Zum Niederknien - Eine Reise zu den Gorillas in Ruanda

In Ruanda können Urlauber auf Wanderrouten Berggorillas für eine Stunde besuchen.
In Ruanda können Urlauber auf Wanderrouten Berggorillas für eine Stunde besuchen.
Foto: Heike van Braak
Was wir bereits wissen
Berggrorillas im Bambuswald, weite Sandstrände und Palmen - Ruanda hat Touristen viel zu bieten. In dem afrikanischen Land herrscht Aufbruchsstimmung.

Ruanda.. Es riecht nach nasser Erde, und dichte Nebelschleier steigen auf. Um die achtköpfige Gruppe herum ist nur Dickicht – ein einziges Gewirr aus Ästen, Blättern, Bambus und Lianen. Immer wieder müssen die Ranger mit ihren Macheten den Weg freischlagen, als der entscheidende Hinweis kommt. Ein Fährtenleser teilt über Funk mit, dass die Gorillas auf einer Lichtung oberhalb des Bambuswaldes rasten. Die Verbindung ist schlecht, der Aufstieg zur Lichtung beschwerlich. Festes Schuhwerk zahlt sich jetzt aus, und die langen Ärmel schützen vor Dornen.

Plötzlich schiebt sich ein mächtiger Schatten durch Riesenfarne, und dunkle, ausdrucksstarke Augen blicken neugierig umher. Es ist einer jener imposanten Silberrücken – mehr als 200 Kilogramm schwer, mit fast schwermütigem Blick.

Berggorillas beeindrucken Runanda-Touristen

All das geschieht auf 2500 Metern Höhe am Fuße des Vulkans Gahinga. Er ist einer der acht Vulkane der Virunga-Kette im Dreiländereck Ruanda, Uganda und Demokratische Republik Kongo. Hier leben die rund 800 letzten Berggorillas – je nach Wanderrouten davon 370 in Ruanda. 80 Tiere sind an Menschen gewöhnt. Sie werden einmal täglich für maximal eine Stunde von einer Gruppe mit bis zu acht Teilnehmern besucht. Der stolze Preis von 750 US-Dollar für dieses wohl einmalige Erlebnis kommt den Gorillas zugute: Sie werden überwacht, von Tierärzten betreut und für sie bleiben die Wälder Ruandas von der Rodung verschont.

Von der Gorilla Mountain Lodge geht es früh morgens in den Parc National des Volcans. Hier sollte zwischen Tourist und Tier ein Abstand von fünf Metern bleiben – doch offensichtlich kennt nicht jeder Gorilla diese Regel. Der neugierige Schwarzrücken zum Beispiel kommt ganz nah, um den Sinn und Zweck von Schnürsenkeln zu erforschen. Jetzt bloß die Ruhe bewahren, ihm nicht direkt in die Augen sehen und langsam rückwärts gehen. Hinüber zu der Lichtung, wo sich ein Silberrücken niedergelassen hat – mächtiges Oberhaupt einer 19-köpfigen Familie und doch die Gelassenheit in Person. Es scheint fast, als blicke er den nur wenigen Metern entfernten Kameras direkt ins Objektiv. Unergründlich der Blick, stolz die Erscheinung.

Golden Monkeys - Runandas bedrohte Primaten

Die amerikanische Zoologin Diane Fossey versuchte ab 1967, das Verhalten der Gorillas im Westen Ruandas zu ergründen. Sie wurde bekannt durch das Buch „Gorillas im Nebel“ sowie den gleichnamigen Film und verbrachte fast 20 Jahre im Urwald. 1985 wurde sie von Unbekannten in ihrer Hütte ermordet. Ihr Grab liegt bis heute in der Nähe ihrer Forschungsstation zwischen den Vulkanen Karisimbi und Visoke. Kurz vor ihrem Tod schrieb die Forscherin: „Die Menschen müssen entscheiden, ob die Berggorillas noch im selben Jahrhundert ausgelöscht werden, in dem sie entdeckt worden sind.“

Sie wurden nicht ausgerottet – auch durch Fosseys Arbeit. Mittlerweile hat sich die Population erholt. In den 1980er-Jahren gab es weltweit nur noch etwa 200 Tiere. Auch die am meisten bedrohten Primaten leben hier: Golden Monkeys sind ebenso selten wie charismatisch. Sie blieben wie ein verborgener Schatz jahrlang unbeachtet, aber heute ist klar: Die Primaten mit dem markanten Gesicht und der goldenen Fellfarbe sind vom Aussterben bedroht.

Wende zum Positiven in Ruanda ist spürbar

Die Wende zum Positiven ist überall in Ruanda spürbar. Es herrscht Aufbruchstimmung. Schon wer in der Hauptstadt Kigali zu einer City Tour aufbricht, ist überrascht: Ruanda ist auf eine für Afrika fast einzigartige Weise sauber und sicher – Plastiktüten sind verboten, Umweltverschmutzung wird mit Knöllchen geahndet, und überall eilen die Menschen betriebsam umher. In der Stadt, einst von dem deutschen Kolonialisten Dr. Richard Kandt gegründet, erinnern nur noch Museen und ein Genozid-Denkmal an den furchtbaren Völkermord vor rund 21 Jahren.

Nach einer Nacht in der boomenden Stadt verlassen die meisten Besucher Kigali in Richtung Nyungwe Nationalpark. Viele von ihnen setzen auf die erfahrenen Guides von Primate Safaris, um die vielen Facetten Ruandas ganz entspannt vom Allrad-Fahrzeug aus kennenzulernen.

In Ruanda hat Afrika viele Seiten

Zum Beispiel die Schimpansen des Nyungwe Nationalparks. Ihnen kommen die Besucher zwar nicht so nahe wie den Gorillas, aber dafür scheuchen sie mit lautem Geschrei viele der 275 endemischen Zugvogelarten auf. Ein Besuch im Nationalpark lohnt sich schon allein, um am Abend in der Nyungwe Forest Lodge einzukehren. Die Lodge mit ihren kleinen Chalets aus dunklem Holz liegt auf einer Teeplantage am Rande des dichten Regenwaldes mit traumhaftem Blick, luxuriösen Zimmern, stilvollem Restaurant, beheiztem Pool sowie Wellness- und Fitnessbereich.

Infobox-082.xml In Ruanda hat Afrika viele Seiten. Nach üppigem Regenwald führt der Weg durch dieses fruchtbare Land der tausend Hügel zum Kivu-See – dem größten im Lande und damit zu Sandstränden, Palmen und Hotels aus der Kolonialzeit. Die Stadt Rubavu liegt nur 25 Kilometer von der Grenze zu Uganda entfernt und bietet einen Panoramablick auf die umliegenden Vulkane. Die wohl klassischste Seite Afrikas zeigt Ruanda im Akagera National Park an der Grenze zu Tansania.

Leoparden dösen satt in Runadas Sonne

Jede Menge Flusspferde gibt es in den Gewässern der ausgedehnten Busch- und Grassavannen, aber auch Elefanten, Büffel, Giraffen, Impalas und elf verschiedene Antilopenarten. Mit viel Glück entdecken Besucher in den Baumwipfeln auch Leoparden, die nach reichhaltigem Frühstück in der Sonne dösen. Nachts im großzügigen Zelt des Ruzizi Tended Camp berauscht die Aussicht auf Ihemasee und funkelnden Sternenhimmel – alles begleitet von durchdringenden Rufen der unzähligen Hippos.

Doch die Pläne für den Akagera Nationalpark sind ebenso ambitioniert wie realistisch: Nashörner und sogar Löwen aus Kenia sollen die Big Five komplettieren – und dann wäre Ruanda das einzige Land Afrikas, das seinen Besuchern Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden in einem Atemzug mit Gorillas und Golden Monkeys bieten kann. Einzigartig aber ist Ruanda schon heute. Ein Land zum Niederknien.