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Am Fluss der Zeit

Drakensang: Rückkehr nach Aventurien

27.11.2009 | 17:00 Uhr

Wenn alteingesessenen Pen&Paper-Rollenspiel-Veteranen bei einem Videospiel die Tränen in den Augen stehen, kann es sich dabei nur um eines handeln: „Drakensang: Das Schwarze Auge“. Wir waren bei Radon Labs, den Entwicklern, zu Gast und haben den zweiten Teil „Am Fluss der Zeit“ angespielt.

Video
Entwickler-Video zu Drakensang: Am Fluss der Zeit

Wirklich damit gerechnet hat eigentlich niemand. Nicht einmal die Entwickler. „Drakensang: Das Schwarze Auge“ war das wohl ehrgeizigste Projekt der Radon Labs und auch, wenn man vom eigenen Produkt überzeugt war, wusste man nicht so recht, wie das Spiel denn letzten Endes ankommen würde. Nach der Fertigstellung des Spiels war sich das Team um Creative Director Bernd Bayreuther nicht einmal sicher, ob es überhaupt eine Fortsetzung geben würde. Die Ideen waren da, und auch das Universum von „Das Schwarze Auge“ bot genügend Stoff. Es kam eigentlich nur noch darauf an, ob man einen Hit landen würde oder aber ein ähnliches Schicksal wie viele andere deutsche Produkte erleiden musste.

Prequel im Sequel

Wie sich herausstellte wurden sämtliche Erwartungen bei weitem übertroffen: Man schaffte es mit den drei Fassungen des Spiels die Top Drei der deutschen Software-Charts zu besetzen und verwies manch anderen großen Titel auf die hinteren Ränge. Es war also so weit: Die Entwicklung einer Fortsetzung konnte beginnen. Doch Erfolg verpflichtet und so lag es nun an dem Team zu beweisen, dass man mehr war als eine Eintagsfliege, ein One-Hit-Wonder. Wir haben uns ein wenig in Aventurien ausgetobt um euch darüber berichten zu können, ob der große Wurf ein weiteres Mal gelingen könnte.

Story-technisch handelt es sich bei „Am Fluss der Zeit“ um ein Prequel im Sequel. So ist die eigentliche Handlung in eine Erzählung des Zwergen Forgrimm eingebettet, welcher Spielern des ersten Teils bekannt vorkommen sollte. In dieser gibt es selbstverständlich ein Wiedersehen mit alten Bekannten, welche nun ein paar Jahre weniger auf dem Buckel haben. Manch ein Jüngling des Debüt-Titels ist hier noch ein kleines Kind, und wer im ersten „Drakensang“ schon das Zeitliche gesegnet hatte, erfreut sich in der Fortsetzung bester Gesundheit. Im Großen und Ganzen hat sich jedoch nicht allzu viel geändert. Vor allem was den Stil angeht, hebt man sich weiterhin stark vom Genre-Konkurrenten „Dragon Age: Origins“ ab. Während dieses ein Low-Fantasy-Epos mit düsterer Atmosphäre und einer Menge Blut ist, kommt „Drakensang: Am Fluss der Zeit“ sehr viel freundlicher und bunter daher. Wer sich gerne in der Mythologie von „Das Schwarze Auge“ verliert, wird auch hier seinen heiligen Gral finden. Man lässt sich alle Zeit der Welt, um all jenen Charakteren mehr Tiefe zu verleihen, die im Erstlingswerk zu kurz kamen und bleibt sich selbst treu. Doch ist dies vielleicht sogar der wohl größte Kritikpunkt, den viele an der Fortsetzung finden werden.

Treue zum Vorgänger

Abgesehen von einem grafischen Update und einer neuen Geschichte, sind die vorgenommenen Änderungen und Neuerungen eher oberflächlicher Natur. Das Interface wurde ein wenig überarbeitet, das Schiff der eigenen Party dient als großer Dreh- und Angelpunkt der Erkundung der Welt, aber wirkliche Quantensprünge sucht man hier vergebens. Während das erste „Drakensang“ noch eine gewisse Innovation lieferte, indem man ein lange Zeit vernachlässigtes Genre, das rundenbasierte Party-Rollenspiel, bediente, wirkt „Am Fluss der Zeit“ mehr wie ein nettes Add-On als eine konsequente Weiterentwicklung. Mehr „Left 4 Dead 2“ als Neuerfindung des Rades. Was vielen ein Dorn im Auge sein könnte, wird für Fans des ersten Teils wahrscheinlich eines der entscheidenden Kaufargumente sein. Immerhin erfreut sich das Pen & Paper-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ schon seit mehr als 20 Jahren einer lebendigen Community, deren Großteil im ersten „Drakensang“ eine kleine Offenbarung sah. Es war nicht das erste Mal, dass man sich dem Spiel, welches 1984 sein Debüt feierte, annahm. Der Überraschungshit des letzten Jahres konnte jedoch vor allem durch eine hohe Detailverliebtheit und Treue zum Ursprungsmaterial überzeugen. Genau dies kann man auch guten Gewissens von „Am Fluss der Zeit“ behaupten.

Es ist fraglich, ob es das neuste „Drakensang“ schaffen wird, den großen Vorgänger in den Schatten zu stellen. Immerhin ist es ein ziemlich großes Erbe, welches man antreten muss. Sicher ist jedoch, dass die gewohnte Quest-Struktur, die liebevoll gezeichneten Charaktere und die hervorragende Vernetzung von Pen & Paper-Mythologie und eigener Story schon letztes Jahr für einen durchschlagenden Erfolg sorgen konnte. Ob man, nur marginaler Weiterentwicklung zum Trotz, auch kommendes Frühjahr einen derartigen Siegeszug feiern kann, weiß wohl nur der Flussvater höchstpersönlich.

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Mircafar Mirzayev

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Kommentare
03.05.2010
01:07
Drakensang: Rückkehr nach Aventurien
von Games | #1

Das ist mit Abstand eines der geilsten Games ever !

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