damit kommt auch eine brisante Komponente ins Spiel: die Teamzusammensetzung. Und die dauert manchmal länger als das eigentliche Match.
Denn die Königsdisziplin der Mehrspielerei ist „2on2“. Zwei gegen zwei. Besonders bei Strategiespielen wie „Command and Conquer“ muss man nicht nur sein eigenes Können abrufen, sondern sich auch noch mit einem Partner absprechen. Das ist je nach Beschaffenheit des Verbündeten mal ganz, mal nahezu unmöglich. Für uns Männer sowieso. Wir können ja nicht multitasken. Unsere gesamte Konzentration steckt im Aufbau und der Verteidigung der Basis. Angriffe müssen geplant, Gegner ausgekundschaftet werden. Da bleibt kein Platz für Kommunikation.
Auslöschung des Mitspielers in Kauf nehmen?
Wie soll man so auch noch eine koordinierte Strategie verfolgen? Die innere Zersetzung des Bündnisses ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Denn immer wenn die eigenen Truppen gerade auf dem Vormarsch sind, um den nächstgelegenen Gegner zu attackieren, brüllt der Kamerad auf Zeit nach Hilfe. Soll man jetzt den Angriff abblasen und umkehren, um dem Freund, der nur noch Ballast ist, zur Seite zu stehen? Oder führt man die eigene Attacke zu einem blutigen Ende und nimmt die Auslöschung des Mitspielers in Kauf?
Doch bevor es überhaupt zu solchen schwerwiegenden Entscheidungen kommt, muss man im Vorfeld der Schlacht erst mal die Teams zusammensetzen. Da geht es schon los. Wer spielt mit wem? Natürlich muss es fair zugehen. Und das ist gar nicht so einfach. Stellt euch vor, ihr habt als mögliche Teammates Mario, Sonic und Uwe Boll zur Auswahl. Der Klempner ist natürlich der krasseste. Der kann alles. Er ist der Chuck Norris der Videospiele. Er ist Fußball- und Tennisstar. Stand bei den Olympischen Spielen auf dem Siegerpodest ganz oben. Und pömpelt deinen Abfluss schneller frei, als ihn ein Yeti verstopfen könnte.
Sonic war schon immer blau
Hat man Mario als Frontbuddy, kommt das einem Eingeständnis der eigenen Schwäche gleich. Denn wer mit dem Besten spielt, muss selbst der Schlechteste sein. Wem diese Schmach nichts ausmacht, der sollte hier zugreifen, denn er wird aller Wahrscheinlichkeit nach gewinnen. Auch wenn man selbst nicht viel dazu beiträgt. Aber hey, ein gewisser Günther Hermann hat bei der WM 1990 nicht eine Minute gespielt und darf sich trotzdem Weltmeister nennen.
Will man wenigstens eine kleine Herausforderung, bleibt noch Sonic. Würde man sein Leben verfilmen, hätte Mickey Rourke eine neue Rolle. Und eine Oscar-Nominierung. Es sei denn, Uwe Boll führt Regie. Aber zu dem gleich mehr. Vor einiger Zeit waren Sonic und Mario mal fast auf Augenhöhe. Es gab McDonald´s und Burger King, Adidas und Nike, Mario und Sonic. Ein paar schlechte Spiele und eine Dreamcast-Pleite später ist Sonic der Paul Gascoine der Konsolenwelt - nicht nur, weil er immer blau ist. Aber immerhin hat Gascoine bei der WM 1990 sechs Spiele gemacht. Talent ist in jedem Fall vorhanden. Hat man Sonic als Teammate, sieht man sich selbst als Durchschnitt: Zu gut, um mit Mario zu spielen, zu schlecht und erfolgshungrig für Uwe Boll.
Intelligente Gespräche mit Paris Hilton
Zu dem kommen wir jetzt. Uwe Boll kann nichts. Außer seine Kritiker im Boxring zu verprügeln. Daher muss man der Beste sein, wenn man mit der Regie-Apokalypse zu Felde zieht. Wer mit Uwe Boll ein Team bildet und trotzdem gewinnt, kann auch mit Paris Hilton intelligente Gespräche führen. Und den Irak befrieden.
Das Gerangel um den richtigen Verbündeten ist also die Schlacht vor der Schlacht. Und vielleicht für den Spielausgang die bedeutendere. In dem Match, von dem ich erzählen möchte, hießen meine Kumpanen Simon, Eddy und Dennis. Oder nennen wir sie aus Gründen der Anonymität „She-Mon“, „Addy“ und „Denniz“. Und die dann wieder aus Gründen der Bequemlichkeit Simon, Eddy und Dennis. Das waren also meine drei Mitstreiter. Und aus drei Mitstreitern wird immer ein „Mit“ und zwei „Streits“.
Wie schnell zerstreitet sich der Gegner?
Rein qualitativ hatten wir mit Eddy und mir in etwa zwei Sonics. Simon war der Veteran und durch unzählige Onlinematches in der Command-and-Conquer-Kampfeskunst geschult. Er hielt sich selbst für Mario. Die Variable war Dennis. Er vereinte zwei Extreme. Zum einen waren ihm die Schlachtfelder des C&C-Universums so sehr zum Wohnzimmer geworden, dass er auf dem ehemals erfolgreichsten Sender der Welt, GIGA, eine eigene Command-and-Conquer-Sendung moderierte. Zum anderen allerdings hatte er das Spiel noch nie auf der Konsole gezockt. Wie würde er mit der ungewohnten Joypad-Steuerung zurechtkommen? Das ist, als dürfte Roger Federer plötzlich nur noch mit links spielen. Schwer einzuschätzen. Das Risiko, mit Dennis einen Uwe Boll abzukriegen, war sowohl Eddy als auch mir zu groß. Bei Eddy wusste ich, woran ich war. Und Eddy wusste, woran er bei mir war. Also bildeten wir beiden Sonics das eine Team. Simon und Dennis das andere.
Natürlich darf man bei so einem Gefecht nicht im selben Voicechat-Kanal sein. Das wäre ja unsinnig. Also teilten wir uns auf. Allerdings gingen die unvermeidbaren Lästereien schon los, bevor ich den Gruppenchat zugunsten des neuen Raums verlassen konnte. So bekam ich ungewollt und unbemerkt noch die ersten Einschwörungsversuche des Feindes mit: Sie waren sich sicher, wir würden uns binnen Sekunden so sehr zerstreiten, dass ihnen der Sieg in den Schoß fiele, prophezeite Simon. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass das Teamgebilde Eddy/Nils so haltbar sei wie eine Verlobung von Boris Becker.
Simon mutiert zum Kriegsdienstverweigerer
Wow, das hatte gesessen. Die waren sich ihrer Sache wirklich sehr sicher. Und so dachten wir uns, wenn wir nur wenige Sekunden haben, bevor unser brüchiges Zweckbündis unter dem Druck des Erfolgs zerbröselt, müssen wir eben schneller sein. Also haben wir gerusht. Leider hatte Dennis drei Einheiten gebaut, bevor meine zwei Angreifer in seiner Basis waren. Damit war meine Offensive schneller gescheitert, als Zlatko bei „Wer wird Millionär?“ ausscheiden würde.
Eddy hatte mehr Erfolg. Denn Simon mutiert zum Kriegsdienstverweigerer, wenn er attackiert wird, ohne dass seine Grande Armée zuvor Einsatzbereitschaft vermeldet hat. Als sein erster Erzsammler unter der funkensprühenden Attacke von Eddys stahlgepanzerter Kampfspinne das Zeitliche segnete, gab es den Sieg als Abwrackprämie dazu. Simon verließ das Spiel. Zog einfach den Stecker. Eine halbe Stunde Trashtalk und schmierige Diplomatie im Vorfeld für zwei Minuten Spiel. Das kann doch nicht alles gewesen sein.
Also haben wir uns eine riesige Basis gebaut. Mit allem Drum und Dran. Und einer riesigen Armee. Dann haben wir zu zweit Dennis angegriffen und ihm alle Gebäude und Einheiten zerkloppt. Das war sehr schön. Zwischendurch meldete ein Pop-Up, Simon sei wieder online. Doch er hatte bestimmt nur vergessen, den Netzwerkstecker zu ziehen. Denn er war genauso schnell wieder weg. Heute würde er kein Spiel mehr machen. Vielleicht nie wieder. Genau wie ein gewisser Günther Hermann bei der WM 1990.
09:16
schade, dass giga nich mehr da is, aber das hier reicht auch ;) gut gelungene kolumne
15:47
sau lustig, echt spitze!
21:19
Sehr schöne Kolumne. Göttlich gut, Nils eben ;-).
Genug Geschleime, schön wieder von euch zu hören/ lesen.
Weiter so Addy und Nilz...oh...Eddy und Nils...pardon ;-)
22:37
Wie gut das tut, mal wieder was vom Nils zu hören!
Sehr gut gschrieben, werd alle Einträge von dir lesen ;-)
Nils, mach weiter so!
Wie bei Eddy: Gegen Frauen kann man nicht spielen. In diesem Sinne: Mannzipation!
08:48
hehe, nicht schlecht
23:46
Juhuuu!!!
Erste Kollumne ein voller Erfolg! Danke dafür, und bitte weiter so!
23:30
Zuerst denkt man- och nööö, das will er doch jetzt nicht wirklich zerkauen, das Thema, weil der Einstieg etwas zäh ist aber dann liest man sich immer besser ein und der Artikel profitiert sehr vom Schreibstil, vorallem zum Ende hin, ähnlich wie der FC Bayern :-P Da sind wir auch schon beim Thema: Das einzige, was mich vllt. etwas stört, sind die vielen Vergleiche. Aber ist eben auch schwierig, die richtige Dosierung der Stilmittel und sowas ist und bleibt Geschmackssache :-) Insgesamt ein super Artikel, sehr charmant geschrieben!
23:08
Simon falsch dargestellt, dafür kennen wir dich zu gut.
Gibts eigt für C&C keine cheats ;-)
10:48
Back for baa.. eh good :)!
22:11
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