Pädagogen beantworten Ihre Fragen
21.09.2008 | 16:30 Uhr 2008-09-21T16:30:00+0200
Unsere Aktion „Was Eltern wissen wollen“ geht heute in die erste Runde. Die beiden Diplom-Pädagogen Horst Pohlmann und Jürgen Sleegers vom Institut Spielraum an der Fachhochschule Köln haben Ihre Fragen rund um das Thema „Videospiele“ beantwortet.
Was tun, wenn das eigene Kind zu viel "World of Warcraft" spielt? Verbote können ja nicht durchweg eine Lösung sein, wenn man von den Kindern ernst genommen werden will. Wie geht man als verantwortlicher Elternteil mit dem Thema "Videospiele" um? Dadurch kommen oft auch viele Fragen auf, die Informationen bleiben vor lauter Schlagworten aber mitunter auf der Strecke.
Das Institut Spielraum beschäftigt sich mit medienpädagogischen Fragestellungen rund um Computer- und Videospiele. Dazu gehören Fort- und Weiterbildungsangebote für Pädagogen, Informationsabende für Eltern und Veranstaltungen mit Schülerinnen und Schülern.
Gemeinsam mit Netzwerkpartnern aus der ganzen Bundesrepublik konzipiert man den Inhalt der Schulungen und erstellt Unterrichtseinheiten, die es Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen sollen, mit Schülerinnen und Schülern am Thema zu arbeiten.
Sind Videospiele gefährlich und brutal? Können sie Kinder in positiver oder negativer Hinsicht beeinflussen? Wann fängt die Sucht an? Eine pauschale Verurteilung oder Verherrlichung von PC- und Videospielen im Zusammenhang mit Gewalttaten scheint normal geworden zu sein. Ein Problem, das nicht nur die Spieler als solche betrifft, sondern auch Eltern minderjähriger Spieler - und das muss man angehen. Wir haben uns deshalb professionelle Unterstützung von Horst Pohlmann und Jürgen Sleegers, Diplom-Pädagogen vom Institut Spielraum an der Fachhochschule Köln, geholt. Die heutigen Fragen beantwortet Jürgen Sleegers.
Frage 1:
Sehr geehrte Damen und Herren, ich finde diese Aktion wirklich sehr gut und würde gerne eine Frage stellen.
Ich bin Vater eines 15-Jährigen und sehr stolz darauf, dass sich mein Sohn kreativ betätigt. Er zeichnet und liest viel. Seit einiger Zeit spielt er jedoch immer mehr Videospiele. Ich habe ihm vor einem Jahr eine Xbox 360 zum Geburtstag gekauft. Er spielt jetzt jedoch viel mehr als noch vor zwei, drei Monaten und vernachlässigt dabei seine anderen Hobbys. Ich möchte ihm das Spielen aber nicht verbieten, nur würde ich ihn auch gerne wieder zu seinen kreativeren Hobbys zurückbringen.
Wie fange ich das an, ohne ihm das Gefühl zu geben, dass er fürs Spielen bestraft wird?
Ich bedanke mich für Ihre Zeit und hoffe, dass Sie mir helfen können.
Mit freundlichen Grüßen, der Klaus
Antwort:
Hallo Klaus,
den ersten richtigen Schritt haben Sie bereits unternommen: Sie interessieren sich dauerhaft dafür, was Ihr Sohn macht. Wichtig bleibt zu beobachten, ob das gesteigerte Interesse an den Spielen lediglich eine Phase ist und ob Ihr Sohn seine anderen Hobbys, Aktivitäten mit Freunden und der Familie aufgibt oder nur zeitweise vernachlässigt. Wichtig wäre hier auch die Frage, ob er nur alleine vor der Spielkonsole hockt oder sein neues Hobby gemeinsam mit seinen Freunden teilt. Ein Ansatz wäre auch, sich die Spiele einmal zeigen zu lassen, selber mitzuspielen und sich erklären zu lassen, was Ihren Sohn an den Spielen fasziniert, was ihm Spaß macht, wann und warum er sie spielt.
Das Spielen kann auch eine sehr kreative Beschäftigung sein. So „boomen“ in letzter Zeit Musikspiele, bei denen man herausfinden kann, ob man ein gewisses musikalisches Talent hat. Hier werden Lieder nachgesungen oder mit Gitarre und Schlagzeug bekannte Rocksongs nachspielt. Bei der Xbox und anderen Videospielkonsolen sind die kreativen Möglichkeiten im Vergleich zum Computer jedoch eingeschränkt. Handelt es sich bei den Konsolen doch nahezu um reine Spielgeräte, bietet der Computer weitere Nutzungsmöglichkeiten. Vielleicht ließe sich das Interesse an virtuellen Spielwelten mit dem kreativen Potential Ihres Sohnes kombinieren. Mit Bildbearbeitungs-, Animations- oder Videoprogrammen können beispielsweise eigene Zeichnungen und Ideen zum Leben erweckt werden.
Auf jeden Fall sollten Sie Ihren Sohn weiterhin ermutigen, sein kreatives Potential und auch die Interessen an anderen Tätigkeiten nicht zu verlieren. Überdies sollten klare Nutzungszeiten regeln, so dass noch genügend Zeit für andere Interessen und Aktivitäten übrig bleibt.
Frage 2:
Guten Tag,
welche Alternativen zum Computerspiel hat ein 14-jähriger Junge? Und wenn er nicht will? Wie schaffen es die Eltern beispielsweise, Interesse an Experimentierkästen, Erfahrungen mit Elektronik oder den praktischeren Seiten eines Computers zu wecken?
Josef Mrowetz
Antwort:
Hallo Herr Mrowetz,
die Alternativen zu Computerspielen sind vielfältig. Denken Sie nur einmal an Ihre eigene Jugendzeit zurück, in der Sie sicherlich viele spannende Dinge gemacht haben, die nichts mit Computerspielen zu tun hatten. Entsprechend gibt es auch heute zahlreiche Möglichkeiten wie Sport im Verein oder Aktivitäten mit Freunden. Aber schauen Sie auch einmal, ob es in Ihrem Wohnort Jugendeinrichtungen gibt, in denen Computer(spiel)-Gruppen angeboten werden. Diese Angebote sind in aller Regel medienpädagogisch begleitet und fördern nicht nur das gemeinschaftliche Spielerleben mit anderen, es werden auch Alternativen aufgezeigt, wie der Computer spielerisch kreativ genutzt werden kann. Von der eigenen Fotostory oder Machinimas (kleine Videofilme, die mit von speziellen Computerspielen erstellt werden) über die digitale Bildbearbeitung hin zum Erstellen eigener Handy-Klingeltöne oder eines eigenen Trickbox-Trickfilms sind die Möglichkeiten riesig, die ein normaler Computer und viele (auch kostenlose) Programme heute bieten. Auch ein USB-Computer-Mikroskop oder Systeme wie Lego Mindstorms (programmierbarer Legostein mit Elektromotoren, Sensoren und Lego-Technik-Teilen) sind vielseitig nutzbar. Interesse schaffen Eltern dadurch, dass sie sich selber dafür interessieren und mit Lust und Begeisterung mitmachen. Suchen Sie doch einmal gemeinsam mit Ihrem Sohn in Spielen wie „BridgeBuilder“ oder „Crazy Machines“ nach einer Lösung und überlegen sich im Anschluss, ob man den „virtuellen Versuchsaufbau“ in einem realen Experiment nachstellen könnte.
Wenn Ihr Sohn zu all dem keine Lust hat, sollten Sie dennoch nicht gleich aufgeben. Wichtig wäre hier, dass Sie feste Regeln für das Spielen vereinbart haben. Mit festen Computerzeiten verhindern Sie, dass Ihr Sohn nur noch diesem Hobby nachgeht.
Frage 3:
Guten Tag,
mein Mann und ich sind begeisterte Spieler. Wir spielen beide gerne Titel wie Guitar Hero, Halo oder Burnout. Ich schaue meinem Mann auch gerne beim Spielen zu und spiele dabei mit unserer zweijährigen Tochter. Nun zu meiner Frage: Kann das Folgen haben, wenn ich mit ihr im selben Raum spiele, während mein Mann im Hintergrund Titel wie Halo oder CoD spielt? Sie schaut da ab und zu mal hin, aber ich bin mir nicht sicher, ob das nun etwas ausmacht.
Vielen Dank für Ihre Zeit,
g.amergirl
Antwort:
Hallo g.amergirl,
in Spielen wie Halo oder Call of Duty (CoD) „spielen“ Bedrohungsszenarien eine zentrale Rolle, und diese werden sowohl visuell als auch akustisch präsentiert. Sie werden in dieser Form auch schon von kleinen Kindern als Bedrohung wahrgenommen. Entsprechend sollte Ihre kleine Tochter diesen Reizen auf keinen Fall ausgesetzt sein. Gerade Kinder in diesem Alter beschäftigen sich mit ihrer Bezugsperson und fordern ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Oder sie beschäftigen sich auf ihren ersten „Entdeckungsreisen“ krabbelnd oder schon laufend mit sich und ihrer Umwelt. Neben den Eindrücken, die von den beschriebenen Spielen ausgehen, sollten Sie auch auf die Wirkung anderer Medien wie Film, Fernsehen und Musik achten.
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Wen solche Probleme beschäftigen, der kann sich an uns wenden. Wenn Sie Fragen, Probleme oder Kritik an der heutigen Spielsituation haben, dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an games@derwesten.de. Wir sammeln Ihre Fragen. Herr Pohlmann und Herr Sleegers beantworten einige davon hier auf DerWesten.de in einem umfassenden Artikel, den wir jeden Monat veröffentlichen.
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16:59
Bei solchen Fragen der Eltern wundert sich da noch einer über die Verdummung der Jugend ?
Wenn Erwachsene so saubblöde Fragen stellen.
Warum saublöd ?
Diese Fragen kann ich (29) mit meinem gesunden Menschenverstand beantworten, da brauch ich keinen Pädagogen.