Gewaltspiele: Leser sagen ihre Meinung
16.03.2009 | 13:44 Uhr 2009-03-16T13:44:00+0100Im Zusammenhang mit unserer Aktion „DerWesten fragt Politiker“ erreichten uns einige Mails und Leserbriefe. Einen haben wir heute zum Leserbrief des Monats auserwählt und stellen die Meinung von Julian Daheim über das Thema „Gewalt in Videospielen“ vor.
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Viele wollten im Rahmen unserer Aktion Fragen an die vorgestellten NRW-Politiker stellen. Einige Leser haben uns aber auch aus einem anderen Grund geschrieben: Sie wollten einfach einmal über die Thematik sprechen. Da die "Killerspiel"-Debatte viele Menschen beschäftigt, möchten wir die Meinungen unserer Leser gerne auch der Öffentlichkeit präsentieren. Der heutige Leserbrief ist von Julian Daheim:
Ich möchte mich in dieser E-Mail zur Problematik der so genannten "Killerspiele" äußern und einige Denkanstöße für politisch ausführbare Maßnahmen geben.
Vorneweg sei gesagt, dass ich mich explizit auf gewaltveranschaulichende Videospiele beschränken werde, da die Hauptthese der Problematik sich daraus definiert, dass diese Form von Entertainment sich negativ auf die Entwicklung und gesellschaftliche Kompetenz Jugendlicher auswirkt.
Für viele Menschen heutzutage ist es der normale Alltag, nach der Schule oder der Arbeit eine Runde PC oder Konsole zu spielen. Einige dieser Spiele verherrlichen Gewalt in einer bestimmten Form. Um diese für Kinder und Jugendliche unzugänglich zu machen, bestehen unsere gesetzlichen Regelungen im Jugendschutz. Unsere aktuelle gesetzliche Regelung ist größtenteils stabil und lässt kaum Raum für Grauzonen. Die Spiele sind meist extrem geschnitten und auf den deutschen Markt angepasst, so dass es also keinen Verstoß in anderer rechtlicher Hinsicht geben kann. Das zuständige Amt leistet hier hervorragende Arbeit. Ein gutes Beispiel dafür sind die kompletten Verbote der Videospiele "Postal" und "Manhunt". Ebenfalls gegeben sind die außerordentlich harten Bestrafungen für Verantwortliche im Betrieb einer Verkaufsstelle. Da ich einmal stellvertretend einen Videospiel-Fachhandel geleitet habe, weiß ich, dass es beim illegalen Verkauf nicht jugendfreier Spiele den Verkäufern regelrecht an den Kragen geht.
Wie also kommt es, dass so viele Jugendliche und Kinder Spiele ohne Jugendfreigabe spielen? Die Antworten sind: illegale Downloads der Software, was nur in geringer Form kontrollierbar ist, schlechte Aufklärung der Eltern und die Möglichkeit, Spiele ohne Jugendfreigabe privat zu verschenken oder zu verkaufen. Letzteres ist ungefähr genauso schlecht zu kontrollieren wie die illegalen Downloads.
Der Schwerpunkt neuer Initiativen muss also darauf gelegt werden, dass es sich Eltern nicht mehr erlauben können/ möchten, ihr Kind dieser Form von Entertainment auszusetzen. Hier begegnen wir einer der Grauzonen: Ein Vater kauft seinem nicht volljährigen Kind ein nicht jugendfreies Videospiel. Der Verkäufer kann also nicht darüber urteilen, was mit dem Spiel nach Erwerb passiert. Die einzigen Möglichkeiten zu verhindern, dass Eltern ihren Kindern Videospiele ohne Jugendfreigabe kaufen, sind die Aufklärung und ein besseres Hinweissystem. Zum Beispiel könnte man die Labels der USK um einiges vergrößern und einen zusätzlichen Hinweistext für die Eltern verfassen. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Videospiele ohne Jugendfreigabe in einem separaten Raum auszustellen. Dieser sollte natürlich nur für Volljährige betretbar sein, ähnlich einer Videothek.
Nun möchte ich Ihnen von meiner Erfahrung mit gewaltverherrlichenden Videospielen erzählen. Ich bin 20 Jahre alt und zurzeit Zivildienstleistender, nebenbei hole ich mein Abitur per Fernstudium nach. Ich spiele gerne und oft Videospiele. Auch jene mit gewaltanschaulichen Inhalten. Für mich jedoch hat der Grad der Gewalt in einem Videospiel eher geringen Stellenwert. Der Reiz dabei ist der sportliche Wettkampf, wie beim Schach spielen oder ähnlichem. Bis jetzt spüre ich keinerlei negative Auswirkungen meines Videospielhobbys. Alles, was ich dabei auszusetzen habe ist, dass man sitzen muss und sich so einer körperlichen Anstrengung entzieht. Ich kann jedoch positiv bemerken, dass sich meine Konzentrationsfähigkeit um ein Vielfaches erhöht hat und meine Reaktionen im Alltag gewiss schneller wurden. Ebenso fühle ich, dass das logische Denken, sinnvolle Zusammenhänge und Lösungswege im Alltag schneller zustande kommen.
Dies ist meine Erfahrung, und ich teile diese mit großen Teilen meines Freundeskreises.
Die Statistik zeigt, dass von Videospielen eine geringe Gefahr ausgeht. In lediglich drei Fällen stand der Videospielkonsum in Verdacht damit, Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung der Täter gehabt zu haben.
Meiner Ansicht nach liegt die persönliche Entwicklung eines Menschen in den Händen der Pädagogen und Eltern. Ich denke nicht, dass extreme Zensur und das komplette Verbot gewaltverherrlichender Videospiele Ziel und Sinn der Politik sein können. Den Bürgern muss eine gewisse Selbstverantwortung zustehen. Um Gewalttaten zum allergrößten Teil zu verhindern, benötigt es schon einen Überwachungs- und Polizeistaat, der nicht mit demokratischen Werten vereinbar wäre. Was ich damit sagen möchte ist, dass es uns in einer Demokratie nicht möglich sein wird, den Menschen so einzuschränken, dass seine Entwicklung und gesellschaftliche Integration einem gelenkten Bild entsprechen. Dies ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass es zum allergrößten Teil dem Bürger überlassen sein muss, welche Form von Informationen er/ sie zu sich nimmt, wie er/ sie diese verarbeitet und auf die Realität einwirken lässt.
Diese ganze Debatte ist mittlerweile ein Armutszeugnis der verantwortlichen Brandherde. Es sieht für den Beobachter so aus, als wolle die Politik gezielt Besitz vom Bürger ergreifen und von realen, wichtigen Problemen ablenken. Ich denke doch, dass es gerade zu Zeiten des Irak-Kriegs, des Terrorismus, internationaler Konflikte sowie der Ressourcen-Verrinnung weitaus wichtigere innen- und außenpolitische Probleme zu bewältigen gibt als die Videospiel-Problematik. Zumal diese natürlich auch in Relationen steht: Ein Kind mit Zugriff auf den Fernseher und gewaltveranschaulichende Programme hat das gleiche Informationspotenzial wie ein Videospielfan. Und noch gefährlicher ist eine nicht ausreichende Aufklärung im Angesicht von virtueller oder realer Gewalt. Denn wir alle haben potenzielle Mordwaffen in der Küche, und die heutigen Bild-Schlagzeilen und Nachrichtenprogramme entziehen sich genauso wenig der Veranschaulichung von Gewalt wie die Videospielbranche, die nebenbei erwähnt ökonomisch gute Zahlen schreibt.
Also warum viele Böcke zum Gärtner machen und sich den bisher harmlosesten zur Brust nehmen? Wären nicht alle Böcke gleich zu bestrafen/ einzuschränken?
Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Zeit und bitte Sie, im Sinne der liberaldemokratischen Werte zu entscheiden/ handeln und hoffe darauf, dass wir uns alle gegen Zensur aussprechen, so dass wir uns sogleich wichtigeren Problemen widmen können.
Mit freundlichen Grüßen,
Julian Daheim
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12:41
http://freisein.files.wordpress.com/2007/01/killerargumente.pdf
Diese Argumente von Tim Reichert (29.12.06)machen die Debatte lächerlich ..
10:02
@Julian
1. die Gesellschaft verroht durch nicht durch echte Gewalt, sondern echte Gewalt ist Teil unserer Gesellschaft
2. Doppemoral - Politiker beschliessen Bundeswehreinsätze nicht weil sie vom Sinn überzeugt sind, sondern als verlässlicher NATO - Partner dastehen wollen
3. @ einige Kommentare sind so zu unterschreiben, aber eins muss man auch sagen die Spiele werden immer realistischer und wir wissen nicht wie das auf Kinder wirkt. Ich kann mich an meine erste Konsole errinnern . bin jeztzt 33 da konnte man echt und virtuell noch unterscheiden. Diese ganzen jungen Technologien überfordern alle Generationen, meiner Meinung nach. Wer weiss vielleicht heisst es in 15 Jahren das Handystrahlen und Wireless Internet über Jahre das Gehirn schädigen... früher hat man Asbest verbaut - heute weiss man mehr darüber, es wurde Amalgam in die Zahne geplombt - heute weiss man mehr , usw.. Den Politikern sollte man sowieso nicht alles glauben, aber man sollte auch nicht alles was aus der Technologie auf die Märkte strömt heilig sprechen, da viel Mist gebaut wird aus reiner Profitgier. Die Menschen sind denen doch egal, Hauptsache Gewinne Gewinne Gewinne.... Goofy aus
09:10
Mich nervt an der ganzen öffentlichen Diskussion der - wie immer - nach Wählerstimmen gierende blinde Aktionismus der Politiker. In erster Linie stehen die Erziehungsberechtigten in der Verantwortung darüber zu wachen, ob Ihre Kinder altersgerechte Filme und Spiele konsumieren. Dies bezieht sich nicht nur allein auf den käuflichen Erwerb, sondern der überwiegende Teil wird durchRaubkopien, Ausleiehen, etc. in den Umlauf gebracht. Da muss man als Elternteil schon mal genauer hinschauen, auch auf den Freundeskreis und deren Vorlieben. Dies jedoch öffentlich zu fordern, ist unpopulär und kostet Wählerstimmen, das es immer schwierig ist , jemandem den Spiegel vors Gesicht zuhalten und zu sagen: Die Person im Spiegel ist verantwortlich für die Entwicklung des Kindes!
08:59
Was regt ihr euch auf? Wir verbieten unseren Kindern Gewaltspiele und mit 18 Jahren lernen sie beim Bund, wie man richtige Menschen mit richtigen Waffen tötet...
06:55
Manches Mal habe ich das gefühl, das hier durchgeknallte Schwachmaten posten..(sorry@Moderation)
Gestern Abend in Logo-TV auf KiKa ( die Nachrichtensendung für Kinder vom ARD/ZDF)
Wurde ein anständiger Kommentar zu Amoklauf & Killerspiele gesendet.
Ich zitiere mal frei:
Allein Killerspiele / Computerspiele sind kein Auslöser für ..sowas.. Es spielt auch eine sehr wichtige Rolle wie die Person im Umfeld ist...hat sie Probleme in der Schule, mit Mitschülern, Zuhause mit Eltern / Geschwistern...
..es gibt Menschen die können sich bei Spielen entspannen..es gibt Menschen, die machen solche Spiele aggressiver..
Und so weiter.
Alleine die Tatsache,das eine Person Computer benutzt oder Killerspiele macht,bescheinigt ihm noch nicht das er im nächsten Moment mit einem Schwert befaffnet rumläuft
In diesem Zusammenhang muß ich einigen anderen Kommentaren Recht geben:
Die Täter haben am Vorabend/Morgns eine Wurststulle gegessen-verbietet Wurststullen.
oder:
Der Typ der mit 190 Km/h in der Spielstrasse besoofenen ein Kind überfahren hat, hat vorher Need for Speed gespielt und Formel 1 geschaut: Verbietet Alkohol, Need for Speed, Formel 1,Alkohol und am besten gleich Autos.
Der Bankräuber,der auf seiner Flucht 2 Menschen erschossen hat, hat am Vorabend Kleingeld gezählt und seinen Steuerbescheid erhalten: Verbietet Kleingeld und Steuerbescheide.
Merkt ihr nun mal eure Dummheit was Killerspiele angeht ?
Nicht das Spiel ist entscheidend,sondern die Person und das gesammte psychologische Umfeld.
22:34
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13:42
Sehr guter Brief. Es ist vedammt schwer bei den, teils an den Haaren herbeigezogen, Argumenten gegen Killerspiele ernst und sachlich zu bleiben.
Zum einen weil ich mich perönlich angegriffen fühle. Ja ich spiele gerne Counter-Strike, Call of Duty oder mal Postal. Warum nur habe ich dann Zivildienst geleistet? Warum bin ich gegen den Irakkrieg? Genau: Weil ich ein erwachsener souveräner Mensch bin, der Fiktion und Realität sehr gut unterscheiden kann. Mittlerweile bin ich schon der Meinung, sogar wesentlich besser, als die Leute die ständig nach Verboten rufen.
Wer die digitalen Medien einschränken will, soll dann auch bitte so genau sein, und Fernsehen, Zeitung und am besten Denken auch zu verbieten.
Und solange ich wegen Videospielen für verroht, sozial inkompetent und als potentieller Amokläufer hingestellt werde kann ich nur antworten:
Stimmt, Wolfentstein ist den zweiten Weltkrieg schuld, ohne Stranglehold hätte es keine Kreuzzüge gegeben und Jack the Ripper hat zu viel Postal gezockt.
07:36
Und was hat Bush und was haben seine Drahtzieher für ein Spiel gespielt?
9/11 ist doch in der offiziellen Darstellung eine totale Verarschung der Welt und bis heute jault kaum keiner auf. Aber beißen wir uns ruhig weiter an Nichtigkeiten fest und lassen uns davon ablenken, was wirklich geschieht.
23:00
genau,
Schluss mit Computerspiele jeglicher Art!
erst zockt Witteke eine Rennsimulation, dann der Althaus Wintergames, die Ergebnisse sind ja bekannt..........