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Samy Deluxe setzt auch in Spielen auf Musik

04.12.2009 | 16:51 Uhr
Samy Deluxe setzt auch in Spielen auf Musik

Wir haben mit Samy Deluxe über das Spielverhalten der heutigen Generation gesprochen. Der ambitionierte Hip-Hop-Künstler erklärt, warum er extremes Spielverhalten uncool findet und Games pädagogisch wertvoll sein sollen.

Spielst du selbst oft Videospiele oder bist du eher ein Gelegenheitszocker?

Samy: Ich bin eigentlich ohne all das aufgewachsen und habe eher bei meinen Freunden solche Sachen wie den C64 und danach dann Atari sowie Amiga mitbekommen. Danach hatte ich einen der ersten GameBoys, bin dann aber komplett aus dieser Konsolenwelt ausgestiegen.

Jetzt habe ich eine Xbox im Rahmen der Lips-Kampagne bekommen und habe jetzt auch das erste Mal damit gespielt. Vorher habe ich weder Xbox noch PlayStation in meinem Leben gespielt. Ich mach einfach gerne Musik, und das, was andere Leute Freizeit nennen, ist für mich halt die Zeit, in der ich keine Konzerte oder Interviews gebe. In meiner Freizeit gehe ich dann meinem Hobby nach: der Musik. Das Gefühl, nichts zu tun zu haben und einfach mal die Konsole anzuschalten, kenne ich nicht.

Also kannst du dich dafür nicht so begeistern?

Samy: Ich finde es cool, wenn die Leute etwas haben, womit sie sich unterhalten können, aber ich würde auch definitiv kein Spiel unterstützen, das nicht irgendeinen musikalischen Inhalt oder irgendwas mit Bewegung zum Inhalt hat - also nicht so was wie Ballerspiele. Ich finde viele Faktoren an diesem ganzen Konsolending schon nicht cool. Ich arbeite auch an Schulen und wenn man fragt, was die Hobbys sind, und dann als Antwort kommt: „Ja, ich sitze zu Hause und daddele“, dann ist das wirklich nur gut für die Industrie dieser Spielehersteller. Darüber können die sich freuen. Aber kein anderer Mensch kann das, wenn ein Großteil nur vor dem Bildschirm sitzt und solche Sachen macht, die im wirklichen Leben nicht weiterhelfen.

Grundsätzlich finde ich Spiele cool, in denen man Musik machen kann. Dann hat man vielleicht auch irgendwie den Anreiz, selbst was mit Musik zu machen. Oder auch Denkspiele, die mit Konzentration zu tun haben. Alles, was man noch unter pädagogisch wertvoll abstempeln kann, das kann ich unterstützen und finde ich cool. Ich bin auch niemand, der die Technik ablehnt und sagt, dass alles Scheiße ist, aber ich bin schon mehr old-school.

Du stehst dem Ganzen schon etwas kritisch gegenüber.

Samy: Ich hatte mal bei einer Wohnungsbesichtigung eine Situation, bei der gegenüber der Wohnung ein Spielentwickler seine Räume hatte. Da konnte man Leute sehen, die Spiele testeten und damit ihr Geld verdienten. Wenn du als Jugendlicher so smart bist und irgendwas daraus machen kannst, dann finde ich das cool. Denn die Hauptzielgruppe, die diese Spiele erreichen wollen, liegt genau in der Altersspanne, in der man sich entscheiden muss, was man später im Leben machen will, und irgendwas lernen muss, was einem im Leben hilft.

Und das ist genau die Zeit, in der ich von morgens bis abends Reime geschrieben und Platten angehört habe und mit meinen ganzen Hip-Hop-Freunden durch Hamburg gelaufen bin, um Graffitis zu fotografieren und daraus Bilder zu machen. Ich weiß aber: Wenn wir alle gedaddelt und unsere Zeit damit so intensiv verbracht hätten, dann wäre aus uns wahrscheinlich nicht so etwas geworden.

Es kommt ja auch immer die Diskussion über Killerspiele auf. Wie stehst du dieser Thematik gegenüber?

Samy: Generell: Wenn man was für sich daraus macht oder es einfach nur Spaß im Rahmen ist, geht das. Aber es gibt bei allem gewisse Abgrenzungen. Genau wie man nicht sagen kann, Alkohol oder Drogen seien etwas Schlechtes - es kommt immer auf die Ausmaße an.

Manche Menschen können sich wahrscheinlich voll mit Drogen ballern, sind konzentrationsfähig und haben keine Langzeitschäden. Und manche Leute ziehen einmal am Joint und haben Halluzinationen. Genauso ist es mit Spielen: Es gibt total viele Leute, die das gut in ihrem Alltag unterbringen können und dabei entspannen. Bei einem erfolgreichen Geschäftsmann, der schon lange spielt und das liebt, kann man nicht sagen, es habe ihm geschadet. Aber ich mache mir Sorgen um die Jugend und die Reizüberflutung. Die Medien, die wir haben, bieten ohnehin schon viele Möglichkeiten, etwas zu machen - und das verwirrt irgendwie viele Leute. Das beziehe ich auch aufs Internet, nicht nur auf Spiele. Es bringt einem nicht unbedingt einen Vorteil, sondern ist eher Entertainment.

Viele Musiker sehen Musikspiele wie Guitar Hero oder Lips als eine Art Herabsetzung der eigenen Arbeit, weil alles zu einfach dargestellt wird.

Samy: Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es dem Musikertum großartig was wegnimmt, sondern dass es eher eine Alternative für Leute ist, um erst mal ein Gefühl für Musik und das Musikmachen zu bekommen. Ich glaube, dass das eher ein Anstoß und eine Inspiration sein kann. Ich kann jetzt nicht sagen, dass es die Musik kaputt macht. Für mich machen vielmehr diese Casting-Shows die Musik kaputt. Ich würde es viel besser finden, wenn die Leute, die Lust auf Musik und kein richtiges Talent haben, zu Hause bleiben und erst mal mit ihren Konsolen ihr Musikding machen, bevor sie uns damit belästigen. Und solche Spiele fördern auch die Familienunterhaltung, man kann sie also gut in der Gruppe spielen und Spaß dabei haben.

Liegt darin auch der Erfolg dieser Spiele?

Samy: Ich glaube schon. Auf der einen Seite steht das Gruppenerlebnis und man hat schon irgendwie die Möglichkeit, etwas selbst zu machen. Beim normalen Singen übertönt man die Musik und ist somit ja auch sehr nackt. Das hat man bei diesen Spielen nicht, und das ist meiner Meinung nach genau das Richtige für die Leute, die Lust haben, etwas Musikalisches zu machen, aber nicht richtig singen können.

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Nicole Lange

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