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Verleihung

Deutscher Computerspielpreis - verbesserungswürdig

02.04.2009 | 16:59 Uhr
Deutscher Computerspielpreis - verbesserungswürdig

Die erste Verleihung des Deutschen Computerspielpreises in München war eine schillernde Veranstaltung, die sich hohe Ziele setzt und dafür noch einiges tun muss. Wir waren vor Ort und haben einen gut gelaunten Rainer Calmund sowie einen abwesenden Horst Seehofer registriert.

Der Deutsche Computerspielpreis soll die Branche voranbringen. Insgesamt 600.000 Euro brachte man dafür zusammen, um sie an die Sieger zu verteilen. Er soll die Aufmerksamkeit auf kulturell und pädagogisch wertvolle Spiele ziehen. Zudem soll der Preis dabei helfen, die Chancen wahrzunehmen und die vorhandenen Risiken zu minimieren. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, möchte ein durchaus gut gemeintes Zeichen setzen. Doch wie wir damals schon anmerkten, ist die Entwicklung in Deutschland streckenweise noch sehr weit vom internationalen Markt entfernt.

Wenn dann noch nicht einmal Spiele für Erwachsene zugelassen sind, ist die Auswahl gering. Die Games-Branche verleugnete an diesem Abend das in der Öffentlichkeit kritisierte Kind namens „Gewaltspiel“, „Killerspiel“ oder „USK-18-Spiel“. In mancher Rede wurde dennoch die „momentan schwierige Lage der Branche“ angesprochen, die SPD-Abgeordnete Monika Griefahn stimmte das Thema ebenfalls an. Ihre Kinder würden ja auch mal „Killerspiele“ spielen. Für diesen Satz gab es von einigen Tischen sogar Sonderapplaus.

Am meisten mit Spannung erwartet wurde jedoch der Auftritt von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Im Programmheft der Veranstaltung als Pate und Überreicher des besten internationalen Spiels angekündigt, hinterließ er im Nachhinein eher Verwunderung. Der Mann, der in den letzten Wochen Gewaltspiele kritisierte und sagt, dass das Spiel seine Unschuld verloren hat, besuchte die Preisverleihung nicht - sondern ließ sich von Staatskanzleichef Siegfried Schneider vertreten.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann spricht die Eröffnungsrede. Quelle: Medientage München

Es hätte ein Zeichen in diesen ohnehin schon schweren Zeiten für die Games-Branche setzen können. Seehofer sagte selbst im Vorfeld der Veranstaltung: „Es ist eine Provokation, in diesen Tagen einen Computerspielpreis zu verleihen. Dieser Provokation stelle ich mich und stellt sich die Branche.“ Eine Sitzung war an diesem Abend dennoch wichtiger, und so plätscherten neun Kategorien dahin, moderiert von Patricia Schäfer.

Keine Überraschungen

Die Verleihung bot so gut wie keine Überraschungen. Publisher dtp und Entwickler Radon Labs konnten sich am meisten freuen. Ihr Spiel "Das Schwarze Auge: Drakensang" räumte den Preis für das „Beste Deutsche Spiel“ und das "Beste Jugendspiel" ab. Viele hätten es in dieser Kategorie auch dem Daedalic-Spiel "Edna bricht aus" gegönnt.

Doch man muss es so ehrlich sagen: Große Konkurrenz gab es in den vorgestellten Kategorien nicht. Bei der Wahl zum „Besten Deutschen Spiel“ musste sich "Drakensang" gegen das „Beste Kinderspiel“ "Fritz&Fertig" durchsetzen.

Deutschland ohne Innovation?

Enttäuschend war die Kategorie „Beste Innovation“. Diese wurde wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn aus dem Programm gestrichen - offiziell aufgrund zu weniger guter Einsendungen. Als Ursache wurde die zu kurze Abgabezeit für die Verleihung (ca. sechs Wochen) diagnostiziert. Eine komische Aktion, wenn man bedenkt, dass bereits "Die Siedler – Aufbruch der Kulturen" und "Die Heinies, Liili & Killa" als vorgeschlagene Spiele angekündigt wurden. Die Jury hätte zu dieser Entscheidung stehen müssen.

Ralf Wirsing, Business Development Director bei Ubisoft, sieht die Veranstaltung, dafür dass es die erste war, als gelungen an. Über die Entscheidung, die Kategorie rauszunehmen, war er jedoch nicht erfreut:

„Wir sind auch sehr enttäuscht darüber. Wir wussten sehr kurzfristig, dass diese Kategorie gekippt wird, und ehrlich gesagt fehlt mir auch ein wenig das Verständnis dafür.

Wir haben in den Medien eine Diskussion grundsätzlich darüber, dass ,Die Siedler' kein neues Produkt ist. Das ist so aber nicht richtig, in der Kategorie ging es nicht grundsätzlich darum, sondern um ein Lobby-System, das im Zusammenhang mit ,Die Siedler' entwickelt wurde. Das ist technologisch gesehen innovativ und es kommt aus deutschen Landen. Von daher war es sehr überraschend und die Kollegen vom Entwickler Funatics sind auch ziemlich geknickt und sprachlos.“

Ein Preis, zwei Sieger

Der Vorfall zeigt das, was viele Medien-Vertreter nach der Veranstaltung deutlich machten: Es besteht noch Verbesserungspotenzial. Dass die Kategorie „Bestes Internationales Spiel“ mit "Wii Fit" und "LittleBigPlanet" zwei Sieger hatte, ist dabei nur noch die abschließende Bestätigung. Das nahmen sogar Guido Alt, Senior PR Manager von Sony Computer Entertainment Europe, und Dr. Bernd Fakesch von Nintendo in trauter Zweisamkeit so hin. Beide nahmen es mit Humor: "Dass wir mal gemeinsam hier oben so harmonisch stehen würden...", so Guido Alt.

Die echten Sieger des Abends waren zweifelsohne das beste Studentenkonzept, das die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin mit "Snatch‘ Em" einreichte, und das beste Schülerkonzept in Form von "Monkey's World Wide Jungle", das vom Elsa-Brandström-Gymnasium Oberhausen eingereicht wurde.

Die Gewinner im Überblick:

Bestes Jugendspiel: "Das Schwarze Auge - Drakensang"

Bestes Deutsches Spiel: "Das Schwarze Auge - Drakensang"

Bestes Kinderspiel: "Fritz und Fertig"

Bestes Browsergame: "Ikariam"

Bestes mobiles Spiel: "Crazy Machines"

Bestes internationales Spiel: "Wii Fit" und "LittleBigPlanet"

Bestes "Serious Game": "Techforce"

Bestes Schülerkonzept: "Monkeys World Wide Jungle"

Bestes Studentenkonzept: "Snatch'em"

Im nächsten Jahr wird der Deutsche Computerspielpreis in Berlin vergeben. Bis dahin gibt es noch eine Menge zu tun. Es muss an der Jury gearbeitet werden, so dass es am Ende nicht wieder eine Kategorie mit zwei Gewinnern gibt. Oder eine, die am Ende kurzfristig doch nicht prämiert wird. Gleichzeitig könnte man sich auch überlegen, einfach mehr professionelle Gamer in die Jury zu holen. Als wir mit dem NRW-Landtagsabgeordneten Thomas Jarzombek (CDU) über dieses Thema sprachen, warf dieser ein, dass es durchaus kompetente Spieler gebe, es aber schwer sei, diese auch aus der Masse herauszufiltern.

„Ein Verband von Gamern wäre in dieser Hinsicht vielleicht eine Idee“, so Jarzombek. So könne man sich Gehör verschaffen. Gleichzeitig sei es auch notwendig, die Kriterien des Preises deutlicher hervorzuheben. Das sei bei dieser ersten Verleihung noch nicht wirklich ersichtlich gewesen und deshalb habe es auch streckenweise Missverständnisse gegeben.

So oder so: Der Deutsche Computerspielpreis hat in dieser Form noch nicht viel zur internationalen Akzeptanz der deutschen Entwickler beigetragen. Wir blicken dennoch durchaus positiv zur nächsten Verleihung. Der Weg ist richtig, nur der Inhalt braucht eine stabilere Grundlage. Und das ist ja auch eine Art Medienkompetenz.

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Nicole Lange

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Kommentare
03.04.2009
12:47
Deutscher Computerspielpreis - verbesserungswürdig
von FF | #5

Das ist wie der Filmpreis.

Muss kulturel wertvoll sein und die Ferres muss mitspielen, dann gibbes auch den Preis.

03.04.2009
09:09
Deutscher Computerspielpreis - verbesserungswürdig
von Mr.Unknown | #4

Wie wärs mal mit:

Beste Technik in Spielen
Bester Ego Shooter
Bestes Sportspiel
Beste Simulation
Bestes Stratergiespiel
Beste Story in einem Spiel
usw usf......

Außer Drankensang (schon mal gehört den Namen) kenn ich kein einziges Spiel davon. Es gibt nicht nur Kinder die Computerspiele spielen. Die größte Käuferschicht wird nicht mal ansatzweise vertreten. Deutscher Computerspielpreis klingt zwar toll, hält aber nicht was er verspricht, da dort lediglich ein paar Kinderpspiele ausgezeichnet wurden. Nicht mehr und nicht weniger. Eigendlich schade.

03.04.2009
08:54
Deutscher Computerspielpreis - verbesserungswürdig
von FLo | #3

Und nächstes Jahr bitte nicht nur Kinderspielt. -.-
Die Blockbuster Spiele tauchen doch alle nicht auf.
Es gibt halt dutzende Spiele die für Erwachsene produziert werden, genau so wie es bei der Oskarverleihung Filme gibt die für Erwachsene produziert werden.
Wenn die ganze Sparte im nächsten Jahr weiter ignoriert wird, sehe ich keine Zukunft für den Preis.

02.04.2009
17:06
Deutscher Computerspielpreis - verbesserungswürdig
von ElKonsolero | #2

Als wir mit dem NRW-Landtagsabgeordneten Thomas Jarzombek (CDU) über dieses Thema sprachen, warf dieser ein, dass es durchaus kompetente Spieler gebe, es aber schwer sei, diese auch aus der Masse herauszufiltern.

Oh man kann das so schwer sein? Nehmt einfach Leute, die für Spielezeitschriften testen, also GamePro, PC Games etc. . Auch die alten Giga Leute oder Simon und Budi sind Experten die dutzende von Spielen gezockt haben und daher kompetent genug sind bei sowas mitreden zu können

02.04.2009
12:44
Deutscher Computerspielpreis - verbesserungswürdig
von derderimmerschreibt | #1

lol, also ich kann auch Olympiasieger werden, wenn ich die 100 Meter ganz allein, ohne Gegner, laufen darf.

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