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Gamer-Kommentar

Die USK – Ein Auslaufmodell?

06.09.2009 | 15:30 Uhr
Die USK – Ein Auslaufmodell?

Auf der gamescom in Köln gingen politische Themen beinahe unter. Dabei hat EA-Vizepräsident Gerhard Florin mit einer politischen Forderung eine Debatte über die Alterskennzeichnung von Videospielen ausgelöst. Sollte die USK abgeschafft werden? Eine Diskussion, die in die falsche Richtung geht.

„Das ist Zensur, was wir hier machen, aber keiner beschwert sich”, sagt Gerhard Florin über den Jugendschutz in Deutschland gegenüber Spiegel Online. Schon vor der Eröffnung der gamescom polarisiert er mit der Forderung, dass die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) durch Pan-European Game Information (PEGI) ersetzt werden solle. Florin begründet seine Forderung mit der negativen Wahrnehmung von Videospielen in Deutschland und sagt: „Wenn hier über Spiele gesprochen wird, dann über Gewalt oder angebliche Suchtgefahr, nicht über den kulturellen Stellenwert." Doch ändert ein Systemwechsel im Bereich der Altersfreigabe daran etwas?

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USK

Die USK prüft Spiele in Deutschland mit Blick auf den Jugendschutz und das Strafrecht. Diese bilden die Grundlage zur Alterseinstufung von Spielen. Jedes in Deutschland veröffentlichte Spiel durchläuft dieses Prüfverfahren. Die USK muss das Spiel in eine von fünf Altersgruppen des Jugendschutzgesetzes einstufen. Dafür bereitet ein Spieletester der USK die Präsentation eines Spiels vor: Er spielt, legt Speicherstände an und notiert für den Jugendschutz relevante Details. Unabhängige Gutachter entscheiden danach über die Altersfreigabe.

Eine Debatte über die USK ist unnötig, weil in Deutschland jedes Spiel eine nachvollziehbare Alterseinstufung erhält: Rollenspiele erhalten oft eine Freigabe ab 6 oder 12 Jahren ("Final Fantasy XII"). Keine Jugendfreigabe bekommen die meisten Shooter- und Action-Titel ("Metal Gear Solid 4", "Ninja Gaiden Sigma 2", "GTA 4"). Selbst die USK-kritischsten Spieler verstehen diese Alterseinstufungen. Bei über 2000 Titelprüfungen im Jahr erzeugt nur der kleinste Teil die Aufmerksamkeit der Spieler und weckt Unzufriedenheit. Wie in der Schule oder beim Sport werden gute Leistungen kaum bemerkt, sofern sie zur Gewohnheit geworden sind. Umso kritischer beurteilt man fremde Leistungen, wenn sie nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Und einige Altersfreigaben der USK entsprechen nicht der Vorstellung von Spielern und der Industrie. Deswegen befindet sie sich oft in der Kritik.

Die USK trifft keine Schuld, wenn ein Spiel von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert wird. Was Benutzer in Internetforen oft Willkür der USK nennen, ist das Resultat der Rechtssituation in Deutschland. Welche Spiele keine Kennzeichnung erhalten, darüber entscheidet die USK - doch gibt die Politik den Rahmen vor, in dem sich (Gewalt-)Darstellungen in Videospielen bewegen dürfen. Das Jugendschutzgesetz und das Strafrecht definieren die Grenzen, nicht die USK. Diese Grenzen dürfen Entwickler und Hersteller nicht überschreiten. Tun sie dies trotzdem, ist die rechtliche Konsequenz oft eine Indizierung. Die USK erkennt bedenkliche Inhalte und verweigert die Kennzeichnung. Das ist ihre Aufgabe, die durch die Politik und Gesetzeslage in Deutschland festgelegt ist. Die Indizierung und das damit verbundene Werbe- und Verbreitungsverbot nimmt hingegen die BPjM vor. Deswegen richtet sich die Kritik von EA-Manager Gerhard Florin an den falschen Adressaten.

Unverständnis und politische Inkompetenz

Dennoch sind seine Forderungen nachvollziehbar. Aus Sicht der Industrie und eines Konzerns wie Electronic Arts hemmt der deutsche Jugendschutz den Absatz. Zudem kostet der Vertrieb eines Spiels mehr Geld. Eventuell müssen Abschnitte aus einem Spiel entfernt und Zwischensequenzen neu geschnitten werden. Das steigert die Verwaltungskosten und gefährdet den Umsatz eines Unternehmens. Indiziert die BPjM ein Spiel, droht den Herstellern ein noch größerer Umsatzeinbruch. Das Resultat: Spiele ohne Kennzeichnung der USK erscheinen häufig nicht in Deutschland.

Auch erwachsene Spieler ärgern sich über die Jugendschutzsituation in Deutschland. Sie sehen den freien Zugang zu ihrem Hobby gefährdet und importieren Spiele aus dem Ausland. Diese sind ungeschnitten und zudem billiger. Spieler werden staatlich bevormundet und der mündige Bürger kann nicht frei entscheiden, was er sehen möchte. Der Staat übernimmt für ihn diese Aufgabe. Das Ergebnis: Videospiele erscheinen in Deutschland oft nur gekürzt. Für Publisher mehr Kosten, für Spieler halbe Produkte.

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PEGI

Die Altersempfehlung PEGI basiert auf Informationen des Herstellers, der sein Spiel selbst einschätzt und eine Alterseinstufung für sein Spiel vorschlägt. Dazu füllt er ein Online-Formular aus. Alle Spiele, die für eine Einstufung ab 12 Jahren oder höher vorgeschlagen sind, werden von einem Institut (Niederländisches Institut zur Klassifizierung audiovisueller Medien) überprüft. Danach vergibt das Institut eine Lizenz, damit der Hersteller das PEGI-Symbol auf die Verpackung des Spiels drucken darf. Eine gesetzliche Verpflichtung hierfür besteht in wenigen Ländern.

Gerhard Florin begründet seine Forderung nach der Änderung der Altersfreigabe damit, dass Spiele als Kulturgut wahrgenommen werden sollten. Diese Forderung ist berechtigt: Zwar schöpfen Entwickler aus Fördergeldern von Ländern und Bund, doch eine gesellschaftliche Akzeptanz des Mediums Videospiel ist noch nicht erreicht. Die Debatte um Videospiele in Deutschland hat die Seriosität von Bildzeitungsschlagzeilen und Bundespräsident Horst Köhler sagt über Gewalt in Videospielen: „Sagt uns nicht der gesunde Menschenverstand, dass ein Dauerkonsum schadet?“ Nein, weder sagt es der Menschenverstand, noch belegt es die Wissenschaft. Doch herrscht in der deutschen Öffentlichkeit dieses Bild von Videospielen. Deswegen sollten weniger Debatten über Jugendschutz, sondern andere Themen den kulturellen Stellenwert von Videospielen verdeutlichen. Genügend Videospiele beweisen jedes Jahr, dass sie mehr als bloße Unterhaltung sind.

Gemeinsam handeln und Präsenz zeigen!

Ein Instrument hierfür wäre der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Der Verband vereint die größten Hersteller von Videospielen in Deutschland. Doch bei der gesellschaftlichen Debatte um Videospiele scheint der Verband so leise und ruhig wie Solid Snake auf Schleichmission. Sogar der Bundesverband deutscher Banken schildert in der Tagesschau die Bankensicht auf die Finanzkrise. Zum Thema Videospiele äußern sich hingegen ausschließlich fachfremde Politiker und der selbsternannte Experte Christian Pfeiffer. Vertreter der Industrie? Fehlanzeige. Der BIU sollte seine Öffentlichkeitsarbeit überdenken, sich den Medien aufdrängen und Präsenz zeigen.

Stattdessen macht sich Electronic Arts Feinde in den eigenen Reihen mit der absurden Forderung nach einer Abschaffung der USK. Die Kritik müsste nicht an die USK, sondern die Politik gerichtet werden. Doch mit einer politischen Initiative würde Electronic Arts sein gepflegtes Öffentlichkeitsbild riskieren.

Electronic Arts ist als Mitglied des BIU im Beirat der USK vertreten. Über den Beirat entscheiden Politiker, Forscher und Hersteller über die Grundsätze der Prüfung von Spielen. Die Träger der USK bündeln Erfahrung und Kompetenz. Diese sollten sie nutzen, um den gesellschaftlichen Stellenwert von Videospielen zu steigern. Denn nur gemeinsam können sie Videospiele in der Mitte der Gesellschaft verankern.

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Sebastian Rudolph

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