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Zu Besuch bei den Maori in Neuseeland

27.09.2012 | 17:53 Uhr
Zu Besuch bei den Maori in Neuseeland
Der Nasenkuss ist die traditionelle Begrüßung der Maori - zunächst etwas gewöhnungsbedürftig für westliche Besucher.

Wellington.  Neuseeland ist bekannt für seine Rugby-Nationalmannschaft, die Schafe und als Drehort für die "Herr der Ringe"-Trilogie. Mehr und mehr möchte sich das Nachbarland Australiens aber auch als Feinschmecker-Paradies profilieren. Außerdem gibt es die faszinierende Kultur der Maori zu bewundern.

Und jetzt bitte den Nasenkuss. Und dass sich keiner drückt! Das Begrüßungsritual, bei dem sich die Nasen berühren, nehmen die Maori genau. Ein gutes Dutzend hat sich zur traditionellen Beschnupperung postiert wie für einen Staatsbesuch. Völlig fremde Leute empfängt man gern im verschwiegenen Waldstück beim 240-Seelen-Ort Waimarama. Dort sind diesmal durstige Deutsche in sengendem Mittagslicht in den Geländewagen geklettert, Ureinwohner kennen lernen steht in ihrem Programm.

Auf einmal wird ihnen bange. Diese Bräuche aus uralter Zeit! Doch ohne Hongi – so heißt die Schnüffelei – kein Einblick ins Hakikino Reservat. Beherzt pressen die Besucher die Nase in die Gesichter der Gastgeber. Ob man sich gut riechen kann?

Die Maori lächeln, die Gäste holen Luft. Die erste Prüfung ist bestanden. Nun wird es schwieriger. Ben Keefe, achtfacher Großvater und mehr als 20 Jahre als Musiker unterwegs, bevor er merkte, dass kein Land schöner ist als Neuseeland, greift zur Gitarre und singt. Dann sind die Deutschen dran mit einer Gesangseinlage (waiata). „Die Gedanken sind frei“ fällt ihnen ein. Auch wenn nicht alle den Text kennen und einige nur dünn summen, bedanken sich die Maori freundlich. Das Eis ist gebrochen auf Neuseelands Nordinsel.

Nachdem die Maori-Männer ihre Musikinstrumente vorgeführt haben, präsentieren die Frauen geflochtene Körbe und Gürtel: Kunst zum Ausführen. Aber es geht nicht nur um die schöne Form bei diesem Besuch. „Wir möchten mit euch unser Wissen und unser Essen teilen“, sagt Arapera. Die heilkundige und lebenskluge Frau weiß, dass die Maori ihre Werte der globalen Gemeinschaft vermitteln müssen, um ihr Überleben zu garantieren: „Umso sicherer wird unsere Kultur.“

Der Rat einer Maori: Schalt ab!

Aus diesem Grund werden nunmehr regelmäßig Reservat-Touren angeboten. Vom Publikum wird kein Beifall für folkloristische Gaudi erwartet, man soll etwas mitnehmen. Routiniert zupft Arapera auf einem mit Gras bewachsenen Pfad jedes Kraut, das für eine Anwendung gewachsen ist. Sie erklärt die Pflanzen und durchleuchtet zugleich die Seelen. Die dauergestressten Deutschen staunen. Die gutaussehende unaufgeregte Frau in mittlerem Alter erkennt einen Menschen, noch bevor er spricht und gibt Rat: „Schalten Sie drei Gänge runter.“

Info
Neuseeland

Anreise: Mit Lufthansa ( 01805/80 58 05,
www.lufthansa.com) oder Air New Zealand ( 0800/1 83 06 19, www.airnewzealand.de) ab Frankfurt über Hong Kong nach Auckland.

Einreise: Mit Reisepass. Für Touristen mit einer Aufenthaltsdauer von bis zu drei Monaten ist kein Visum erforderlich.

Veranstalter: Meier’s Weltreisen ( 069/95 88 59 29,
www.meiers-weltreisen.de) bietet eine 17-tägige Rundreise „Neuseeland im Geländewagen“ ab 3891 Euro p.P. Explorer Fernreisen (www.explorer.de) bietet eine elftägige Mietwagenrundreise „Facetten der Nordinsel“ ab 732 Euro p.P. (ohne Flüge).

Kontakt: Tourism New Zealand, www.newzealand.com

Mehr als Nasenküsse verbindet ein Mittagsmahl. Auf einer einsamen Anhöhe haben die Maori eine Mahlzeit (kapu tī) mit regionalen Spezialitäten unter einer Zeltplane zubereitet. Und als die Tafel aufgehoben wird, erfährt man, wozu das alles gut war: Niemals mehr senkt sich der Vorhang so ganz. „Von nun an“, sagt Ben zum Abschied, „gehört ihr zu unserer Familie“.

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