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Gran Turismo 5 Prologue

Eine Ode an den Real Driving Simulator

31.03.2008 | 13:12 Uhr
Eine Ode an den Real Driving Simulator

Ein Artikel aus der Sicht eines "Grand Turismo"-Liebhabers. Wir haben einen ehrlichen GT-Fan zu Wort kommen lassen. Eine unkritische Sichtweise oder einfach: Ich mag Gran Turismo...

Ich mag Autos. Ich mag ihre aerodynamischen Formen und aggressiven Gesichter. Ich mag das Röhren von blubbernden V8-Motoren ebenso wie das Kreischen japanischer Tuningkisten. Und da ich leider Gottes nicht die Mittel habe, mir einen schnellen, sportlichen Wagen zu kaufen, mag ich Rennspiele. Rennspiele geben mir die Möglichkeit, die faszinierendsten Autos des Erdballs zu fahren - wenn auch nur am Bildschirm. Aber in der Not frisst der Teufel eben Fliegen.

Ein Frischling fährt an die Spitze

Das erste Spiel, welches die Faszination am Autofahren so vermittelte, wie ich sie definiere, war "Gran Turismo" für die PlayStation. So real und authentisch wurden Autos noch nie zuvor dargestellt - und damit meine ich nicht nur ihr Erscheinungsbild, sondern auch ihr Fahrverhalten. Hier konnte man nicht mit Vollgas in eine Kurve hineinbrettern und erst dann bremsen, nein. Stattdessen musste man vor der Kurve abbremsen, dann von außen sachte zur Kurveninnenseite hinsteuern und erst nach dem Scheitelpunkt der Kurve langsam wieder beschleunigen. Wow, genau wie in einem richtigen Auto.

Zudem fand ich es außergewöhnlich, dass Gran Turismo nicht nur Sportwagen beinhaltete, sondern den Spieler auch in alltäglichen Mittelklassewagen auf die Piste schickte. Da gab's einen Honda Civic, einen Toyota Corolla oder einen Subary Legacy als Kombi. Ein Kombi in einem Rennspiel? Verrückt.

Leider mochte ich die PlayStation damals nicht. Ich war ein eingefleischter Nintendo-Fan. Schließlich konnte das Nintendo 64 Texturen weichzeichnen und nervte nicht wie die Sony-Kiste mit groben Pixelblöcken. Aus diesem Grund brauste auch der Nachfolger mehr oder weniger spurlos an mir vorbei. Lediglich bei Freunden drehte ich hin und wieder eine Runde mit dem Real Driving Simulator, der damals noch gar nicht so hieß.

Neue Konsole, neues Glück

Gran Turismo 5 Prologue

Erst drei Jahre nach dem Release des Erstlings nahm ich aktiv am "Gran Turismo"-Phänomen teil. Da erschien nämlich der dritte Teil für die PlayStation 2, und der sah schlicht umwerfend aus. Autos mit perfekten Proportionen und einem unglaublich echt wirkenden Lack, fotorealistische Strecken mit atemberaubenden Licht- und Schattenspielen, und dann lief das ganze auch noch superflüssig! Ja, ich gebe zu, ich lass mich gerne von schöner Grafik ködern. Aber in "Videospiel" steckt schließlich das lateinische Wort "video", zu deutsch "ich sehe". Ich muss mich also gar nicht rechtfertigen. Das Auge isst mit.

Außerdem war "Gran Turismo 3" auch spielerisch ein großer Schritt Richtung Realismus. Die schärfere Optik und die höhere Bildrate ermöglichten eine genauere Rückmeldung vom Fahrzeug zum Spieler. Jetzt waren noch präzisere Manöver möglich.

Als ich das Ganze mit dem neuen Force-Feedback-Lenkrad genießen durfte, war ich endgültig überzeugt. In Kurven und beim Überfahren der Curbs übte das Lenkrad Druck aus und machte den Grenzbereich sprichwörtlich greifbar. Verlor der Wagen beim Einlenken die Traktion, merkte man das nicht nur am Quietschen der Reifen, sondern auch am Ausbleiben des Lenkrad-Drucks. Wer schon mal mit einem Ford GT40 aus den 70ern über den Detroit-Stadtkurs gebraust ist und aus jeder Schikane die letzten Hundertstel herausgequetscht hat, weiß Bescheid. So etwas kannte ich bis dato nur aus der Spielhalle.

Die Anderen

Das mag nun alles wie das Loblied eines verblendeten Fans klingen, aber "Gran Turismo" war nun mal die erste richtige Rennsimulation für eine Konsole. Andere Entwickler wollten ein Stück vom Kuchen abhaben und sprangen schnell auf den Realismus-Zug auf. So schickten im Jahr 2000 Bizarre Creations mit "Metropolis Street Racer" eine respektable Dreamcast-Simulation ins Rennen, die wagemutige Fahrmanöver wie Drifts und Sprünge mit Punkten belohnte. Und 2005 rief Microsoft "Forza Motorsport" ins Leben, um Rennspielfans ins Xbox-Lager zu locken. Beides waren hervorragende Titel, die heute noch Ableger produzieren und unter Bleifüßlern einen guten Ruf genießen.

Auch ich hatte mit diesen beiden Serien viel Spaß und erkenne ihre Qualitäten an. Aber für mich steht nach wie vor "Gran Turismo" an der Spitze der Rennspiel-Nahrungskette. Es ist dieser einzigartige Hochglanz-Look, den manche vielleicht als trist und öde bezeichnen. Es ist die riesige Fahrzeugauswahl, die manche aufgrund der langsamen Karren für übertrieben halten. Und es ist die erwachsene, fast etwas biedere Art der Präsentation, die manchen nur ein Gähnen entlockt. All das sind Dinge, die ich an dieser Serie schätze. "Gran Turismo" ist kein aufgepimpter Super-Racer mit wilden Crashes, krachenden Explosionen und wummernden Hip-Hop-Beats. "Gran Turismo" richtet sich an Autoenthusiasten, die ein möglichst authentisches Fahrgefühl suchen.

Sony wirft den Köder aus

Jetzt endlich, vier Jahre nach dem letzten Ableger, geht der Real Driving Simulator in die nächste Runde - oder besser gesagt: ins Qualifying. "Gran Turismo 5 Prologue" ist eigentlich nicht mehr als eine kostenpflichtige Demo, die trotz des stattlichen Umfangs (70 Autos, sechs Kurse) nur einen Bruchteil des finalen Spiels darstellt.

Gran Turismo 5 Prologue

Meine Meinung zu dieser "Prologue"-Version ist zweigeteilt. Auf der einen Seite freue ich mich, endlich Hand an die neuste "GT"-Episode legen zu können, auf der anderen Seite sind gut 40 Euro für eine Demo ziemlich happig. Ich mache Freudensprünge, dass nun auch Ferrari mit an Bord ist, ärgere ich aber noch über das Fehlen der Marken Porsche und Lamborghini.Und auch bei aller Euphorie über den neuen Online-Modus, der uns eigentlich schon für den vierten Teil versprochen wurde, wahre ich meine Skepsis. Denn in "Gran Turismo 5 Prologue" gibt es (wieder einmal) kein Schadensmodell, das rammende und schubsende Chaoten für ihre unsportliche Fahrweise bestrafen könnte. Okay, Abkürzer, Drängler und Bandenknutscher werden mit einer temporären Drosslung des Motors bestraft, doch die Betonung liegt auf temporär. Ob dieses System für saubere Rennen sorgen kann, bleibt abzuwarten.

Geduld ist eine Tugend

Apropos abwarten: Noch immer gibt es keinen Release-Termin für das finale "Gran Turismo 5". Es wäre nicht einmal verwunderlich, wenn Sony irgendwann verkündet, das Ding erscheint erst 2009 - alles schon mal dagewesen.

Ich für meinen Teil habe mich schon an die Warterei gewöhnt. Denn ich weiß, am Ende werde ich belohnt mit denkwürdigen Spielerfahrungen. So wie die, als ich in "Gran Turismo 4" zum ersten Mal über die Nordschleife bretterte. Oder die, als ich zum ersten Mal mit dem Force-Feedback-Lenkrad über die Nordschleife bretterte. Oder die, als ich zum ersten Mal mit Freunden ein PlayStation2-Netzwerk zum Laufen brachte und wir zu viert über die Nordschleife bretterten - jeder mit seinem eigenen Force-Feedback-Lenkrad. Das sind Momente, in denen ich in Gedanken sage: "Ich mag 'Gran Turismo'."

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Carsten Grauel

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