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Metro 2033: Autor im Interview

Dmitry Glukhovsky: „Videospiele sind ein Zufluchtsort“

23.01.2009 | 21:00 Uhr
Dmitry Glukhovsky: „Videospiele sind ein Zufluchtsort“

Der Autor Romans "Metro 2033" kann sein Werk bald auch als Videospiel im Handel sehen. Wir haben mit Dmitry Glukhovsky über seinen neuesten Roman, das Spiel und seine Arbeit gesprochen.

Herr Glukhovsky, welche Bedeutung haben Videospiele in Ihrem Leben?

Dimitry Glukhovsky: Als ich ein Teenager war, habe ich sehr viel gespielt. Und ich habe einige Favoriten, was PC-Spiele angeht: die Fallout-Serie, Civilization, Command and Conquer, Red Alert, einige der Doom-Spiele. Jetzt habe ich natürlich nicht mehr so viel Zeit zum Spielen… Aber ich hoffe, dass ich nach Beendigung meines dritten Buches, Metro 2034, wieder etwas mehr Zeit habe, um zu sehen, was es Neues in der Welt der Spiele gibt.

Videospiele sind so etwas wie ein Zufluchtsort, ein Schutzgebiet. Je weniger du das magst, was in deinem realen Leben vorgeht, desto mehr flüchtest du in eine imaginäre Welt. Spiele unterscheiden sich im Vergleich zu Büchern nicht besonders in diesem Bereich. Und ich glaube, dass Spiele kein schlechter Ersatz für Bücher sind, sie sind einfach nur anders. Bücher fördern deine Sprache und die Vorstellungskraft. Spiele fördern die Reaktionsfähigkeit und die Kompetenz, schnelle Entscheidungen treffen zu können…

Sie sind großer Fan der Fallout-Reihe. Inwiefern haben Sie beim Schreiben des Buches Einflüsse aus der Serie verarbeitet?

Glukhovsky: Fallout hatte großen Einfluss auf meine Leidenschaft für postapokalyptische Welten. Ich fand dieses Universum unglaublich romantisch. Sehen Sie, unsere moderne Welt ist bis in die kleinste Ecke erkundet. Es gibt keinen Fleck, den man nicht auf Google Maps findet… Und das ist unheimlich langweilig. Die Vorstellung, dass unsere Welt sich wieder in einen einzigen dunklen Fleck auf dieser Karte verwandelt, so dass Sie nicht einmal sagen können, was an der nächsten U-Bahn-Station ist...

Dmitry Glukhovsky: Der Autor und Journalist schreibt momentan an seinem dritten Buch.

Das ist das Geheimnis des postapokalyptischen Charmes. Es handelt sich dabei um eine Art angeborenen Masochismus der Menschen, die nicht immer glücklich damit sind, dass sie die Könige der Erde sind. Es ist eine Flucht in die Kindheit, wo die Welt noch ein riesiger, geheimnisvoller und gefährlicher Ort ist.

Dieses Gefühl hast du bei Fallout. Und dieses Gefühl möchte ich auch mit meinen Büchern transportieren. Ich habe aber niemals einen Charakter oder Story-Details aus diesem oder anderen Spielen kopiert. Ich glaube, Copy-Pasting wäre ein Angriff auf meine Ambitionen als Schreiber.

Wie kam es dazu, dass „Metro 2033" als Spiel umgesetzt wird? Kamen die Entwickler auf Sie zu oder sind Sie an die Entwickler herangetreten?

Glukhovsky: Vor einigen Jahren war Metro 2033 ein normales Buch, das dann zu einem Online-Projekt wurde. Ein Roman, der nur im Internet veröffentlicht wurde. Die Website wurde von einem der Stalker-Entwickler gehostet. Wir waren in den Verhandlungen für zwei Jahre oder so, dann haben sie sich die Rechte gekauft. Nun haben sie alle Hände voll zu tun, um den Titel weltweit durch THQ zu veröffentlichen. Soweit ich weiß, soll der weltweite Release von "Metro 2033: The Last Refuge" – das ist der offizielle Name des Spiels – nächsten Winter sein.

Die Firma 4A Games wurde von ehemaligen GSC-Mitgliedern gegründet. GSC hat sich bei „Stalker" nicht gerade durch enormes Tempo bei der Entwicklung hervorgetan. Auch „Metro 2033" ist zeitlich schon deutlich in Verzug.

Glukhovsky: Wie ich schon sagte, das Spiel ist für Winter 2009 geplant. Es könnte aber auch Januar 2010 werden. Ich persönlich bin natürlich etwas traurig, dass es so lange dauert. Aber ich verstehe auch, dass es dafür Gründe gibt. Und ich weiß, dass es nicht die Schuld des Entwicklers ist: Der Release hatte sich aufgrund marketingtechnischer Gründe verschoben. Wenn es dazu beiträgt, dass der internationale Launch perfekt wird, bin ich geduldig.

Hatten Sie beim Schreiben des Buches schon im Hinterkopf, dass es dazu mal ein Spiel geben könnte?

Glukhovsky: Natürlich war es nicht erdacht, dass das Buch als Videospielvorlage dienen soll. Aber es löste im Handumdrehen Interesse bei verschiedenen PC-Spiel-Entwicklern aus. Jetzt, wo ich die Fortsetzung von Metro 2034 schreibe, habe ich immer im Kopf, dass daraus auch dieses Mal ein Spiel werden könnte. Deshalb habe ich extra Monster, erschreckende Kreaturen, die man in das Spiel einbinden kann, eingebaut. Ich habe zusätzlich noch einige Szenen eingebaut, die sich gut im Kino oder in einem Spiel machen würden.

Inwiefern sind Sie in die Entwicklung des Spieles involviert?

Glukhovsky: Man könnte meine Aufgabe als “kreativer Kontrolleur” bezeichnen. Ich habe einen Großteil der Dialoge erfasst und einen Teil des Game-Plots erfunden. Für mich ist dieses Spiel eine großartige Plattform, die mir dabei hilft, meine Bücher weltweit bekannt zu machen. Und ich nehme das sehr ernst…

Wie nah wird die Story des Spiels an der des Buches sein?

Glukhovsky: Der Hauptplot wird natürlich der gleiche sein. Aber alle Details sind unterschiedlich. All die kleinen Abenteuer der Spielfigur sind ein Unikat in diesem Spiel. Ich glaube nicht, dass ein Spieler alle Aktionen des Charakters wiederholen will, die er bereits lesen kann. Nein… er will selbst Teil dieser Welt werden und vielleicht einen anderen Weg wählen, um im Spiel voranzukommen.

Was erwarten Sie sich von dem Spiel?

Glukhovsky: Vor allem sollte das Spiel das Universum richtig widerspiegeln, das ich beschrieben habe. Sehen Sie, es ist schon ein seltener Erfolg und bestimmt auch ein Zufall, dass ein Autor ein Universum schafft, das eigenständig existieren kann. Es ist ähnlich wie bei Star Wars oder Der Herr der Ringe, nur nicht so global – bis jetzt. Wenn die Gamer das Metro 2033–2034-Universum mögen, werden sie vielleicht auch die Bücher lesen.

Über das Spiel wird die einzigartige Atmosphäre kommuniziert, der Geist des Metro-2033-Buches. Die Spannung, die Verzweiflung, der Terror… Und es zeigt Menschen, die überleben – und dabei sogar menschlich bleiben – trotz allem.

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Nicole Lange und Marc Mauricius Quambusch

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Dmitry Glukhovsky: „Videospiele sind ein Zufluchtsort“
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2009-01-23 21:00
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