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Interview

Dorothee Bär im Gespräch zur CSU-Killerspieldebatte

16.09.2008 | 11:51 Uhr

Die CSU hat mit einem geplanten Verbot für "Killerspiele" viel Staub aufgewirbelt. Doch nicht jeder in der Partei teilt Aussagen wie die von Innenminister Joachim Herrmann. Wir haben Dorothee Bär, die erste stellvertretende Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion, zu diesem Thema befragt.

Dorothee Bär ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien, erste stellvertretende Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion und Mitglied im CSU-Parteivorstand. Als der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann ein generelles Vertriebs- und Herstellungsverbot forderte, war sie eine der wenigen, die sich dagegen aussprachen und die Vorgehensweise ihrer Parteigenossen kritisierten. Wir haben Dorothee Bär einige Fragen zu diesem Thema gestellt.

Frau Bär, halten Sie Aussagen wie die von Herrn Schmid, dem Vorsitzenden der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, für angemessen? Ist ein Verbot von Killerspielen dringend notwendig?

Dorothee Bär, MdB - Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien, Obfrau im Unterausschuss Neue Medien, 1. Stellvertretende Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU Fraktion, Mitglied im CSU-Parteivorstand

Dorothee Bär: Ich halte ein generelles Herstellungs- und Verbreitungsverbot gewalthaltiger Computerspiele nicht für sinnvoll, da dadurch das Problem nicht gelöst wird, dass zu viele Jugendliche ihre Zeit vor dem Computer verbringen und in virtuelle Welten eintauchen, statt sich mit Freunden zu treffen.  

Spiele wurden erst kürzlich vom Deutschen Kulturrat zum Kulturgut erklärt. Gewalt gehört doch schließlich auch zur Kultur. Warum sollte das in Spielen für Erwachsene anders sein?

Bär: Ich habe es initiiert, dass wir Computerspiele als ein modernes Kulturgut anerkennen müssen.

Innenminister Joachim Herrmann hatte in einem Interview mit DER ZEIT von Verboten gesprochen, die man im gleichen Maße wie bei Kinderschändern ansetzen sollte. Finden Sie nicht, dass das eine Banalisierung gegenüber allen Missbrauchsopfern darstellt?

Bär: Der Vergleich ist unglücklich.

Man hatte durch manche Aussagen in den letzten Wochen den Eindruck, dass Spieler, die Titel wie "GTA IV" oder "Counter-Strike" spielen, als Verbrecher dargestellt werden. Eine Verharmlosung dieser Spiele käme einer Verharmlosung der Verbrechen von Nationalsozialisten gleich. Ist das die Philosophie, die man bei der CSU vertritt?

Bär: Beim Thema gewalthaltige Computerspiele gibt es auch in meiner Partei unterschiedliche Auffassungen. Generell halte ich jeglichen Vergleich mit dem Nationalsozialismus für nicht angebracht.

Was halten Sie von der Aktion, die kürzlich das Magazin PC Games ins Leben gerufen hat? Die Aktion heißt „Ich wähle keine Spielekiller“ und soll alle Bürger auffordern, gegen die CSU-Forderung zu protestieren.

Bär: Ich habe mir die Aktion angeschaut. Sie ist natürlich sehr plakativ, sehr polemisch und sehr emotional. Solche Aktionen schaden der gemeinsamen Sache nur. Bei diesem Thema täte ein bisschen mehr Gelassenheit auf beiden Seiten gut.

Es soll sich bei den „bedenklichen“ Spielen um rund fünf Prozent handeln. Viel Aufsehen, wenn man bedenkt, dass Alkohol vergleichsweise wesentlich mehr Schaden unter Jugendlichen anrichtet, oder? Die CSU würde mit einem Verbot von Spielen, die man dann in die Kategorie „Killerspiele“ einordnen könnte, auch viele Arbeitsplätze in Gefahr bringen. Wie sehen sie dieses Problem?

Bär: Dieser Umstand ist unter anderem ein Grund dafür, dass ich mich gegen ein Pauschalverbot von gewalthaltigen Computerspielen wende. Ein Verbot würde eine sehr erfolgreiche und wachstumsstarke Branche an den Pranger stellen. Zu Unrecht, da eben nur etwa fünf Prozent der Spiele als bedenklich gelten. Dieser Anteil stellt für mich keine Notwendigkeit dar, ein Pauschalverbot anzustreben.

Dieses Thema hat auch in der Partei für Diskussionen gesorgt. Von innerparteiischer Lagerspaltung war sogar die Rede. Zeichnet sich hier bereits ein Generationskonflikt ab? Verstehen jüngere Abgeordnete mehr von dieser Thematik als beispielsweise Innenminister Herrmann, der seine Kenntnisse, wie er sagt, nur aus Beobachtungen zieht?

Bär: Sicherlich hat die jüngere Abgeordnetengeneration einen leichteren Zugang zum Thema. Wir sind mit dem Computer als Gegenstand des täglichen Lebens aufgewachsen und haben selbst schon am Computer gespielt. Ich bin sicherlich kein Fan von extrem gewalthaltigen Computerspielen, aber ich setze mich ab und an selbst vor den Rechner und spiele einige der besagten Spiele. Als Grundlage für die Einschätzung der Risiken ist dies für mich unverzichtbar.

Sie sagten einmal, dass ein Verbot auch keine Lösung wäre. Wie würde aus ihrer Sicht ein angemessenes Jugendschutzgesetz aussehen, und braucht Deutschland wirklich noch härtere Gesetze bei Computerspielen?

Bär: Ich gebe dem Jugendmedienschutz in Deutschland insgesamt eine gute Note. Eine Herausforderung besteht eher darin, die Gesetzeslage den sich ständig ändernden Bedingungen anzupassen und zu prüfen, ob die Regelungen des Jugendmedienschutzes auf das gegenwärtige Angebot an Computerspielen passen und keine Lücken entstehen.

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Nicole Lange



Kommentare
26.09.2008
15:22
Dorothee Bär im Gespräch zur CSU-Killerspieldebatte
von Bürohengst84 | #3

Ich finde es ebnfalls polemisch zu sagen das gewaltdarstellende Computerspiele daran SChuld sind, das irgendwelche Ochsen Amok laufen.

Es gibt nunmal immer wieder Leute die es nicht schaffen zwischen Realität und und virtuellem Leben zu unterscheiden, aber dafür die gesamte Masse bestrafen, wäre ebenso falsch wie zu sagen, dass alle Deutschen NAtionalsozialisten seien nur weil Sie im selben Land leben.
Nicht jeder Spieler der GTA oD CS oder ähnliches spielt läuft Amok.

Helft den Eltern die Plattform PC und Konsole besser zu verstehen und zeigt Ihnen wie´Sie Ihre Kinder vor solchen Inhalten schützen können.

Damit würde viel mehr erreicht werden, denn wie schon gesagt: Die Spiele gehören zum Kulturgut.

Vielleicht würde ein solches erfahren ja auch dazu beitragen, dass Eltern und Kinder wieder geimansame Hobbys haben (Eltern-Kind -Lan) ;-)

16.09.2008
19:21
Dorothee Bär im Gespräch zur CSU-Killerspieldebatte
von phihochzwei | #2

Hat eigentlich schonmal jemand daran gedacht, daß Millionen Gamer weltweit NICHT Amok laufen, eben WEIL sie ihre Spiele haben ???

16.09.2008
14:46
Dorothee Bär im Gespräch zur CSU-Killerspieldebatte
von El Konsolero | #1

Solche Aktionen schaden der gemeinsamen Sache nur. Bei diesem Thema täte ein bisschen mehr Gelassenheit auf beiden Seiten gut.

Also ich fand die Aktion gut. Schließlich war es endlich mal wieder ein Aufschrei, das sich das deutsche Volk doch nicht alles gefallen lassen will.

Außerdem wieso sollten wir Gelassenheit zeigen, wo man uns doch teilweiße mit Nazis und Sexualstraftätern vergleicht. Ich finde eher die Haltung der Politiker schädlich sich nicht mit der Branche auseinander zu setzten und den Dialog zu suchen.

Stattdesses muss man sich immer wieder an den Pranger stellen lassen von Leuten die keine Ahnung von Videospielen haben.

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