Spiel mir das Lied vom... Spiel
10.09.2008 | 12:00 Uhr 2008-09-10T12:00:00+0200
Eigentlich ist es traurig. Da höre ich mir die (kostengünstige) Chill-Out-Super-Compilation von Bach an. Und schreie bei der Cantata 147 - „Jesu Bleibet Meine Freude“ laut auf: „EY, Bumping Buggies! C64! Goooil!“
Nach kurzer Bedenkzeit muss ich mir jetzt wohl endlich eingestehen, dass ich kein bisschen klassisches Kulturgut kenne, dafür aber umso mehr Bock habe, wieder mit kleinen Autos aus der Vogelperspektive zu Bachs Cantata (Dieses Wort habe ich vorhin gegoogelt) über andere kleine Autos zu hüpfen.
Aber schnell zurück zum Thema: Musik und Spiele. Beziehungsweise Musik, die man aus einem Spiel kennt und dann der Einfachheit halber auf zwei E-Gitarren gleichzeitig (!) nachspielt. So macht es zumindest Zack Kim, seines Zeichens unglaublich begabter Gitarrist und darüber hinaus ein Nerd-Boy vor dem Herrn.
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Wer so begabt Gitarre spielen kann wie Zack, muss sich nicht nur mit lapidaren Videospiel-Hymnen begnügen. Da wird dann schon mal Wagner ausgepackt. Oder eben Bach. Oder ein bisschen moderner: Yann Tiersen. Aber während der junge Koreaner mit seinen zwei weißen E-Gitarren apathisch guckend und mit übermenschlich schnellen Fingern in die Saiten greifend vor der Kamera steht, bleibt - zumindest für mich - folgender Gedanke nicht aus. So ein Super-Nerd. Und: Was bin ich neidisch.
Theoretisch eine Theorie...
Die Spielweise von Zack Kim ähnelt dabei vielmehr der eines Videospiels. Zu richtiger Zeit die richtigen Saiten drücken. Er selbst wirkt auch viel eher wie ein Videospieler: Apathisch konzentriert auf seine Arbeitsgeräte blickend spielt er sein Lied durch. Und erst ganz zum Schluss wagt er einen kleinen Blick gen Kamera. Unschuldig, nett und auch ein bisschen nerdig. Vergleicht man dieses Bild nun mit einem wesentlich weniger begabten, aber vielleicht ähnlich aussehenden Typen, der gerade „Guitar Hero“ spielt und dabei apathisch konzentriert auf sein Arbeitsgerät blickend zur richtigen Zeit die richtigen Knöpfe drückt, dann dürfte es bis auf den Sound eigentlich keine großen Unterschiede geben, oder? Gitarre? Check. Finger zum Spielen? Check. Nerd? Check. Talent? Nö. Fehlt sonst noch was?! Ach ja, die Musik.
Und genau da liegt das „Problem“. Auch ein Zack Kim spielt (zumindest in seinen Online-Videos) nur bekannte Lieder nach. Einige zu seinen Liedern geschriebene Kommentare kritisieren die Art und Weise, wie er musiziert. Viele machen sich aber auch einfach nur lustig über ihn. Darüber, dass er seine Zeit mit zwei Gitarren statt mit Sport oder anderen Aktivitäten verbringt. Und natürlich: Lieder nachspielen kann jeder.
Warum sollte man seine Musik also ernst nehmen, wenn es eh nur reproduzierte, nachgespielte und wahrscheinlich durch langwieriges Training einstudierte Lieder sind? Ist die einzige Besonderheit wirklich nur die, dass er zeitgleich an zwei E-Gitarren spielt? Ja und Nein. Ja, weil es schon schwer genug ist, mit nur einer Gitarre zu musizieren. Und nein, weil Musik im Prinzip immer irgendwie einstudierte und zusammengesetzte Kompositionen sind. Und natürlich, weil Zack das bereits Komponierte für sich neu erfindet. So wie ich Musik verstehe, kommt es eher darauf an, wie, nicht was man musiziert. Die Venga Boys lassen wir bei dieser Rechnung trotzdem mal schön außen vor.
Mit diesem Verständnis fühlt sich alles gleich viel leichter und angenehmer an. Meine Plastikgitarren habe ich in den Schrank gepackt, und nun widme ich mich wieder dem klassischen Kulturgut: „Bumping Buggies“. Wenn man nämlich zur richtigen Zeit den richtigen Knopf drückt, dann lässt sich selbst Bachs „Jesu Bleibet Meine Freude“ verändern. Auf diese Idee ist Zack Kim bisher noch nicht gekommen. 1 zu 1, du fieser Gitarren-Proll!
11:53
Mist kein Ton auf Arbeit, muss ich später probehören.
nerdisch in die Kamera gucken, zeig mal wie man das macht^^
13:21
Passt total gut nebenbei Zack Kim zu hören! :D
Tolle Kolumne wie immer !!