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Mann gegen Akku

28.07.2010 | 16:30 Uhr
Mann gegen Akku

Mit einem Knacken klappt der Laptop auf und Millionen kleiner Pixelpunkte strahlen mich erwartungsvoll an. Ich ignoriere die mir entgegengebrachte Erwartungshaltung so gut es geht und klicke stoisch auf der Maus herum, bis sich endlich das Textprogramm öffnet.

Eine Wand aus jungfräulichem weißem Licht öffnet sich eine Armlänge vor mir und beginnt unverzüglich mit seiner unerträglichen Nerverei.  

"Na, da schau mal einer an! Ist der feine Herr zum Schreiben vorbeigekommen, ja? Sind wir mal wieder dran mit unserer Kolumne, he? Hast den Scheiß mal wieder hübsch vergessen, vier Wochen lang, nicht? Bis zum letzten Tag hast du Idiot wieder gewartet, damit auch bloß keine Möglichkeit besteht, das Ding rechtzeitig fertigzukriegen. Du wirst ALT, Mann! Gut werden deine Texte eh nur noch aus Versehen! Und dann auch noch diese Haare!

Der Eremit und ich (Untertitel: Shizophrenie)

Natürlich sagt die Seite nichts von alledem, zumindest nicht laut. Dass ich die Stimme dennoch leise in meinem Kopf hören kann, liegt wohl an meinen besonders guten Ohren. Normalerweise würde ich ihr Recht geben und den Laptop wieder zuklappen. Kann ich aber nicht. Ich bin dran mit der Kolumne. Der verdammten Kolumne. F*** K. Am Dienstag. Wie immer.

Stets das gleiche Spiel bei mir und meinen drei geschätzten Kolumnenkollegen. Man weiß den Abgabetermin einen Monat im Voraus. Man nimmt sich edelmütig vor, an dem einen oder anderen Tag der nächsten Wochen früh aufzustehen, seine Gedanken mal so richtig zu sammeln, die Finger knacken zu lassen und nicht mehr mit dem Schreiben aufzuhören, bis jeder Satz feingeschliffen und blankpoliert vor einem liegt. Wie wahnsinnig würde man schreiben, gleich zwei Seiten, ach, FÜNF! Kolumnen am Stück durchhacken und im Anschluss vielleicht noch den einen oder anderen Roman drauflegen.

Man schafft es nie. Selbst wenn es tatsächlich gelingt, früh aufzustehen, kommt man schon auf dem Weg zur Kaffeemaschine zu der Erkenntnis, dass der Boden wirklich mal gewischt werden sollte. Ein bisschen Klamotten waschen, das Geschirr fängt auch schon an zu stinken und ohnehin: Nach einem guten Nachmittagessen fällt das Schreiben sicher viel leichter. Irgendwann ist es abends und man hat den ganzen Tag "Bad Company 2" gespielt. Diesmal allerdings, das verspreche ich hoch und heilig, bin ich völlig unschuldig!

Weiter zur kompletten Kolumne.

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Simon Krätschmer

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