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Gamer-Kommentar

Die Gier der Raubkopierer

07.02.2010 | 10:06 Uhr
Die Gier der Raubkopierer

Seit der Mensch denken kann, versucht er, sich auf möglichst billige Art und Weise Videospiele zu besorgen. Naja, vielleicht nicht ganz. Sicher ist jedoch, dass das Brennen von Spielen inzwischen bei vielen Gamern fast schon Normalität ist.

Einst war das iPhone nur für ein einziges Netz zugelassen. Der amerikanische Telefon-Anbieter AT&T zahlte sogar ein hübsches Sümmchen an den Konzern mit dem Apfel, um sich in den Staaten Exklusivrechte zu sichern. Doch hatte man die Rechnung nicht mit dem Hacker George Hotz, aka „geohot“, aka „million75“, aka „mil“ gemacht. Er schaffte es, das Unmögliche möglich zu machen: Er schaffte es, das iPhone für sämtliche Netzwerke zugänglich zu machen und er hat es nun auch geschafft, die – bis dato als unknackbar geltende – PlayStation 3 zu knacken. Nach einer ersten Ankündigung veröffentlichte Hotz kürzlich auch einen ersten „exploit“ (Ausnutzung einer Lücke im System, mit der man die Kontrolle über die Hardware übernehmen kann). Sony selbst gab diesbezüglich noch kein konkretes Statement ab, man wolle den Fall jedoch genauer unter die Lupe nehmen. Wie es scheint, hat die Hacker-Community den großen Konzernen ein weiteres Mal ein Schnippchen geschlagen. Die letzte Bastion scheint gefallen. Vive la révolution! Oder vielleicht lieber doch nicht?

So abenteuerlich der ewige Kampf zwischen Herstellern und findigen Computer-Cracks auch wirken mag, so sehr schadet das ewige Hin und Her auch der Industrie. Das Brennen und Herunterladen von Spielen ist keine Erfindung der aktuellen Konsolen-Generation. Schon zu Zeiten der ersten PlayStation (und auch vorher) war das Ausleihen und Kopieren bei vielen Gamern Gang und Gäbe. Mit einem kleinen Chip und einer einfachen Anleitung, die dem kleinen Do-It-Yourself-Bausatz in der Regel beilag, war es dann plötzlich möglich, nicht nur Import-Spiele auf der eigenen Konsole wiederzugeben, nein, auch Homebrew-Software (selbst programmierte Software) und die berühmt-berüchtigten gebrannten Spiele fanden plötzlich im heimischen Laufwerk ein neues Zuhause. Auf dem Dreamcast war es dann sogar möglich, CDs – pardon GDs – auf eine Art und Weise zu brennen, dass sie sogar komplett ohne Eingriffe in die Hardware abgespielt werden konnten. Mit der PlayStation 2 und der Xbox ging es weiter und so setzt sich die Geschichte bis zum heutigen Tag fort. Ja, es ist nun möglich, Raubkopien auf jeder Plattform dieser Generation zu spielen. Nein, das ist definitiv nicht cool. Wer Spiele brennt, begeht nicht nur ein Verbrechen (auch „Verstoß gegen das Urheberrecht“ genannt), sondern schadet allen Gamern damit auch.

Ausreden

Ohne an dieser Stelle den Moralapostel zu spielen; denn seien wir mal ehrlich: Bei einem Preis von 60 Euro pro Spiel wirken die gerade einmal 11 Cent pro Rohling auf jeden Fall verführerisch und auch die Argumentation vieler bekennender Raubkopierer ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Es steht ja immerhin außer Frage, dass es sich bei den eben angesprochenen Preisen für Videospiele um alles andere als Peanuts handelt. Ja, 60 Euro sind eine ganze Stange Geld - keine Frage. Andererseits sollte man jedoch auch bedenken, dass es sich bei dem von uns allen geliebten Hobby immer noch um ein Hobby, also eine Art Luxus handelt, den wir uns gönnen. Angesichts einer Vielzahl an Top-Titeln, die innerhalb eines engen Zeitraumes erscheinen, kann man sich natürlich gut vorstellen, dass sich manch ein Gamer wünscht, dass „Heavy Rain“ und „God of War III“ für ’nen Appel und ’n Ei zu bekommen sind. Sind sie aber nicht.

Das häufig genannte Argument bzw. die Kritik, dass Spiele heutzutage zu teuer, quasi nicht mehr erschwinglich seien oder zu verbugt, zieht somit schlicht und ergreifend nicht. Immerhin liegt es ja an uns, zu entscheiden, welchen Titel wir für spielenswert halten und welchen nicht. Wir entscheiden, ob wir unser Geld für eine Vielzahl an leckeren Croissants ausgeben oder aber für „Bayonetta“. Reicht das Geld nicht aus, müssen wir uns eben in Abstinenz üben. In beiden Fällen würde uns die Kassiererin jedoch mit einem seltsamen Blick mustern, wenn wir einfach in das Regal greifen und die Ware ohne zu bezahlen mitnehmen würden. So in etwa verhält es sich auch mit der Brennerei. Videospiele sind Luxusgüter, ebenso wie besonders delikates Gebäck. Wir haben kein absolutes Recht darauf, sie zu besitzen und zu spielen. Wollen wir es trotzdem tun, gilt es, sich an die Regeln zu halten. Das bedeutet: Brav in den sauren Apfel beißen und ins Portemonnaie greifen.

Gegenschlag

Andererseits sind Floskeln wie: „Die Produktion wird immer teurer…“, aus dem Munde eines Managers, der monatlich einen fünfstelligen Betrag auf sein Konto überwiesen bekommt, gefundenes Fressen für überzeugte Brenner. Doch nur wenige sehen diejenigen, die ihr Herzblut in Blockbuster wie „Grand Theft Auto IV“ hineinstecken: die Entwickler selbst. Diese verdienen nämlich, im Gegensatz zu den berühmt berüchtigten Anzugträgern, keine horrenden Summen. Der aktuelle Fall von Rockstar Games, in dem sich die Ehefrauen der Team-Mitglieder in einem offenen Brief über die Arbeitsverhältnisse beschweren, beweist ein weiteres Mal, dass die Arbeit in der Spiele-Entwicklung alles andere als ein Kinderspiel ist. Findige Hacker und deren Gefolgschaft, die tüchtig damit beschäftigt sind, Konsolen zu knacken und Spiele zu brennen, machen die Sache natürlich nicht besser. Dass die Zahl derer, die mit ihrer Konsole illegal unterwegs sind, nicht gerade gering ist, bewies wohl die Bann-Welle von Microsoft im letzten Jahr, von der nahezu eine Millionen Konsolen betroffen waren.

Was wartet also in Zukunft auf uns? Die Games-Industrie wird – PlayStation-3-Exploit hin oder her – sicherlich nicht von heute auf morgen aussterben. Trotzdem sollten sich Gamer – das sind wir, ich, du und ihr – langsam aber sicher darüber Gedanken machen, ob unser eigener Egoismus nicht vielleicht schon bald dafür sorgen könnte, dass die jetzt noch pulsierende Industrie in Zukunft den Wastelands von „Fallout 3“ gleicht. Und genau diese Art von Spiel könnte dann der Vergangenheit angehören. Wollen wir das wirklich?

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Mircafar Mirzayev

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Kommentare
23.04.2010
09:22
Die Gier der Raubkopierer
von MannDerArbeit | #2

Warum 50€ für ein Spiel zahlen, wenn man für 50€ eine Jahres Flatrate für Spiele, Filme und Programme bekommt: RAPIDSHARE =
Aber ich mach sowas natürlich nicht!

23.04.2010
08:08
Die Gier der Raubkopierer
von GamerOne | #1

Vielleicht sollten sich die Spielehersteller ihren Verlust bei den Hardwareherstellern zurückholen.

Immerhin sind Raubkopien für den Erfolg der Geräte mit verantwortlich.

Oder warum waren der C64 und die PS1 so erfolgreich?

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