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Living Games Festival

Der LiGA-Award: Ambitionen und Sieger

14.06.2010 | 17:25 Uhr
Der LiGA-Award: Ambitionen und Sieger

Bochum. Die Idee der LiGA-Awards entstand direkt nach der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises. Vom 11. bis 13. Juni 2010 wurden im Rahmen des Living Games Festivals in der Jahrhunderthalle Bochum die ersten LiGA-Awards für kulturell wertvolle Spiele vergeben.

Die Jury bestand nur aus Vertretern der Gaming-Fachpresse. Schließlich war die Vorgabe von Initiator Stephan Reichart, der gleichzeitig auch als Geschäftsführer des GAME-Bundesverbandes agiert, es besser zu machen als beim politisch stark geprägten Computerspielpreis.

Für die Jury war das keine leichte Aufgabe, im Vorfeld der Preisverleihung diskutierte man daher live mit dem Publikum in der Jahrhunderthalle über die 15 Nominierten und deren möglichen kulturellen Einfluss auf das Medium. Die Nominierten setzten sich aus folgenden Spielen zusammen:

  • Alan Wake (Microsoft Games Studios)
  • Assassin’s Creed 2 (Ubisoft)
  • Batman: Arkhkam Asylum (Eidos Interactive)
  • Brütal Legend (Electronic Arts)
  • Dragon Age: Origins (Electronic Arts)
  • Farmville (Zynga/Facebook)
  • Flower (Sony Computer Entertainment)
  • GTA: The Ballad of Gay Tony (Rockstar Games)
  • Heavy Rain (Sony Computer Entertainment)
  • Machinarium (Amanita Design)
  • Mass Effect 2 (Electronic Arts)
  • Red Dead Redemption (Rockstar Games)
  • Die Sims 3 (Electronic Arts)
  • The Path (Tale of Tales)
  • Uncharted 2 (Sony Computer Entertainment)

Bewertungskriterien waren vor allem stilistische Methodik, erzählerische Vielfalt und der Mut, Spielerlebnisse neu zu definieren. Weiterhin wurden auch Spiele nominiert, die in der Gesellschaft zu einer höheren Akzeptanz des Mediums Videospiel geführt haben, wie beispielsweise „Die Sims 3“. Alterskennzeichnungen, der wirtschaftliche Erfolg oder die Beliebtheit eines Spiels waren bei der Entscheidungsfindung unerheblich.

Überzeugende Sieger

Die Diskussion wurde vor Ort lebendig geführt und warf auch gleichzeitig die Frage nach der Definition der kulturellen Werte auf. Während Nils Ehring vom Krawall Gaming Network (KGN) der Meinung ist, dass Games bezüglich der Akzeptanz als Kulturmedium dieselbe Entwicklung durchlaufen wie beispielsweise das Buch oder der Film, die in ihren Anfängen auch nicht als Kultur bezeichnet wurden, sieht Viola Tensil von PLAY’D das Ziel schon stellenweise erreicht: „Die Demoszene, Casemodding, Machinimas oder Retro-Treffen zeigen doch, dass Videospiele schon in unserer Kultur angekommen sind“.

Mit dem Gold–LiGA-Preis wurde „Heavy Rain“ ausgezeichnet. Die Begründung der Jury:

Die Preise und die Jury auf dem Living Games Festival.

„Heavy Rain“ ist filmreif inszeniert und schafft es, dass sich der Spieler stark mit den unterschiedlichen Charakteren identifiziert, die er steuert. Außerdem verlangt „Heavy Rain“ dem Spieler schwierige Entscheidungen ab, die drastische Konsequenzen nach sich ziehen. Stirbt durch eine Fehlentscheidung einer der Hauptcharaktere, ist dies irreversibel und die Geschichte nimmt einen entsprechend anderen Verlauf.

Der Silber-LiGA-Preis wurde „Mass Effect 2“ wegen seines außergewöhnlichen Umgangs mit gesellschaftlichen Problemen verliehen. Die Jury erläuterte, dass „Mass Effect 2“ den Spieler auffordert, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, vor denen er lieber die Augen verschließen würde. Auch wenn dies die Angelegenheiten fremder Arten in vielen Lichtjahren Entfernung von der Erde sind, weisen sie eine bedrückende Analogie zu den realen Problemen unserer Gesellschaft auf.

Ebenfalls als kulturell besonders wertvoll wurde „Flower“ eingestuft und bekam dafür den Bronze-Award. Laut Jury besitzt es einen hohen künstlerischen Wert und stellt die perfekte Symbiose zwischen auditiven und visuellen Stilmitteln dar. Darüber hinaus bietet die intuitive Steuerung Neueinsteigern einen leichten Einstieg in das Medium Videospiel.

Bedenkt man den kurzen Vorlauf, den die Veranstalter für die Preisvergabe eingeräumt hatten, benötigten die Beteiligten auch die vier Stunden Podiumsdiskussion, die beim Publikum starkes Interesse hervorrief. Man konnte von Jugendlichen bis hin zu Vertretern der Großelterngeneration jede Altersklasse bei den Zuschauern finden. Die kurze Vorbereitungszeit ist allerdings auch ein Kritikpunkt der Veranstaltung. Organisatorische Feinheiten konnten so nicht wahrgenommen werden und auch die Preisvergabe fand ohne Vertreter der Gewinner statt.

Der richtige Weg

Generell war es jedoch sehr mutig, sich mit diesem Preis einer Diskussion zu stellen, welche die Politik und die Entscheidungen des Deutschen Computerspielpreises öffentlich infrage stellte. Zudem zeigte die Veranstaltung auch, wie vielfältig das Thema Videospielkultur diskutiert und dargestellt werden kann.

Deshalb muss unbedingt noch weiter an diesem Preis gearbeitet werden, damit er nicht wieder in der Versenkung verschwindet oder nur als eine Art Pseudo-Award zur Beruhigung der Branche verkommt. Die Akzeptanz und Glaubwürdigkeit des LiGA-Awards muss sich in der Öffentlichkeit somit erst noch durchsetzen.

Das Living Games Festival als solches hat sich dagegen schon durchgesetzt und konnte in diesem Jahr einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Besonders der Schüler-Lehrer-Tag war für die Veranstalter ein Erfolg. Bereits am ersten Tag besuchten über 450 Interessierte das Festival – so viel verzeichnete die letztjährige Veranstaltung innerhalb der kompletten Laufzeit.

„Dass eine so junge Veranstaltung wie das Living Games Festival sich bereits im dritten Jahr einer solchen Beliebtheit erfreut, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Diesen werden wir im nächsten Jahr natürlich weiter verfolgen, und das wird zeigen, warum Videospiele das wichtigste Kulturgut des 21. Jahrhunderts sind.“

Mit einem Mix aus einer museumähnlichen Darstellung alter Konsolen und Spiele sowie neuartiger Techniken und Berufsmöglichkeiten zeigt das Living Games Festival, welchen Werdegang das Medium bereits hinter sich hat und dass die Daseinsberechtigung eigentlich keine Frage mehr sein sollte. So konnten wir auch von den restlichen Jury-Mitgliedern durchweg positives Feedback einfangen. Allerdings müsse man das angefangene beim nächsten Mal ausbauen:

»Fürs erste Mal ging das alles klar. Aber beim nächsten Mal sollten die Diskussion und die Preisvergabe zentralere Rollen innerhalb des Festivals spielen.

Für mich persönlich war es eine Ehre, an einer so wichtigen Preisvergabe teilzunehmen. In den nächsten Jahren werden Spiele deutlich mehr in den Blickpunkt der kulturell interessierten Menschen rücken. Es wäre schön, wenn wir als Jury auch weiterhin unseren Teil zu dieser Entwicklung beitragen könnten.« Nils Ehring, Redakteur bei Krawall.de.

»Ein Kulturpreis für Videospiele ist ein ehrgeiziges Unterfangen und in dieser Form noch nicht da gewesen, weshalb ich besonderen Spaß daran hatte, unsere Bewertungsansätze überhaupt erst einmal zu definieren. Schön fand ich auch das ehrliche Interesse des Publikums, von dem erfreulich fundierte Wortmeldungen kamen. Ich denke, mit der Wahl der prämierten Spiele können wir alle sehr zufrieden sein und gespannt aufs nächste Jahr blicken.« Viola Tensil vom PLAY‘D-Magazin.

»Der Preis ist im Moment noch ein zartes Pflänzchen, aber schon die Premiere hat gezeigt, wie wichtig es ist, die große kulturelle Wirkungsmacht von Videospielen angemessen zu würdigen. Wenn die spannende Diskussion des sechs Spielekritiker eines deutlich gezeigt hat, dann das: Spiele haben nicht nur kulturellen Wert, sondern drücken diesen durch eine große Bandbreite von Themen und Techniken aus.« Christian Schmidt, stellvertretender Chefredakteur der GameStar.

Das Living Games Festival ist, ähnlich wie der LiGA-Preis, noch am Anfang und an einigen Stellen verbesserungswürdig. Im Vergleich zu anderen Preisen macht dieser jedoch einen weitaus aufrichtigeren Eindruck dem Medium gegenüber. Die Entwicklung wird daher mit Sicherheit sehr spannend zu beobachten sein, denn für das nächste Jahr ist der Preis bereits gesichert, und das kann der Glaubwürdigkeit der Branche nur guttun – populistische Galapreise gibt es nämlich schon genug.

Weitere Themen:

Der LiGA-Award: Ambitionen und Sieger

Nicole Lange

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