Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Interview

Alain Corre: Keine guten Titel ohne Kopierschutz

01.09.2009 | 12:10 Uhr
Alain Corre: Keine guten Titel ohne Kopierschutz

Essen. Alain Corre ist Executive Director der EMEA-Gebiete bei dem französischen Entwickler und Publisher Ubisoft. In unserem zweiten Interview-Part haben wir mit ihm über den neuen Kopierschutz, die PS3 Slim und die Branchen-Entwicklung gesprochen.

Viele Dritthersteller sind etwas enttäuscht, was die Abverkäufe ihrer etwas "erwachseneren" Titel auf der Wii angeht. Glauben Sie, dass das demnächst erscheinende "Red Steel 2" ähnliche Probleme haben wird wie z. B. "No more Heroes" oder "Mad World"?

Alain Corre: "Red Steel" war ein großer Erfolg auf der Wii, als es herauskam. Irgendwie war es besonders und anders als konkurrierende Titel zu der Zeit. Ich denke, dass viele Leute es jetzt zu einem günstigeren Preis immer noch kaufen und eine Menge Spaß beim Spielen haben. Meiner Meinung nach hat Teil eins eine große Fangemeinde und deshalb wollen wir dieser Klientel mit dem Sequel etwas Neues bieten und sie somit zufrieden stellen. Ferner ist "Red Steel 2" in meinen Augen dem Mainstream zuzuordnen, im Gegensatz zu "Mad World" oder "No more Heroes", die eher Nischenprodukte sind. "Red Steel" bietet mit dem Schwert und der Pistole einen einfachen Einstieg ins Spiel und ist für jeden leicht erlernbar - für jeden, der natürlich über 16 Jahre alt ist! Ich bin guter Dinge, dass wir mit dem zweiten Teil ähnlich erfolgreich sein werden, wie mit dem Vorgänger.

"Red Steel 2" ist eines der ersten Spiele auf der Wii, das ebenfalls Wii-Motion-Plus nutzt. Werden Microsofts Natal und Sonys Motion-Controller ebenfalls früh mit Spielen unterstützt werden?

Ehrlich gesagt schauen wir uns natürlich beide Technologien genau an und haben bereits mit der Projektarbeit begonnen. Das ist eine von Ubisofts Strategien, immer einer der Ersten zu sein, wenn es um neue Marken und Technologien geht. Bei Natal und Sonys Motion-Controller ist es nicht anders! Besonders die Natal ist sehr interessant, da sie für uns die Möglichkeit bietet, unseren Markt zu erweitern. Und auch für das Gaming allgemein und die Entwickler in unseren Studios bietet sie eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten. Das Gerät ist nicht nur einfach eine Kamera, sondern eine Mischung aus Controller/Pad, Stimme und Kamera. Das wird die Erfahrungen im Bereich Gaming sehr stark bereichern und erweitern. Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt und das ist es, was unsere Entwickler lieben.

"Raving Rabbids" ist sehr bekannt für seine Minispiel-Sammlungen. Nun geht es mit dem Action-Adventure "Rabbids go Home" in eine völlig andere Richtung. Warum geht man ein Risiko ein, wenn man mit einem neuen Party-Spiel auch auf Nummer sicher gehen könnte?

Rabbids Go Home!

Ich denke, dass der witzige Charakter der Rabbids erhalten bleibt, egal ob es nun ein Party-Spiel oder ein Action-Adventure ist. Wir mussten nur darauf achten, dass wir genau das abliefern, was der Konsument von einem Rabbids-Game erwartet: abgedrehten Spielspaß! Das Gameplay ist anders, aber man wird dieselben Momente voller Wahnsinn und Lachanfälle haben wie in den vorigen Spielen. In den letzten Jahren haben wir drei Rabbids Party-Spiele veröffentlicht, die sich sehr gut verkauft haben. Wir dachten, dass es einfach an der Zeit wäre, in eine Richtung aufzubrechen. Jeder, der gerne ein Party-Spiel will, hat ja die Auswahl aus drei erhältlichen Titeln. Für jeden, der eine neue Erfahrung mit den Rabbids machen will, gibt es jetzt auch die Möglichkeit, dieses mit „Rabbids go Home“ zu realisieren. Wir werden aber bestimmt in absehbarer Zeit auch wieder einen neuen Teil der Serie mit den typischen Minigames herausbringen.

Bei “Rabbids go Home” wurde erstmals auf den Namen "Rayman" verzichtet. Gibt es dafür einen besonderen Grund?

Wenn man sich die ersten Teile der Serie anguckt, spielte Rayman keine wichtige Rolle, seinen Auftritt im ersten Teil ausgenommen. Er sollte die Rabbids einem größeren Publikum zugänglich machen. Wir fanden, dass es jetzt an der Zeit war, den Hasen ein echtes Spin-Off zu geben und sich etwas anderes für Rayman auszudenken.

Wir hatten bereits kurz das Thema “Avatar” angesprochen. Wodurch unterscheidet sich „Avatar“ von den restlichen eher mässigen Film-Lizenz Adaptionen?

Ich denke, da gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen, zwei Philosophien, wenn es um die Umsetzung von Hollywood Material geht. Zum einen kann man schnell ein günstiges Multiplattform-Spiel passend zum Filmstart auf den Markt werfen. Genau das haben wir in der Vergangenheit auch gemacht und hatten damit keinen Erfolg. Eine andere Sichtweise ist es zu versuchen, eine Ergänzung zum Film zu schaffen, so dass ein Mehrwert entsteht. Leute, die den Film kennen und dann den Titel auf Konsole spielen, können auf dem Planeten Pandora neue Erfahrungen sammeln und viele Details entdecken, die so im Film nicht weiter beleuchtet wurden. Andererseits wollen Leute nach dem Spielerlebnis sicher den Film sehen. Es gibt also viele Ansatzpunkte, wie man die Erfahrungen aus beiden Medien verbinden kann. Zudem war Camerons Film-Crew sehr offen und hat mit unserem Entwicklerteam in Montreal sehr viel Material innerhalb der letzten zwei Jahre ausgetauscht. Cameron hat sogar einige Ideen und Entwicklungen in den Film aufgenommen.

Also waren Sie gleich vom Start involviert in das Projekt?

Nicht wirklich! Cameron hat mal gesagt, dass er bereits seit über 13 Jahren das Projekt “Avatar” verfolgt, also nicht von Anfang an, aber seit zweieinhalb Jahren! Wir benutzen sogar Elemente und Teile, die aus dem Film herausgeschnitten wurden, da er sonst zu lang geworden wäre. Andersrum ist es genau so: Wir haben dem Film-Team auch mit grafischen Elementen aus dem Spiel unter die Arme gegriffen. Es war also eine sehr gute Zusammenarbeit, was dem Spiel zu Gute kommt und es von der Masse der Filmlizenz-Titel deutlich abhebt. Mit den ganzen neonfarbenen Leuchtelementen und den 3D-Effekten hat es zusätzlich eine ganz besondere Note. Wenn man im Besitz eines 3D-TVs ist, hat man eine einmalige, total andere Erfahrung mit einem Videospiel.

Ubisoft arbeitet derzeit an einem neuen Kopierschutz. Wie wollen Sie dem Konsumenten, der seine Spiele legal erwirbt, vor den Problemen schützen, die mit Spielen wie „Anno 1404“ auftreten und die Käufer zu Recht verärgern?

Anno 1404

Tatsächlich besteht unser größtes Anliegen darin, unsere Konsumenten und unsere Fans zu schützen. Natürlich wollen wir, dass unsere Produkte reibungslos laufen, das ist Punkt eins. Andererseits müssen wir uns gegen die Raubkopiererei schützen, die einen immer größeren Teil des Kuchens abschneidet. Und es ist sehr schwer für uns, wenn wir in ein Projekt 20 Millionen investieren und das Spiel am Markt aufgrund kopierter Versionen nicht einmal das Minimum wieder einspielt. Der Folgeschluss daraus wäre, weniger zu investieren und letztlich würde auch die Qualität der Spiele darunter leiden. Das ist nicht das, was wir wirklich wollen und es wäre allgemein schlecht für die Spieler und den gesamten Markt. Also müssen wir etwas entwickeln, womit die positive Erfahrung des Spielers, der das Spiel legal erwirbt, nicht beeinträchtigt wird. Eine andere Idee ist, den ehrlichen Käufern mit zusätzlichen Downloads einen Mehrwert zu bieten, der den Raubkopierern vorenthalten wird. Für mich ist das die positivere Lösung, dem illegalen Download und der Piraterie entgegen zu wirken. Als Entwickler und Publisher müssen wir letztlich reagieren, sonst wird es in absehbarer Zeit keine guten Titel mehr auf dem Markt geben. Aber wie gesagt, es ist unser größtes Anliegen, eine Technologie zu entwickeln, bei der unsere Fans keine Nachteile bzw. Probleme mit dem Produkt haben.

Wird “Assasin`s Creed 2” der erste Titel mit dem neuen Kopierschutz sein oder ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen?

Der Kopierschutz ist noch nicht fertig. Wir probieren die Technologie bei uns mit bereits erschienenen Spielen aus und gucken, ob alles klappt. Erst wenn alles hundertprozentig reibungslos läuft und dem ehrlichen Konsumenten kein Schaden durch den Kopierschutz entsteht, wird dieser auch zum Einsatz kommen. Die Konsumenten sind schließlich die Essenz unserer Firma, ohne Konsumenten wären wir nichts. Und das respektieren wir!

Mehr zum Thema:

Marc Töws

Empfehlen
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
02.09.2009
10:57
Alain Corre: Keine guten Titel ohne Kopierschutz
von Flo | #2

So jetzt ist es mir doch wieder eingefallen. Ich wollte auf die momentan neu aufkommende Preispolitik mancher Spieleschmieden hinaus. Und dort habe ich mehr eine Frage, statt eine Anmerkung. Es geht darum, dass immer mehr Titel momentan Preise oberhalb von 50€ haben. Von Activision (oder wer war das?) wurde ja bekannt gegeben das Spiele künftig teuerer werden sollen. Und genau da setzt mein Verständis aus.

Spiele sind über die letzten ~10Jahre meines erachtens (oder irre ich?) nicht billiger, sondern eher teuer geworden. Gut man muss sagen, Spiele werden immer komplexer, die Anforderungen steigen und somit auch die gesamten Produtionskosten.

ABER: Vor 10 Jahren waren PC Spiele doch noch eher eine Niesche. Es wurden doch DEUTLICH weniger verkauft. Das heißt doch, dass jedes verkaufte Exemplar viel mehr an den Gesamtkosten decken musste. Wo früher Top Titel ein paar tausend mal verkauft wurden, werden heute Top Titel ein paar Millionen mal verkauft. Das heißt doch, dass sich ein großer Teil der Produktionskosten auf viel viel mehr Exemplare verteilt (Fixkostendegression oder so). Demnach müsste doch der einzelne Titel billiger und nicht teuer werden. Zu dem sind PCs, DVDs usw durch den techn. Fortschritt und die höheren Stückzahlen ebenfalls viel billiger geworden.

Warum also werden die Spiele eher teurer? Vielleicht könnte man mit geringeren Preisen auch noch viel mehr absetzten...über eine Antwort würde ich mich freuen.

Mfg

Flo

02.09.2009
10:36
Alain Corre: Keine guten Titel ohne Kopierschutz
von Flo | #1

Ich möchte hier mal meine Sicht der Problematik schreiben, in der Hoffnung, dass euer Interviewpartner hier die Kommentare verfolgt. Sollte er das lesen, kann er ja in einem Kommentar antworten.^^ :)

Das mit dem Mehrwert halte ich persönlich für die einzig richtige Entscheidung. Der Kopierschutz ist mehr oder weniger rausgeworfenes Geld. Er wird ehe bin in kürzester Zeit geknackt. Ein einfacher Schutz der das normale kopieren der DVD verhindert ist ja ok. Damit werden 95% der Menschen vom kopieren der DVD abgehalten. Die restlichen 5% die sich mit der Materie auskennt, schafft es so oder so.

Des Weiteren denke ich, dass der Wunsch, einer Welt ohne Schwarzkopien eine Utopie ist. Es gibt die Möglichkeit über das Internet und die wird es auch IMMER weiter geben. Außerdem ist nicht jede Kopie auch gleichzeitig ein Verlust. Als ich noch zur Schule ging(damals gab es grade die aller ersten DSL Anschlüsse die aber noch so gut wie niemand hatte), wurden die Spiele/ Filme/ Alben noch oldschool auf dem Schulhof getauscht. Man war Schüler und hatte 30- 50€ Taschengeld pro Monat. Jeder hat über Spiele geredet und jeder wollte die besagten Spiele haben (im gewissen Maße auch etwas wie Gruppenzwang). Nur niemand hatte schlicht und einfach das Geld dafür. Somit hat sich der ein oder andere ein Spiel gekauft und alle im Freundeskreis haben eine Kopie bekommen. Nächstes mal hat sich ein andere ein Spiel gekauft und es ebenfalls für alle gebrannt.
Hierbei kann man aber nicht von einem Verlust reden, da auch ohne Kopie das Spiel nicht öfter gekauft werden würde. Man hatte einfach nicht das Geld. Dadurch wurden aber viele Spiele erst populär. Heute gehen wir alle einer Arbeit nach. Die meisten spielen nach wie vor PC und haben nun das Geld um sich die Spiele original zu kaufen. Hätte man damals nur zum Geburtstag und zu Weihnachten die Change für ein neues Spiel gehabt, hätten sich die meisten (heut zahlungskräftigen Kunden!!!) schnell ein anderes Hobbie gesucht.

Worauf ich hinaus will, ist, dass man vielleicht versuchen sollte mit der Schwarzkopie zu leben, statt versuchen sie zu besiegen. Das wird wenn wir ehrlich sind nie funktionieren.

Im nachfolgenden wollte ich noch kurz etwas zu den hohen Produktionskosten sagen. Dies möchte ich am Beispiel FarCry2 verdeutlichen. Far Cry 2 war ein Spiel, welches ich mir unbedingt kaufen(!) wollte (geh ja jetzt seid längerem arbeiten). Denoch hatte mich der Kopierschutz genug abgeschreckt. Somit hatte ich meine Vorbestellung gecancelt. Im nachinein war ich froh. Meiner (subjektiven) Meinung nach, ist dort etwas schief gelaufen, was ebenfalls in Hollywood bei einigen Filmen schief läuft. Die Produktion ist sehr teuer. Am Ende steht ein Hochglanzprodukt mit Hammeroptik, Hammereffekten aber null Story bzw. null Tiefgang. Und genau das Problem aus Hollywood sehe ich mehr und mehr auch in der Spieleindustrie. Genau so werden momentan sinnlos alle möglichen Reihen mit neuer Superoptik weitergeführt. Hier wär mein Beispiel Need for Speed. Neuauflage über Neuauflage. Jedes Jahr eine minimale Neuerung im Gameplay, dann eine neue bessere Grafik drüber gejagt und fertig ist der nächste 50€ Titel.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich hiermit Schwarzkopien nicht gutheißen möchte. Denoch finde ich, dass die Industrie teilweise einen sehr merkwürdigen Blickwinkel auf die Thematik wirft. Ich möchte auch nicht anfangen groß zu spekullieren, aber hat die Kopierschutz-Industrie vielleicht gar kein Intresse an einer anderen Politik? Immerhin dürfte dort auch einiges an Geld hinterstecken. Naja soweit erstmal meine Sicht der Dinge. Eigendlich war da noch was, was ich noch ansprechen wollte, dass ist mir jetzt aber wieder entfallen.^^

Mfg

Flo

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/169666/create

Aktuelle Fotos und Videos
Ein Spiel für den Klimaschutz
Bildgalerie
A New Beginning
Die beste Seifenoper der Welt
Bildgalerie
WWE SmackDown vs Raw 2011
Professor Layton und die ewige Diva
Bildgalerie
Film und Spiel
Krimis auf dem Nintendo DS
Bildgalerie
Angespielt
Aus dem Ressort
Drakensang: Rückkehr nach Aventurien
Video
Am Fluss der Zeit
Entwickler-Video zu Drakensang: Am Fluss der Zeit
Drakensang: Rückkehr nach Aventurien
Am Fluss der Zeit
Wenn alteingesessenen Pen&Paper-Rollenspiel-Veteranen bei einem Videospiel die Tränen in den Augen stehen, kann es sich dabei nur um eines handeln: „Drakensang: Das Schwarze Auge“. Wir waren bei Radon Labs, den Entwicklern, zu Gast und haben den zweiten Teil „Am Fluss der Zeit“ angespielt.
Video 1 Kommentare 1